Diesen Tag wird Israel nie vergessen. Am 7. Oktober 2023 überfiel die radikalislamische Hamas das Nova-Musikfestival nahe der Grenze zu Gaza. Es war der bislang tödlichste Angriff auf ein Musikereignis weltweit. 411 Menschen wurden dabei ermordet, Hunderte weitere der gut 3000 tanzenden Besucher verletzt und 43 in den Gazastreifen verschleppt. Seitdem tobt bis heute ein Krieg in Gaza, in dem durch Angriffe des israelischen Militärs Zehntausende Palästinenser, darunter viele Zivilisten, getötet wurden.

Lichter und Zettel auf einem schwarzen Untergrund.
Die Ausstellung ist nur spärlich beleuchtet und dadurch sehr atmosphärisch.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Eine Gedenkausstellung, die an diesem Dienstag, 7. Oktober, in Berlin eröffnet wird, blickt nun auf die Ereignisse vor zwei Jahren zurück. Die „Nova Music Festival Exhibition“ für die Opfer des Terrorangriffs der Hamas auf das Nova-Musikfestival ist damit erstmals überhaupt in Europa zu sehen. Bei den bisherigen Stationen in Tel Aviv, New York, Los Angeles, Miami, Buenos Aires, Toronto und Washington, D.C. zählte sie bereits mehr als eine halbe Million Besucher.

Kai Wegner: „Diese Ausstellung nimmt einen ganz schön mit“

Am Sonntagabend besuchte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) die Ausstellung im Flughafen Tempelhof vorab und hielt ein Grußwort vor geladenen Gästen. Beim Rundgang durch die Ausstellungsräume sagte Wegner, diese bewege ihn sehr. Besonders eindrücklich seien für ihn die persönlichen Berichte. Das Nova-Festival, so erklärte er, stehe für Werte, für die auch Berlin stehe. „Barbarische Terroristen“ hätten damals friedliche und tanzende Menschen brutal aus ihren Träumen gerissen.

Mahn- und Gedenkfahrt zum Gedenken der tödlich verunglückten Motorradfahrer
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner blickt in eines der Autowracks. Neben ihm: Rabbiner Yehuda Teichtal (links), Ron Prosor (Botschafter Israels in Deutschland) und Nova-Musikfestival-Gründer Ofir Amir (ganz rechts).© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Dass auch nach zwei Jahren noch immer Geiseln gefangen gehalten und gequält werden, mache ihn „fassungslos“. „Ich hoffe, dass möglichst viele Berliner diese Ausstellung sehen“, sagte Kai Wegner. Auch wenn er zugab: „Diese Ausstellung nimmt einen ganz schön mit. Ich bin sicher, wer hier reingeht, geht mit einem anderen Gefühl wieder raus.“

Mahn- und Gedenkfahrt zum Gedenken der tödlich verunglückten Motorradfahrer
Auf den Toiletten sind die Einschusslöcher zu sehen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Bereits im Vorfeld hatte er geäußert, dass die Schau die „barbarische Todesspur“ sichtbar mache, die die Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 in Israel hinterlassen habe. „Die Ausstellung ist eine Einladung an alle, genauer hinzuschauen und sich bewusst zu machen, dass es den Tätern allein um Terror und Gewalt gegen unschuldige Menschen ging“, betonte er. Zusammen mit Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) und dem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hat Kai Wegner die Schirmherrschaft übernommen.

Schau im Flughafen Tempelhof lebt von persönlichen Berichten

Kulturstaatsminister Weimer erklärte, der Terroranschlag der Hamas sei ein „brutales Massaker“ und ein Angriff auf die Idee von Freiheit selbst gewesen. „Er erschütterte über Israel hinaus das jüdische Leben weltweit“, so Weimer. Die Ausstellung erinnere an die jungen Menschen, die beim Nova Music Festival friedlich zusammenkamen, das Leben feierten und dann zu Opfern von Terror, Entführung und Mord wurden. „Dass die Ausstellung nun erstmals in Europa, in Berlin, gezeigt wird, ist ein starkes Signal: Wir vergessen die Opfer nicht“, bekräftigte der Minister.

Mahn- und Gedenkfahrt zum Gedenken der tödlich verunglückten Motorradfahrer
Noch immer befinden sich einige Geiseln in den Händen der Hamas im Gazastreifen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Bildungsministerin Karin Prien sieht in der Schau eine Hilfe, „das Unsagbare zu verarbeiten“. Diese lasse die Besucher trauern, erinnern und zugleich hoffen. Die Ausstellung mit dem Titel „October 7, 06:29 AM – The Moment Music Stood Still“ ist so aufgebaut, dass sie das Festivalgelände rekonstruiert. Gezeigt werden forensisches Material und multimediale Installationen, ergänzt durch persönliche Berichte von Überlebenden sowie Angehörigen der Opfer.

Einschusslöcher in Toiletten und ausgebrannte Autos

Zu den Opfern des Massakers gibt es jeweils einen kleinen Text, der ihr Schicksal kurz zusammenfasst. So zum Beispiel von Shani Louk. Die junge Tattoo-Künstlerin besuchte das Nova-Festival mit ihrem Partner Orion Hernandez-Radoux und ihrem Freund Keshet Casarotti-Kalfa. Während des Hamas-Angriffs versuchten die drei zu fliehen, gerieten auf der Landstraße 232 jedoch in einen Hinterhalt bewaffneter Terroristen und wurden ermordet. Ein Video, das die Terroristen aufnahmen und das den Körper der offenbar bewusstlosen Frau zeigt, ausgestellt auf der Ladefläche eines Pickups und umringt von Massen feiernder Terroristen, ging um die Welt.

Mahn- und Gedenkfahrt zum Gedenken der tödlich verunglückten Motorradfahrer
Vieles in der Ausstellung ist so aufgebaut, wie es damals auf dem Festival-Gelände zurückblieb.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Neben unzähligen persönlichen Gegenständen, welche die Besucher damals dabeihatten, Original-Rucksäcken, -Schuhen, -Kleidung und -Zelten der Opfer fallen in der nur schwach beleuchteten Ausstellung vor allem mehrere Toiletten ins Auge, die auf dem Nova-Festival gestanden haben. Auf einem Großbildschirm direkt daneben ist zu sehen, wie ein Terrorist systematisch auf genau diese Toiletten schießt. Die Einschusslöcher sind auf den Toiletten rot markiert. Ebenfalls sehr eindrücklich: mehrere Wracks völlig ausgebrannter Autos, in denen die Besucher des Nova-Musikfestivals damals den Angreifern zu entkommen versuchten.

Mahn- und Gedenkfahrt zum Gedenken der tödlich verunglückten Motorradfahrer
Schuhe und andere persönliche Gegenstände der Besucher des Nova-Musikfestivals sind in der Ausstellung im Flughafen Tempelhof zu sehen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Von den 43 Menschen, die vom Festival-Gelände in den Gaza-Streifen entführt wurden, sind letztlich 14 freigelassen worden. 15 wurden ermordet. Mit Stand September 2025 sind noch immer elf lebende Geiseln des Festivals sowie die Leichname von drei Personen in Gefangenschaft der Hamas in Gaza.

Nova-Musikfestival in Israel: Gründer überlebte nur knapp

Gegründet wurde das „Nova Music Festival“ als Raum für Kreativität und kulturelle Vielfalt von Ofir Amir, der den Terroranschlag am 7. Oktober 2023 selbst nur knapp überlebte. Beim Rundgang am Sonntag erzählte er Kai Wegner im persönlichen Gespräch, wie er damals den Terrorangriff erlebt hat. So berichtete er beispielsweise davon, wie ein Freund von ihm angeschossen wurde. Er habe noch dessen Mutter angerufen, um ihr zu sagen, dass ihr Sohn sie liebe. Zwei Stunden später sei der Freund aufgrund seiner Verletzungen gestorben. „Es wird wahrscheinlich unser ganzes Leben dauern, das zu verstehen, aber wir konzentrieren uns auf das Heilen“, sagte Ofir Amir zu Berlins Regierendem Bürgermeister.

Mahn- und Gedenkfahrt zum Gedenken der tödlich verunglückten Motorradfahrer
Zu den Opfern des Terrorangriffs gibt es einzelne Texte, die über deren Schicksal aufklären.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Dass die Ausstellung in Berlin präsentiert wird, liegt an der Zusammenarbeit der Veranstalter des Nova Music Festivals mit Vertretern der Berliner Musik- und Kulturszene. Unterstützt und gefördert wird sie von zahlreichen Institutionen, darunter unter anderem die Botschaft des Staates Israel in Deutschland, der Zentralrat der Juden in Deutschland und die Jüdische Gemeinde zu Berlin.

Die „Nova Music Festival Exhibition“ in der Eingangshalle des Flughafens Tempelhof, Platz der Luftbrücke 5, läuft vom 7. Oktober bis 16. November. Geöffnet ist Dienstag bis Donnerstag 11-20 Uhr, Freitag 10-18 Uhr, Sonnabend und Sonntag 11-20 Uhr. Täglich um 13.30 und 17.30 Uhr gibt es publikumsoffene Gespräche mit Überlebenden und Angehörigen. Tickets ab 20,60 Euro erhältlich unter novaexhibition.com.