Weniger als zwei Wochen vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus nimmt die Debatte um eine mögliche Teilbebauung des Tempelhofer Felds noch mal Fahrt auf. Die Initiative „100% Tempelhofer Feld“ spricht sich gegen den Wohnungsbau aus – und mobilisiert abermals. Diesmal mit prominenter Unterstützung. Die Schauspielerin Jella Haase ist eine der Unterstützerinnen und kämpft für ein freies Feld.

In einem auf Instagram veröffentlichten Video kritisiert sie die „Baulobby“ und Investoren, die mit dem Tempelhofer Feld ein „Milliardengeschäft“ machen wollen. Das etwa einminütige Reel ist professionell produziert und wurde in weniger als 24 Stunden bereits über 700.000-mal angeschaut und tausendfach geteilt. Auch von anderen Prominenten.

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In dem Clip ist Jella Haase zu sehen, wie sie auf einem Fahrrad mit zwei Kindern über die ehemalige Landebahn fährt. Wie sie Blumen im Gemeinschaftsgarten gießt. Und wie sie auf einem Aussichtspunkt mit dem Fernglas in die Weite schaut. „Sag Nein zum Ausverkauf der Stadt“, lautet die Botschaft des Videos, das wie ein Werbeclip daherkommt.

Initiative: Jella Haase engagiert sich ehrenamtlich fürs Feld

Wie die Initiative „100% Tempelhofer Feld“ auf Anfrage der Morgenpost mitteilte, sei die Schauspielerin selbst auf die Initiative zugekommen. Und zwar „als Berlinerin, die sich für das Feld und für die Stadt engagiert“, erklärte Esther Witt von der Initiative. Ebenso wie viele andere aus Kunst und Kultur.

„Das Video wurde von Leuten aus der Filmbranche produziert, die sich alle ehrenamtlich einbringen und für das Feld einsetzen wollten“, sagte Witt. „Da wurde niemand bezahlt.“ Es sei also „keine finanzierte Marketingkampagne von oben“, sondern eine Initiative aus der Bevölkerung. Als Schauspielerin bringe Haase natürlich Ausstrahlung und Bekanntheit mit. Allerdings spiele sie keine Rolle, sondern es sei ihr persönliches Anliegen.

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Der Zeitpunkt der Veröffentlichung – kurz vor der Wahl – ist natürlich kein Zufall. Das Video endet mit der Aufforderung von Haase: „Informiert euch und geht wählen, Leute.“ Auf der Website verbreitet die Initiative gleichzeitig einen „Parteiencheck“. „Es geht uns darum, dass die Menschen bei der Wahl eine informierte Entscheidung treffen“, sagte Witt.

Linke und Grüne wollen das Tempelhofer Feld demnach erhalten. Die SPD will es zumindest „in seiner heutigen Funktion“ erhalten und „behutsam“ weiterentwickeln. Die CDU bekennt sich „klar zur Randbebauung“. Bei der AfD kommt das Tempelhofer Feld nicht im Wahlprogramm vor. Die Partei plädiert aber für einen erneuten Volksentscheid.

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Diesen gab es bereits 2014. Schon damals war der Wohnungsbau auf dem Feld umstritten. Die Berlinerinnen und Berliner lehnten ihn mit dem Volksentscheid von damals allerdings ab. Seitdem ist er gesetzlich tabu. Die CDU will das nun ändern. Spitzenkandidat Stefan Evers hatte zuletzt bei einer Diskussion der Berliner Morgenpost mit den Spitzenkandidaten betont, es sei nicht vermittelbar, wenn etwa im Osten der Stadt viele grüne Innenhöfe bebaut werden, das Tempelhofer Feld mit viel Potenzial für Wohnungsbau aber frei bleibe.

Entwurf sieht Platz für mehr als 20.000 Wohnungen

Unterstützung bekommen Evers und die CDU von der Investitionsbank Berlin (IBB), der Förderbank des Landes Berlin. In einer Studie hatte sie das von der CDU unterstützte Vorhaben von 21.400 neuen Wohnungen an den Rändern des Tempelhofer Felds als finanziell machbar eingeschätzt. Sogar dann, wenn 30 Prozent der Wohnungen, wie in Berliner Neubauprojekten üblich, vergünstigt angeboten werden. Die Rede ist von 7000 Wohnungen, die für sieben Euro pro Quadratmeter und Monat angeboten werden. Damit könnte das ehemalige Flughafengelände zum Testgebiet für seriellen Wohnungsbau in großem Stil werden.

Konzept „Zuhause am Tempelhofer Feld“. Bild: Kollhoff/Nöfer/Astigmatic 
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Konzept „Zuhause am Tempelhofer Feld“. Bild: Kollhoff/Nöfer/Astigmatic 
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Konzept „Zuhause am Tempelhofer Feld“. Bild: Kollhoff/Nöfer/Astigmatic
So könnte eine Randbebauung des Tempelhofer Felds aussehen. © Kollhoff/Nöfer/Astigmatic | Kollhoff/Nöfer/Astigmatic

Jella Haase und die Initiative halten das für falsch. Es sei eine „dreiste Lüge“, wenn behauptet wird, dass eine Randbebauung des Felds die Berliner Mietenkrise lösen würde, sagt Haase in dem Video. Der Berliner Senat habe selbst genug Flächen für 250.000 Wohnungen in der Stadt identifiziert – auch ohne das Feld. Gleichzeitig würde „das Berlin, das wir alle so lieben“, mit einer Bebauung verschwinden.

Diesen Standpunkt hatte sie bereits beim Festival für ein freies Tempelhofer Feld am vergangenen Freitag betont. „Das Tempelhofer Feld ist ein ganz besonderer Ort, der allen gehört“, hatte sie im Gespräch mit der Morgenpost erklärt. „Wenn das Feld bebaut wird, ist es aber nur noch ein Ort, der wenigen gehört.“ Das sei nicht gerecht. Zudem würden mit einer Bebauung vor allem jene Flächen wegfallen, auf denen aktuell Freizeitaktivitäten stattfinden.