Berlin entschleunigt. Aber nicht freiwillig. Auf immer mehr Straßen gilt Tempo 10. Neu dazu gekommen ist die Yorckstraße – die schnellste Verbindung zwischen Schöneberg und Kreuzberg. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg zog die Notbremse. Nicht etwa, weil das Geld für die nötige Straßensanierung nicht da wäre. Nein, weil eine andere Behörde – die Verkehrslenkung Berlin, die bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung angesiedelt ist – nicht genügend Personal hat, um die Arbeiten zu genehmigen. Die Straße sollte im vergangenen Sommer eine neue Fahrbahn erhalten, alles hätte längst fertig sein können. Genauso wie auf dem Spandauer Damm, wo seit Monaten maximal 30 Stundenkilometer gefahren werden dürfen. Ein Armutszeugnis der Logistik innerhalb städtischer Verwaltungen, wenn gerade an solchen entscheidenden Schaltstellen Personal fehlt.

Radwege nicht weniger marode

Die Schlaglöcher werden größer, werden mehr, müssen zwischendurch notdürftig repariert werden, ein Teufelskreis, der dazu führt, dass am Schluss die Arbeiten teurer werden, als wenn man die Fahrbahndecke sofort und ordentlich saniert hätte. Über diese Geldverschwendung ärgern sich viele Bezirke, unter anderem Spandau, Neukölln und auch Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Autofahrer müssen die Zeche zahlen und unter den Yorckbrücken entlangschleichen. Nur weil der Bezirk sich absichern will, falls es an den Fahrzeugen wegen der Schlaglöcher zu Schäden kommt und die Autofahrer den Eigentümer der Straße dafür haftbar machen. Abgesehen davon sind die Radfahrer auf der Straße – und die gibt es, weil die Radwege dort nicht weniger marode sind als die Fahrbahn – sehr gefährdet durch den schlechten Straßenzustand. Da ist nicht nur das Blech, sondern der Mensch gefährdet.

Selbst Radfahrer sind schneller

Berliner Baufirmen demonstrierten Anfang des Jahres sogar, um ihrem Ärger Luft zu machen, wie schleppend die Verkehrslenkung Berlin die Anträge auf Baustelleneinrichtungen und Verkehrssicherungen bearbeitet. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, bei der die Verkehrslenkung angesiedelt ist, hat Besserung zwar angekündigt. Aber erst in einigen Monaten soll der chronische Personalmangel behoben werden. Bis dahin geht es weiter nur stockend vorwärts. Jedenfalls bei der Bearbeitung von Straßenbauarbeiten. In der Yorckstraße nämlich hält sich so gut wie niemand an Tempo 10. Das war schon im vergangenen Jahr so, als dort noch 30 galt. Selbst die Radfahrer sind schneller.