Am Gasometer in Schöneberg liegt viel Spannung in der Luft. Das liegt einerseits an den zwölf Superchargern (Schnellladestationen) für Fahrzeuge der Marke Tesla und andererseits daran, dass die Beliebtheit des Unternehmers und Milliardärs Elon Musk, der hinter dem Fahrzeugproduzenten steckt, massiv zurückgegangen ist. Seit einigen Wochen kursieren im Internet Bilder von Aufklebern auf Teslas, auf denen steht: „Ich habe meinen Tesla bereits gekauft, bevor Elon so verrückt geworden ist.“

Musk war zuerst einer der wichtigsten Unterstützer im Wahlkampf von Präsident Donald Trump, inzwischen hat er seine Tätigkeit für die US-Regierung beendet und trägt seine Streitigkeiten mit Trump öffentlich aus. Folglich spiegelt sich der Disput in den Tesla-Verkaufszahlen wider: bis zu 150 Milliarden Dollar an Wert soll die Automarke dadurch eingebüßt haben.

Tesla-Fahrer: Politik und Autos voneinander trennen

Benannte Aufkleber sind am Supercharger im Herzen Berlins eher Mangelware, um so mehr Meinung bringen die Fahrerinnen und Fahrer der US-amerikanischen Automarke mit. „Ich muss das, was Elon Musk im politischen Sinne so treibt, von seinen Autos trennen, sonst verliere ich die Lust daran, sie zu fahren“, berichtet ein junger Mann aus Brandenburg. Er sei kein Befürworter von der politischen Ausrichtung Musks, das sei aber „kein Grund, um wieder zurück auf einen umweltverpestenden Verbrenner zurückzuwechseln“.

Tesla sticker against Elon Musk
Immer mehr Tesla-Fahrer kleben sich den Aufkleber auf ihr Fahrzeug.© imago/Action Pictures | IMAGO stock

Ganz ähnlich sieht das eine Fahrerin aus Berlin: „Meinen Tesla gebe ich nicht zurück, nur weil sein Erfinder zu einem Spinner geworden zu sein scheint. Ich bin und war immer zufrieden mit dem Auto.“ Sie findet, dass sich der Milliardär nicht in die Politik hätte einmischen sollen: „Er ist ein Geschäftsmann und hat mit seinem Raumfahrtprogramm und Tesla schon genug zu tun. Irgendwann ist das Limit erreicht, man sollte nicht zu vieles parallel machen.“ Das würde immer schiefgehen.

„Ich habe schon überlegt, mir so einen Aufkleber zu bestellen. Aber egal, ob mit oder ohne ihn wird man manchmal darauf angesprochen, wieso man Musk unterstützt. Ich will vor allem die Umwelt unterstützen und nicht einen Milliardär noch reicher machen“, sagt ein Tesla-Fahrer in Schöneberg. In seinem Bekanntenkreis sieht es ähnlich aus: „Meine Freunde regen sich auch über Musk auf, würden ihren Ärger aber nicht auf ihr Elektroauto umwälzen.“

Mehr aus dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg lesen Sie hier.