KaDeWe-Raub & Co.

Arabische Clans in Berlin: Zwei Aussteiger packen aus

Ali H. und Mehmet A. sollen am KaDeWe-Raub beteiligt gewesen sein. Ihr Auftraggeber: eine arabische Großfamilie.

Polizisten vor dem KaDewe. Das Kaufhaus wurde 2014 kurz vor Weihnachten überfallen

Polizisten vor dem KaDewe. Das Kaufhaus wurde 2014 kurz vor Weihnachten überfallen

Foto: Steffen Pletl

Sonnabendmorgen, kurz nach zehn, bald ist Weihnachten. Das KaDeWe ist noch kaum gefüllt. Plötzlich rennen maskierte Männer in das Kaufhaus, sprühen Reizgas, zertrümmern Glasvitrinen, packen Schmuck und Uhren, rennen wieder hinaus. Einer ruft „Dawai, Dawai“. Das heißt „los“ oder „komm schon“ auf Russisch. Exakt 79 Sekunden dauerte der Überfall.

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Mittlerweile ist es zwei Jahre her, dass die Räuber das KaDeWe überfielen und Waren im Wert von 800.000 Euro erbeuteten. Der Ruf bei ihrer Flucht sollte eine falsche Fährte setzen, das wissen die Ermittler heute. Denn die Räuber waren keine Russen, sondern arbeiteten mit einer arabischen Großfamilie zusammen.

50 Prozent der Beute geht an einen der Anführer der Al-Z.

Mit der Beute fuhren die Räuber, darunter Ali H. und Mehmet A., nach Neukölln zu einem Mietshaus, wie Spiegel Online berichtet. Dort wohnt Zaki mit seinem Sohn Jehad, die Anführer der arabischen Großfamilie der Al-Z. Zaki wartet bereits an der Tür. „Als wir in die Wohnung kamen, hat Jehad als Erstes die Beute auf den Tisch gelegt und gesagt ’Papa wir haben das KaDeWe gemacht’“, das erzählt Ali H. später den Ermittlern des LKAs. Dann soll Zaki seinen Anteil an der Beute verlangt haben: 50 Prozent.

Ali H. will reden. Mit den Ermittlern des LKAs. Er hat sich entschlossen auszupacken, über den KaDeWe-Raub – und noch mehr: Über einen Auftragsmord, in den er verwickelt war. Auch Mehmet A. will reden. Auch er war in den Auftragsmord verwickelt, schoss einem Mann in die Beine. „Die Aussagen der beiden Kronzeugen sind das Beste, was wir hier je hatten“, sagt nach Informationen von Spiegel TV einer der beteiligten Ermittler.

Und so erzählen die beiden Kronzeugen ihre Geschichte: Vom KaDeWe-Raub und vom Auftragsmord danach. Davon, wie Ali H. von Mitgliedern des Al-Z.-Clans beauftragt wurde, einen Mann, Ömer A., umzubringen, für 150.000 Euro. Ömer A. hatte nämlich Hayrettin A. die Frau ausgespannt. Dessen Ehre war verletzt, er wollte sich rächen. Also wandte er sich an die Al-Z. Daraufhin beauftragten Zaki, der Mann, der 50 Prozent vom KaDeWe-Raub verlangte, und Adnan, Zakis Cousin und Schwager, Ali H. mit der Tötung von Ömer A. Mehmet A. sollte Ali H. dabei helfen.

Rund ein Jahr nach dem KaDeWe-Raub, im Oktober 2015, stand Mehmet A. mit der Pistole vor Ömer A. Dieser habe noch auf Kurdisch „Mach mal nicht!“, geschrien. So schreibt es Spiegel Online. Dann habe Mehmet A. dreimal abgedrückt. Aber er habe auf die Beine seines Gegenübers gezielt. Er habe nicht zum Mörder werden wollen, erzählte er später den Ermittlern. Es sollte so aussehen, als hätte er sein Ziel verfehlt.

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Diese Version glaubte man Mehmet A. nicht. Zaki, Adnan und andere Familienmitglieder sollen entsprechend sauer gewesen sein, hätten sie doch im Namen der Familie für den Auftragsmord gebürgt. So bekam wenig später Mehmet A unliebsamen Besuch. Ein Mann hielt ihm eine Waffe an den Kopf und sagte, dass sein Freund Ali H. bald sterben werde. Als Ali H. von der Drohung erfuhr, suchte er sich einen Anwalt und ging zum LKA. Mehmet A. entschied sich, ihm zu folgen.

Die Geschichte ist kompliziert, die Arbeit der Ermittler ist es auch. Denn die Mitglieder des Clans haben oft Tarnidentitäten, verschiedene Pässe, abweichende Altersangaben, diverse Geburtsstädte. Offiziell leben Zaki und Adnan, die Auftraggeber des Mordes, von staatlichen Transferleistungen. Trotzdem fährt Zaki gerne mit seinem blauen Porsche 966 durch die Nachbarschaft.

Sowohl Adnan als auch Zaki sind polizeilich noch nicht in Erscheinung getreten. Nun sitzen sie in Untersuchungshaft. Sie werden sich vor Gericht verantworten müssen. Zaki soll über Ömer A. gesagt haben: „Er hat eine große Sache gemacht und verdient den Tod, und dieses Schwein muss weg.“