Tempelhof-Schöneberg

Mulch statt Blumen am Viktoria-Luise-Platz

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Carolin Brühl
Viktoria-Luise-Platz mit Mulch und Wall-Arbeitern

Viktoria-Luise-Platz mit Mulch und Wall-Arbeitern

Foto: Carolin Brühl / BM

Zum Start der Brunnensaison ist der Viktoria-Luise-Platz aufgeräumt. Für mehr sei kein Geld da, sagt Bezirksbürgermeisterin Schöttler.

Manierlich sieht der Viktoria-Luise-Platz seit einigen Tagen aus. Der Müll ist abgeräumt, die Absperrgitter um die desolaten Bänke sind verschwunden. Fast möchte man glauben, das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg habe sich dem Protest der Anwohner gebeugt.

Weit gefehlt: Statt der Blumen, die in den Vorjahren die Ränder des denkmalgeschützten Schmuckplatzes zierten, haben die Gärtner Rindenmulch auf die Beete verteilt. Braun statt bunt.

An diesem Mittwoch wird gefeiert

Dass sich am Viktoria-Luise-Platz überhaupt etwas getan hat, ist wohl der Tatsache geschuldet, dass diesen Mittwoch um 11 Uhr die Fontäne wieder angestellt wird. Am Dienstagmorgen arbeiteten einige Angestellte der Firma Wall an der Anlage, um sie wie 70 andere Brunnen der Stadt für den Sommer fit zu machen. Das geschieht seit 1998. Im Jahr 2018 läuft der Vertrag aus, was danach kommt, ist unbekannt. Wer sich an die Brunnen der Vor-Wall-Ära erinnert, mag eine Ahnung davon haben.

Doch an diesem Mittwoch wird gefeiert. Angelika Schöttler (SPD), Bezirksbürgermeisterin und Finanzstadträtin von Tempelhof-Schöneberg, will gemeinsam mit Patrick Möller, dem Vorstand der Wall AG, auf dem Viktoria-Luise-Platz die Berliner Brunnensaison 2016 per Knopfdruck eröffnen. Dafür hat man Ordnung gemacht. „Für mehr ist in diesem Jahr kein Geld da“, sagt die Bürgermeisterin. „Der Mulch signalisiert aber ja auch: Hier sollen irgendwann wieder Blumen hin.“

2600 Unterschriften sammelte der Freundeskreis Viktoria-Luise-Platz in den vergangenen Wochen. Am Mittwoch sollen sie Baustadtrat Daniel Krüger (CDU) übergeben werden. Seit Wochen kämpfen die Anwohner des „Viki“ für den Erhalt des Gartendenkmals. Dabei haben sie durchaus prominente Unterstützung.

Wohnort von Bernhard Schlink

„Der Vorleser“-Autor Bernhard Schlink wohnt am Platz und ist Jurist. In einem Rechtsgutachten las er der Behörde die Leviten: „Gartendenkmale im Sinn des Gesetzes zum Schutz von Denkmalen in Berlin (DSchG Bln) sind in ihrer gärtnerischen und baulichen Gestalt (§2 Abs. 4 DSchG Bln) zu schützen, zu erhalten und zu pflegen (§1 Abs. 1 DSchG Bln)“, heißt es da. Im Klartext: Blumen müssen als Teil des Denkmals gepflanzt werden.

Im Haus von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD), zu dessen Zuständigkeit auch der Denkmalschutz gehört, bestreitet man die Rechtslage nicht, so Sprecher Martin Pallgen. Aber man schiebt die Verantwortung an die Innenverwaltung als Aufsichtsbehörde über den Bezirk weiter.

Auch ein Sprecher der Innenverwaltung bestätigt, dass der Bezirk eine Genehmigung für den Pflanzstopp hätte einholen müssen. Dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg sei diese Auffassung der Bezirksaufsicht übermittelt worden.

Weiter heißt es, es werde daher davon ausgegangen, dass die rechtlichen Vorgaben des Denkmalschutzgesetzes vom Bezirk Tempelhof-Schöneberg künftig eingehalten werden. Auf die Frage, was geschehe, wenn der Bezirk nicht pflanze, sagt der Sprecher: „Weitere bezirksaufsichtliche Maßnahmen sind gegenwärtig nicht angezeigt.“