Nachbarschaftsinitiative

Geisterhaus von Friedenau – Bezirksamt soll aktiv werden

In Friedenau steht seit längerer Zeit ein Haus leer. Die Eigentümerin lässt es verfallen. Ein Verein im Kiez will das ändern.

Ingrid Schipper, Vorstand der Nachbarschaftsinitiative Friedenau,  vor em leerstehenden Haus

Ingrid Schipper, Vorstand der Nachbarschaftsinitiative Friedenau, vor em leerstehenden Haus

Foto: Emina Benalia

„Vorsicht Einsturzgefahr!“ lautet die Inschrift des hellen Holzbretts, das am Sonnabend über der Tür des Eckhauses an der Odenwald-/Stubenrauchstraße hängt. Am Mittag versammelten sich die Mitglieder der Nachbarschaftsinitiative Friedenau auf dem Vorplatz des Hauses. „Es ist der Auftakt einer Reihe von Info-Veranstaltungen, die wir in den kommenden Wochen jeweils an Sonnabenden durchführen wollen“, sagt Ingrid Schipper, Vorstand der Initiative, der Berliner Morgenpost.

Seit April 2016 engagiert sich der Verein gegen den Leerstand im Bezirk. Eines der Projekte, für den er sich einsetzt, ist das verlassene Haus im Herzen Friedenaus. „16 Drei- bis Siebenzimmerwohnungen befinden sich hier“, sagt Schipper und zeigt auf das heruntergekommene Gebäude hinter sich. Viel Platz zum Leben, zum Gestalten. Platz, der in Berlin dringend benötigt, hier aber vollkommen verschwendet werde, so Schipper. Seit gut zehn Jahren steht das einst prächtige, im Jugendstil erbaute Haus leer. An diesem Sonnabend informieren Ingrid Schipper und andere Vereinsmitglieder die Passanten, die neugierig an der Ecke stehen bleiben. Ihre fragenden Blicke gleiten an der aufwendig verzierten, aber verfallenen Fassade herunter. „Warum steht es leer?“, lautet die häufigste Frage.

„Angeordnete Instandsetzung wäre ein eindeutiges Signal“

An Ideen für das Haus fehle es nicht. Investoren, Architekten und Nachbarn interessieren sich für das Gebäude. Doch die Eigentümerin, die einst selbst in dem Haus gelebt haben soll, stelle sich quer, bräche jegliche Kontaktversuche ab. Ein Telefonat habe es gegeben, erzählt Schipper. „Damals hieß es, sie hat andere Pläne mit dem Haus.“ Was das genau bedeutet, habe die Eigentümerin nicht erklärt. Auch das zuständige Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg versuchte zu vermitteln. Bisher ohne sichtbaren Erfolg. Das Haus steht leer, verfällt weiter. Nun hofft der Verein auf gemeinschaftliche Unterstützung. „Unser Ziel ist es, möglichst viele Anwohner und Nachbarn für unsere Initiative zu gewinnen und so das Bezirksamt endlich zum Handeln zu bewegen“, sagte Schipper. Denkbar wären für sie auch härtere Maßnahmen, wie eine angeordnete Instandsetzung. „Das wäre ein deutliches Signal.“

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