Zwischen den donnernden Geräuschen von Kränen und Baggern haben sich am Mittwoch auf dem ehemaligen Gelände des Güterbahnhofs Mariendorf über 100 Menschen eingefunden. Angeregte Gespräche, klingende Sektgläser. Die Gäste, darunter Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Stadtentwicklung, waren gekommen, um die Grundsteinlegung für eines der größten Bauprojekte Berlins zu feiern: das Stadtquartier Marienhöfe.
Investor Reinhold Semer blickte bei seiner Rede zurück auf die Ursprünge des Projekts. „2008 haben wir das Grundstück gekauft. Da waren hier noch Schrebergärten“, erklärt er. Die Semers hatten damals einen Baumarkt auf dem Gelände gebaut, der aber auch weichen musste. Nun, 17 Jahre später, sei die Fläche zu einem zukunftsweisenden Quartier umgeplant worden – eine Aufgabe, die allein acht Jahre an intensiver Planung beanspruchte.

Sozial, ökologisch und vor allem: teuer
Dabei habe es einige Hindernisse gegeben, wie Semer erzählt. „Einige Hürden waren zum Beispiel die hier ansässigen Zauneidechsen. Für sie wurde extra ein neues Zuhause in Brandenburg geschaffen.“ Doch damit nicht genug: Der Ukrainekrieg und damit verbundene explodierende Baukosten sowie Zinsen erschwerten das Projekt zusätzlich.
Obwohl Semer sich laut eigener Aussage „mehr rechts als links“ einordnet, wurden bei den Marienhöfen viele soziale und ökologische Komponenten berücksichtigt. Das ist nicht zuletzt engagierten Politikern, Planern und Nachbarschaftsinitiativen zu verdanken, mit denen die Semers einige Differenzen überwinden und Kompromisse finden mussten – teure Kompromisse, so Reinhold Semer.
Ärztehaus, Fahrradstraßen und ein Bergmolchhabitat
Neben den umgesiedelten Eidechsen wurde von der Firma Gasag beispielsweise ein effizientes Energiesystem für das Quartier entworfen. Auch eine Kita und ein Ärztehaus wird es auf dem Gelände geben. Die Außenanlagen sollen neben naturnahen Bereichen wie einem Bergmolchhabitat auch Platz für Sportanlagen, Spielplätze und Grünflächen bieten.
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Auch Tempelhof-Schönebergs Bürgermeister Jörn Oltmann würdigte das Stadtquartier als „besonderes Symbol“. Neben seiner städtebaulichen Attraktivität stehe es auch für soziale Mischung und ökologische Verantwortung. Fahrradwege beispielsweise seien im Quartier nicht nur berücksichtigt, sondern teilweise über die gesetzlichen Vorgaben hinaus geplant worden.
„Wir können nicht mehr so bauen wie vor 100 Jahren“
Auch die Geschwindigkeit des Prozesses hob Oltmann hervor: Nur zwei Jahre nach Fertigstellung des Bebauungsplans sollen die ersten Wohnungen bereits bezogen werden können. Laut Oltmann ein Zeichen dafür, wie gute Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Stadtplanung zu einem reibungslosen Ablauf führen kann. In einer Zeit, in der Stillstand und Bürokratie häufig kritisiert werden, sei der Grundstein der Marienhöfe damit auch ein symbolischer Grundstein für moderne und effiziente Stadtplanung.
Der Bau des Quartiers wird durch die serielle Bauweise des Generalunternehmers Goldbeck ermöglicht, die Prozesse deutlich beschleunigt. „Wir können nicht mehr so bauen wie vor 100 Jahren. Das kostet zu viel Zeit und Geld. Aber wir setzen dem etwas entgegen“, sagte Robert Wall von Goldbeck bei seiner Rede. Bauelemente werden vorproduziert und dann vor Ort montiert, was Bauzeit und Kosten minimiert.

Individuelle Gebäude im autofreien Stadtquartier
Auf zehn Hektar entsteht mit den Marienhöfen ein modernes Stadtviertel mit knapp 900 Wohnungen, von denen 30 Prozent gefördert sind. Besonderen Wert legt das Architekturbüro Collignon auf Vielfalt und eine individuelle Gestaltung der Gebäude: Die Fassaden sollen abwechslungsreich und lebendig wirken. Durch die Kombination von verschiedenen Materialien wie Keramikfliesen, Putzflächen, Metall-Glas-Elementen und Holzhybriden entsteht ein Quartier mit eigenem Charakter.
Das Stadtquartier wird nahezu autofrei gestaltet. Für die Bewohner wird eine Nord-Süd-Radverbindung durch das Gelände führen. Autofahrer können ihre Fahrzeuge in einer unterirdischen Tiefgarage parken, die 527 Stellplätze sowie 186 E-Ladepunkte bietet.
Auszeichnung für nachhaltiges Bauen
Ein Teil des Geländes wird entsiegelt, um die ökologische Verantwortung zu unterstreichen. Das Quartier wurde bereits von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) vorab mit der Auszeichnung in Platin gewürdigt.
Das neue Stadtquartier in Tempelhof-Schöneberg zeigt, wie dringend benötigter Wohnraum, ökologische Maßnahmen und soziale Vielfalt erfolgreich miteinander kombiniert werden können – trotz globaler und lokaler Herausforderungen. Der Grundstein ist gelegt, die ersten Wohnungen sollen schon in zwei Jahren bezugsfertig sein. Die Gesamtfertigstellung des nördlichen Abschnittes der Marienhöfe ist für August 2028 vorgesehen.




