Es kommt Bewegung auf das Gelände der ehemaligen Kleingartenkolonie „Morgengrauen“ in Mariendorf. Ihre Lauben mussten die Kleingärtner bereits bis Ende November 2020 räumen. Nun beginnen die ersten vorbereitenden Maßnahmen für den Bau einer sechszügigen Integrierten Sekundarschule (ISS), die im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive in den nächsten Jahren an der Eisenacher Straße 53 errichtet wird. Die Schule soll Platz für 600 Schülerinnen und Schüler bieten. Nun hat die Räumung des Grundstücks begonnen.

Bezirksschulstadtrat Tobias Dollase (parteilos, für CDU) geht davon aus, dass die Vorbereitungsarbeiten im April abgeschlossen sein werden und der eigentliche Neubau beginnen kann. Im vergangenen Jahr hatte man bereits Boden- und Kampfmitteluntersuchungen durchgeführt sowie ein Gutachten zur Regenwasserbewirtschaftung und zu artenschutzrechtlichen Themen erarbeitet.

Schulneubau: Doppelsporthalle und Veranstaltungsräume

Neben der neuen Schule ergänzen eine Doppelsporthalle mit sechs Hallenteilen sowie zusätzliche Räume für außerschulische Veranstaltungen das Ensemble auf dem 20.000 Quadratmeter großen Grundstück. „Von der Sporthalle sollen nicht nur die Kinder und Jugendlichen der benachbarten Schätzelberg-Grundschule profitieren, sondern auch der Vereinssport“, teilt das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg in einer Mitteilung mit. Mehrzweck- und Fachräume zum Beispiel für Musik oder Kunst sollen auch außerhalb der Unterrichtszeiten zur Verfügung stehen. „Das gilt auch für die Lehrküche der Musik- und Volkshochschule“, so Stadtrat Dollase. Mit dem Schuljahr 2026/27 soll der Betrieb an dem neuen Standort aufgenommen werden.

Gebaut wird die Schule durch die Howoge Wohnungsbaugesellschaft mbH auf einem bezirkseigenen Grundstück. Die Planungen des viergeschossigen Gebäudes hat das Büro AFF Architekten GmbH aus Berlin übernommen.

Kolonie „Morgengrauen“ existierte fast 100 Jahre

Fast 100 Jahre lang war auf dem Grundstück an der Eisenacher Straße die Kleingartensiedlung „Morgengrauen“ zu finden. 63 der 80 Parzellen müssen für den Schulneubau vollständig abgerissen werden. Auch die durch Laubenbesitzer angelegten Gärten verschwinden. Die Fläche gilt seit Bestehen der Gartenanlage als Ersatzfläche, die bei Bedarf für soziale Bauvorhaben genutzt werden kann. Die Kleingärtner hatten dennoch zunächst gegen den Abriss ihrer Gärten protestiert.

In den 60er-Jahren wurde die Kolonie schon einmal beschnitten, weil Fläche für eine Schule benötigt wurde. So entstand die Schätzelberg-Grundschule im Osten der Anlage. In Tempelhof-Schöneberg sind besonders viele Kleingärten vom Abriss bedroht. Laut Kleingartenentwicklungsplan 2030 müssen auch die Kolonien Germania, Feldschlösschen, Borussia, Kaisergarten, Wild West in Teilen sowie Eschenallee für den Bau von Schulen oder Kitas weichen. Hinzukommt die Kolonie Friede und Arbeit, die für den Wohnungsbau an der „Neuen Mitte Tempelhof“ aufgelöst wird.