Ein Jahr lang fehlte er über dem Tempelhofer Feld: der legendäre Leuchtschriftzug „Berlin-Tempelhof“. Seit Montagnachmittag thront er wieder auf seinem angestammten Platz – restauriert, rostfrei und mit neuem Anstrich, aber dennoch historisch authentisch. Ab Donnerstag, spätestens Freitag, soll er wieder in seinem charakteristischen Hellblau über dem Tempelhofer Feld leuchten.
Der 43 Meter lange und zwei Meter hohe Schriftzug, der vermutlich 1973 errichtet wurde, war im vergangenen Oktober im Zuge der Dach- und Betondeckensanierung abmontiert worden. Die Restaurierung kostete nach Angaben der Tempelhof Projekt GmbH 210.000 Euro. Die Mittel stammen aus dem Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt (SIWA).
Denkmalgerechte Restaurierung für ikonischen Schriftzug
In einer Werkstatt in Hoppegarten wurden die Buchstaben denkmalgerecht durch die Firma Heckmann GmbH & Co. KG aufgearbeitet. Durchgerostete Blechteile wurden ersetzt, die Korrosion entfernt. Wo möglich, blieb die historische Substanz erhalten. Von den 213 integrierten Neonröhren, die eigens für den Schriftzug maßgefertigt wurden, mussten nur zwölf ausgetauscht werden.
„Wir verfolgen ein non-invasives Konzept, mit dem die historische Substanz erhalten werden soll“, sagt Restauratorin Sarah Gschlecht. „Dafür nehmen wir einen höheren Wartungsaufwand in Kauf.“ Auch bei der Farbe setzte man auf Authentizität: Der historische Farbton wurde mit einem standardisierten Farbsystem definiert und als Lack neu aufgetragen. Partiell blieb sogar der alte Anstrich erhalten.
„Mit neuen Röhren oder sogar LEDs hätte man den historischen Faktor verloren“, so Gschlecht. „Das wäre eine neuartige Optik, die dann recht schnell ihren Charme verliert.“
Der Schriftzug in der eigens entwickelten Schriftart „Akzidenz Grotesk“ löste 1973 einen einfachen Farbanstrich ab. Auch die Wand hinter dem Schriftzug, auf dem die Feldhöhe des Flughafens „164 Feet Field Elevation“ steht, soll neu lackiert werden. Erste Anstrichproben sind für Dezember geplant.
Generationenprojekt Dachsanierung
Der restaurierte Schriftzug ist Teil der umfassenden Betonsanierung des Flugsteigdaches A1 und A2, die im Mai 2024 startete. Bis Anfang 2027 soll die erste Hälfte des Daches fertig sein, der Rest wird folgen. Insgesamt 32 Millionen Euro werden für 21.000 Quadratmeter überdachte Freifläche investiert.
„Das ist wie die Dachsanierung eines Einfamilienhauses mal tausend“, vergleicht Fabian Schmitz-Grethlein, Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH. Besonders herausfordernd: Das Strahltragwerk in dieser Größenordnung ist einzigartig. Für dessen Restaurierung mussten neue Techniken entwickelt werden. Einen Zeitrahmen dafür gibt es noch nicht.
„Sanierung ist eine Generationenaufgabe“
Zusätzlich erschwert wird die Arbeit durch die Baumaterialien der 1930er-Jahre. Man hatte damals genommen, was da war, und Zuschlagstoffe zusammengemischt, die man so nicht verwendet, um rechtzeitig fertig zu werden. Der Kriegsbeginn stand damals kurz davor.

Der Tempelhofer Flughafen ist Deutschlands größtes Baudenkmal. „Die Sanierung ist eine Generationsaufgabe“, betont Schmitz-Grethlein. „Wir betreiben das hier als Operation am offenen Herzen.“ Gemeint ist damit, dass parallel zu den Bauarbeiten der Betrieb weiterläuft – aktuell etwa mit der Nova Music Festival Exhibition in der Haupthalle, die an das Massaker vom 7. Oktober 2023 in Israel erinnert, oder der Nutzung als Flüchtlingsunterkunft.
Diskussion über künftige Nutzung
Während die Sanierung läuft, wird im Hintergrund über die weitere Nutzung des Areals diskutiert. Derzeit sind rund 120.000 Quadratmeter in Hangars, Werkstätten und Büros an die Polizei vermietet – etwa die Hälfte der nutzbaren Fläche. Viele bestehende Nutzungen haben keine offizielle Genehmigung und werden nur vorübergehend geduldet.
Ein überarbeiteter Vorschlag des Projektentwicklers Euref sieht den Bau eines versenkten Kongress- und Veranstaltungszentrums für bis zu 10.000 Personen auf dem asphaltierten Vorfeld vor – außerhalb des durch das Tempelhofer-Feld-Gesetz geschützten Bereichs. Der ursprüngliche Plan zur Verlagerung von Teilen des Messegeländes wurde abgespeckt, um Bedenken des Senats zu begegnen.
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Ziel ist es, Berlin eine Infrastruktur für große Veranstaltungen und Konzerte zu verschaffen, für die es derzeit keine ausreichenden Kapazitäten gibt. Für Veranstaltungen mit mehr als 50.000 Besuchern gibt es neben dem Olympiastadion keine Alternative. Die historischen Hangars sollen für Begleitausstellungen genutzt werden, um mehr Publikum anzuziehen.



