Euref-Campus

Die Bahn dreht dem InnoZ in Schöneberg den Geldhahn zu

Die Deutsche Bahn stellt die Finanzierung des Innovationsprojektes auf dem Euref-Campus in Schöneberg ein.

Der Euref-Campus in Schöneberg (Archivbild).

Der Euref-Campus in Schöneberg (Archivbild).

Foto: Picture Alliance

Berlin. Das Innovationszentrum für Mobilität (InnoZ) in Schöneberg steht vor dem Aus. Spätestens zum 30. April werde die Einrichtung auf dem Euref-Campus in Schöneberg „geordnet stillgelegt“, bestätigte ein Sprecher des Hauptgesellschafters Deutschen Bahn der Berliner Morgenpost. Rund 40 größtenteils hoch qualifizierte Mitarbeiter müssen sich jetzt neue Jobs suchen. Es gebe derzeit keine Pläne für eine Nachfolge-Einrichtung in Berlin, teilte die Bahn weiter mit.

Das InnoZ galt seit seiner Gründung 2006 unter dem im Sommer 2018 ausgeschiedenen Leiter Andreas Knie als deutschlandweit führendes Zen­trum für die Mobilitätskonzepte der Zukunft und wichtiger Baustein für den Euref-Campus am Gasometer Schöneberg, wo die Energiewende in die Praxis umgesetzt werden soll. Seit dem Ausstieg von Siemens und T-Systems ist der bundeseigene Bahnkonzern Hauptgesellschafter des international bekannten Zentrums. Nachgedacht wurde dort über Elektromobilität, das autonome, also fahrerlose Fahren und über die digitale Vernetzung von Verkehrsangeboten. Beteiligt daran sind Verkehrsforscher, Ingenieure und Informatiker ebenso wie Sozialwissenschaftler, Designer und Geografen.

Auf der Referenzliste stehen rund 50 Projekte zu ganz unterschiedlichen Themen. Gearbeitet wurde etwa an einer Vision für den Nahverkehr im Jahr 2030 im Saarland oder an einem Mobilitätskonzept für die HafenCity in Hamburg. Auch die Nationale Plattform Elektromobilität, mit der die Bundesregierung Alternativen zum Verbrennungsmotor fördern will, wurde von den Berliner Wissenschaftlern mitbetreut.

Test von autonom fahrenden Bus-Shuttles im Alltagsbetrieb

Bei vielen Vorhaben geht es durchaus praxisorientiert zu: So werden auf dem Euref-Gelände in Schöneberg seit zwei Jahren autonom fahrende Bus-Shuttles im Alltagsbetrieb getestet. Beim Projektstart im Dezember 2016 fanden nicht nur der frühere Bahnchef Rüdiger Grube, sondern auch der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) viele anerkennende Worte für die Arbeit des InnoZ.

Inzwischen scheint die Begeisterung der Bahnverantwortlichen für die Arbeit der Berliner Zukunftsforscher jedoch erkaltet zu sein, zumal sich das InnoZ nicht vornehmlich um Bahnthemen kümmerte. Offiziell heißt es, die Gesellschafter Bahn, Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) und Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) seien zu der Auffassung gelangt, dass das InnoZ „nicht über die erforderliche Innovationskraft und die notwendigen Alleinstellungsmerkmale“ verfügt.

Am Ende dürfte für die Entscheidung vor allem finanzielle Gründe ausschlaggebend gewesen sein. Die Gesellschafter mussten 2017 3,9 Millionen Euro nachschießen. Spätestens im Sommer, als Bahnchef Richard Lutz in einem Brandbrief die schwierige Lage im Konzern öffentlich gemacht hatte, war klar, dass Unternehmungen die nicht profitabel sind, auf den Prüfstand kommen. Im Ergebnis kam die Bahn zu dem Schluss, dass es für das InnoZ keine wirtschaftliche Perspektive gibt.

Viele InnoZ-Mitarbeiter sind über das aktuelle Vorgehen der Bahn sehr enttäuscht. „Wir sind nach der Übernahme der Anteile der anderen Gesellschafter durch die DB vor gut einem Jahr noch mal mit vielen Hoffnungen durchgestartet. Aber irgendwann hatten wir auch das Gefühl, keine echte Chance mehr zu haben“, sagt Helga Jonuschat, die am InnoZ unter anderem Projekte zu fahrerlosen Kleinbussen betreut. „Wir sind schon bei vielen Themen sehr weit vorne“, sagt auch Marc Schelewsky, der als Teamleiter bereits seit 2007 mit dabei ist. Etwa an der Nutzung des Smartphones zur Erhebung von Verkehrsdaten sei am InnoZ mit Modalyzer noch vor Google gearbeitet worden.

Mehr zum Thema:

Aus für das InnoZ: Ein Verlust für Berlin

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.