Die Entwicklung des Gasometers auf dem Euref-Campus in Schöneberg schreitet in großen Schritten voran. Am Freitag konnten die Verantwortlichen der Euref AG mit gut 500 Gästen, darunter viele Vertreter aus Politik und Wirtschaft, das Richtfest feiern. Im Inneren des Gasometers entsteht derzeit ein mehr als 70 Meter hohes Bürogebäude. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach von einem „Zukunftsort“.
„Hier sieht man, was man mit Beharrlichkeit und Glauben alles erreichen kann“, so Wegner bei einem Rundgang durch den Rohbau des Gebäudes. „Eines der bekanntesten Industriedenkmäler wird sich nun bald wieder mit Leben füllen.“
Gasometer Schöneberg: Deutsche Bahn bezieht 12 Stockwerke
Im Inneren des denkmalgeschützten Stahlgerüsts lässt die Euref AG, 2007 vom Architekten und Stadtplaner Reinhard Müller gegründet, ein Gebäude errichten, das an seinem Fuße einen Konferenz- und Eventbereich mit Platz für etwa 1000 Gäste beherbergt. Der Rohbau steht nun und auch die Glasfassade ist bereits hergestellt. Sie soll anlehnend an das historische Vorbild des früheren Gastanks erinnern. Die über dem Konferenzbereich liegenden 12 Etagen hat die Deutsche Bahn AG angemietet und wird dort im kommenden Jahr mit etwa 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einziehen.

Seit 1995 wird der Gasometer bereits nicht mehr als Gastank genutzt. Seit vielen Jahren steht er unter Denkmalschutz, sodass parallel zum Innenausbau auch die Sanierung des Gerüsts stattfindet. Verantwortlich dafür zeichnet die Firma Sandstrahl Schuch, für die die besondere Herausforderung darin besteht, die parallel zur eigenen Arbeit angebrachte Glasfassade nicht zu beschädigen. Gleichzeitig darf auch das denkmalgeschützte Gerüst keinen Schaden nehmen, weshalb zwischen Stahlbau und Gebäude ein Respektabstand von 1,20 Meter gelassen wurde. Für ihre Arbeit bekam die Firma Schuch, mit Thomas Schuch an der Spitze, am Freitag die Ehrenauszeichnung „Euref-Star“ verliehen.
Gasometer Schöneberg: Dachterrasse kann gegen Eintritt besucht werden
Auf dem Dach wird es eine öffentlich zugängliche Skylounge geben. Öffentlich, aber nicht kostenlos, wie Karin Teichmann, Mitglied des Euref-Vorstands, am Freitag sagte. „Es wird ein gewisser Eintritt zu zahlen sein.“ Die Höhe stehe aber noch nicht fest. Die beliebten Touren hoch auf den Gasometer gehören ja schon länger der Vergangenheit an. Mit einem Guide konnte das Gerüst einst über die vielen Treppen erklommen werden. Ein Besuch wird zukünftig dann auch über die buchbaren Campus-Touren möglich sein.

Der Ausblick über die Stadt soll sich dann zukünftig von der Skylounge genießen lassen – wovon sich Kai Wegner am Freitag selbst überzeugen konnte. „Das wird ein Ort für alle Berlinerinnen und Berliner“, so der CDU-Politiker. Für Wegner war es das erste Richtfest, das er als Regierender Bürgermeister von Berlin besuchte.
Giffey (SPD): „Blick durchs Schlüsselloch der Zukunft“
Zum Richtfest gekommen war auch Wegners Vorgängerin und neue Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) teil. Das Projekt Gasometer sei wie der „Blick durchs Schlüsselloch der Zukunft“, sagte Giffey.
Ausschließlich lobende Worte gab es auch von den zukünftigen Hauptmietern des Gasometers. „Der Euref-Campus ist ein Ort, an dem Zukunft gemacht wird. Und deshalb passen wir auch perfekt hier her“, sagte Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn. Das sei deshalb so, weil die Bahn „das energieeffizienteste und klimaschonendste Verkehrsmittel“ sei. Man erlebe eine regelrechte „Renaissance der Eisenbahn“, so Lutz.
Deutsche Bahn mietet 28.000 Quadratmeter im Gasometer

Die Deutsche Bahn will die derzeit neun Berliner Standorte auf dem Euref-Campus bündeln. Der gesamte Bereich „Digitale Schiene“, die eine völlig neue Steuerung des Bahnbetriebs durch Vernetzung von Daten von Infrastruktur und Fahrzeug ermöglichen soll, wird zukünftig auf insgesamt 28.000 Quadratmetern untergebracht sein. Die Höhe der Miete war vonseiten der Euref AG nicht zu erfahren.
Die Deutsche Bahn war in den Anfangszeiten des Euref-Campus’ schon einmal Mieter und kehrt nun bald als letzter großer Mieter dorthin zurück. Am 1. Juni 2024 will die Euref AG zusammen mit der Deutschen Bahn eine großes Fest zum Einzug geben.
Kritik aus Bevölkerung am Gasometer-Ausbau
Karin Teichmann, Mitglied des Euref-Vorstandes, dachte bei ihrer Ansprache auch an die vielen kritischen Stimmen zurück, die es zu den Gasometer-Plänen gab. „Es hat sich in der Vergangenheit nicht immer so angefühlt als hätten wir so viele Freunde und Unterstützer für den Gasometer-Ausbau“, sagte Teichmann. Doch Zweifler hätten die Entstehung des Campus’ als Reallabor der Energie- und Mobilitätswende von Beginn an begleitet. „Aber, Sie sehen, es ist vollbracht.“ Mit dem Ausbau des Gasometers schließt Euref das letzte große Bauprojekt ab. „Das große Finale“, so Teichmann.

Die Pläne zum Ausbau des Gasometers in der vorgesehenen Höhe hatten in der Nachbarschaft und beim Denkmalschutz Kritik ausgelöst. Ganze Anwohnerinitiativen versuchten mit Protestaktionen die Pläne zu verhindern. Sogar eine Petition wurde gestartet. Die Befürchtungen bestanden darin, dass die umliegenden Gebäude sowie der angrenzende Cheruskerpark verschattet werden. Lesen Sie dazu:BUND legt Widerspruch gegen Gasometer-Ausbau ein
Oltmann (Grüne): „Ein großer Moment für Berlin“
Von der Ablehnung gegen das Projekt spüre man heute nichts mehr, sagte Tempelhof-Schönebergs Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann (Grüne). „Heute beginnt die Zukunft des Standortes.“ Dies sei ein großartiger Moment für ganz Berlin.
Parallel zum Berliner Campus baut Reinhard Müller und sein Team derzeit an einem weiteren in Düsseldorf. Dort wird auch die berühmte „Jauch“-Kuppel ihren dauerhaften Platz finden, die sich viele Jahre im Inneren des Gasometers befand. Ihren Namen verdankt sie der von 2011 bis 2015 dort aufgezeichneten Polittalk mit dem Moderator Günther Jauch. In Düsseldorf soll sie ebenfalls für Veranstaltungen genutzt werden.
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