Kommentar

Das Aus für das InnoZ ist ein Verlust für Berlin

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Thomas Fülling
Thomas Fülling.

Thomas Fülling.

Foto: Reto Klar

Für Berlin ist das bevorstehende Ende des Innovationszentrums für Mobilität eine denkbar schlechte Nachricht, meint Thomas Fülling.

Berlin. Die wenigsten von uns werden schon einmal mit einem Bus ohne Fahrer unterwegs gewesen sein. Was auch daran liegt, dass dies das Straßenverkehrsrecht in Deutschland derzeit nur sehr begrenzt zulässt. So gesehen dürfte die Nachricht vom Aus des InnoZ auf dem Euref-Campus, auf dessen Gelände ein autonomer Busshuttle schon seit zwei Jahren getestet wird, die Mehrzahl von uns nicht um den Schlaf bringen.

Für Berlin ist das bevorstehende Ende des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel – kurz InnoZ – eine denkbar schlechte Nachricht. Hat doch die Stadt den Anspruch, Deutschlands Hauptstadt für die Elektromobilität zu sein. Genau auf diesem Gebiet sind zahlreichen InnoZ-Projekte angesiedelt, die Expertise der 40 hoch qualifizierten Mitarbeiter wird der Stadt, aber auch Betrieben wie der BVG dauerhaft fehlen.

Berlin will aber auch die Stadt der Kreativen sein. Aus dieser Branche kamen zuletzt immer öfter Klagen: über zu hohe Gewerbemieten, zu viel Bürokratie und zu wenig Unterstützung vom Senat und aus den Bezirken. So ist es bezeichnend, dass die erste autonome Buslinie im öffentlichen Raum nicht in Berlin, sondern im Kurort Bad Birnbach ihren Betrieb aufnahm. Für den ursprünglich geplanten Test zwischen dem Euref-Campus und dem Bahnhof Südkreuz hatte das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg seine Genehmigung versagt, weil die Strecke durch einen Park geführt hätte. Die Bahn verlegte das Projekt deshalb nach Niederbayern.

Und nun verliert die Bahn offenbar ganz den Glauben, dass aus Berlin große Innovationen zu erwarten sind. Nachdem zuvor bereits T-Systems und Siemens beim InnoZ ausgestiegen waren, dreht der bundeseigene Konzern dem Projekt jetzt den Geldhahn zu. Verständlich angesichts der Sorgen im Alltagsgeschäft. Ob der großen Herausforderungen, vor der die Bahn steht, ist dies jedoch die falsche Weichenstellung.


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