Man kennt es noch unter anderen Namen wie „Budenzauber“ – gemeint ist der ganz schlichte Hallenfußball, der vor allem rund um die Jahrtausendwende zum Hingucker in der Winterpause der Fußball-Bundesliga wurde. Erst- und Zweitligisten stellten Mannschaften auf, die auf teils unterklassige Teams aus benachbarten Städten trafen. Der Grundgedanke dahinter ist nicht eine Alternative, den Fußball auch im tiefsten Winter zu ermöglichen, sondern den Charakter des simplen Kickens auf der Straße und auf dem Bolzplatz zu projizieren. Genau das ist auch die Idee der Baller League, die vor gut zwei Jahren in Köln an den Start ging. Ab sofort bis Mitte Mai wird die dritte Saison im Hangar 7 im Tempelhofer Flughafen ausgespielt. Für mehrere Ex-Herthaner und die Zuschauer ist es die ideale Spielstätte.
Baller League: Die Vision von Lukas Podolski
„Wir wollten ein eigenes Zuhause haben, einen Ort, der die Idee dahinter wahrhaft repräsentiert. Berlin heißt auch gleich Fußball von der Straße“, sagt Daniel Donaldson, Marketingchef der Baller League Deutschland. Die beiden Gründer Lukas Podolski und Mats Hummels hätten ihre Vision, den Fußball von der Straße in die Hallen und vor die Augen von Millionen von Zuschauerinnen und Zuschauern zu bringen, sehr erfolgreich in die Tat umgesetzt. Seit der Begehung der historischen Stätte hätte man ein Meisterwerk erbaut, von dem aus ein Millionenpublikum erreicht werde. Seit Mitte Januar wurde der Hangar 7 in ein käfigartiges Kleinspielfeld umgewandelt, in dem bis zu 1.000 Fans rund um das Spielfeld Platz finden.

„Hier etablieren sich Vereinsfußballer aus niedrigeren Ligen und werden zu kleinen Stars, die man sich gerne anschaut. Wir möchten hiermit junge und alte Menschen abholen, die Spannung und Emotionen beim herkömmlichen Fußball in den Stadien und vor dem Fernseher vermissen“, ergänzt Daniel Donaldson. Dabei solle der Fußball nicht neu erfunden werden, es solle eine Alternative geboten werden, die eine neue Zielgruppe abhole. Mehrere Hundert Fans zog es am Montagabend in die denkmalgeschützte Stätte am Tempelhofer Feld. Gespielt wird ähnlich wie beim herkömmlichen Hallenfußball mit sechs gegen sechs Spielern in zwei Halbzeiten mit jeweils 15 Minuten Spielzeit auf einem Indoor-Feld ohne Bande – allerdings wechselt der Modus und die Zuschauer wissen vorher nicht genau, was geschieht.
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„Es ist irgendwie cool, dass man vorher nicht weiß, in welchen Modus gleich geschaltet wird und ob sich das gesamte Spiel noch komplett auf den Kopf stellen lässt“, berichtet die Berlinerin Alisa, treuer Fan von Eintracht Spandau, wie man unschwer an ihrem Trikot erkennen kann. Die letzten drei Minuten jeder Halbzeit werden von einer Gamechanger-Card bestimmt, die aus sechs gegen sechs dann ein drei gegen drei oder eins gegen eins machen kann. Dabei könnten die Mannschaften auch ihren Torwart verlieren oder Treffer doppelt zählen. „Das ist mal etwas anderes. Dass sich ein Spiel noch in drei Minuten komplett drehen kann, finde ich super“, sagt Calcio-Berlin-Anhänger Carlo.
„Egal ob bei Hertha im Olympiastadion oder hier, Berlin ist immer geil – hier habe ich immer eine gute Zeit. Bei der Baller League musst du als Spieler die ganze Zeit konzentriert sein“, sagt Ex-Hertha-Spieler Julian Schieber, der für Lukas Podolskis Streets United auf Torejagd geht. Ein ehemaliger Kontrahent aus der Bundesliga, Bastian Oczipka, schnürt seine Schuhe für Calcio Berlin: „Der Ort hier passt super zum Thema der Baller League, der Flair im Hangar bedeutet gleich Straße.“
Hans Sarpei und Kevin-Prince Boateng: Berlin ein Upgrade im Vergleich zu Köln
In den ersten beiden Saisons haben sich nicht nur die Spieler bei den zwölf Teams eingespielt, sondern auch ihre Anhängerinnen und Anhänger. Besonders die Fans von Eintracht Spandau sind mit ihren Gesängen und deren Lautstärke aufgefallen. Für Eintrachts Teammanager und Ex-Bundesligaspieler Hans Sarpei steht mehr als nur das sportliche Können im Vordergrund: „Wir sprechen viel mit neuen Spielern und wollen ein Gefühl bekommen, ob sie zu Eintracht Spandau passen. Bei uns steht die Show genauso wie der Fußball im Fokus.“ Die Fans würden ebenso zur Familie gehören – und manchmal klaue man welche von anderen Baller-League-Teams.

„Ein richtiger Käfigtiger bringt sein Herz mit ins Spiel. Für mich ist es ganz besonders, hier zu sein, denn ich komme von den Straßen hier. Mehr als Berlin geht einfach nicht“, findet der ewige Herthaner Kevin-Prince Boateng, der Teammanager der Käfigtiger. In Köln-Ossendorf sei die Baller League aufgewachsen, im Herzen Berlins werde sie reifer. In seinem dritten Jahr ist er besonders motiviert: „Wenn wir dieses Mal nicht gewinnen, dann trete ich zurück. Wäre mein Körper nicht so kaputt, würde ich auch mitspielen.“
Jede Woche findet am Montagabend ein weiterer Spieltag im Hangar 7 des Tempelhofer Flughafens statt – bis es am Montag, 19. Mai, zum „Final Four“ kommt, in dem traditionell der Gesamtsieger der laufenden Saison gekürt wird. Für die aktuellen Titelverteidiger „Las Ligas Ladies“ von Jule Brand und Ana-Maria Markovic hagelte es zum Auftakt eine 3:9-Klatsche gegen die „Gönrgy Allstars“ von MontanaBlack und Sascha Hellinger. Calcio Berlin (Nico Heymer, Niklas Levinsohn und Christoph Kröger), Beton Berlin (Kontra K) und Streets United (Lukas Podolski und Diyar Acar) haben ihre Auftaktpartien ebenfalls für sich entscheiden können.




