Der Weihnachtsbaum im Rathaus Schöneberg ist originell geschmückt. Statt Kugeln und Lametta hängen Bastelarbeiten aus Papier an den Zweigen. Wie jedes Jahr haben die Kinder der Löcknitz-Grundschule für den Baumschmuck gesorgt. Doch in diesem Jahr hängt noch mehr an der Tanne im Foyer des Rathauses: Wunschsterne. Der Weihnachtsbaum ist erstmals ein Wunschbaum. Dort können Berliner ab sofort mit einem Stern die Patenschaft für den Herzenswunsch eines Kindes übernehmen. Eines Kindes, dessen Eltern es sich nicht leisten können, ihrem Kind zu Weihnachten etwas zu schenken.
Die Geschenke im Wert von bis zu 25 Euro können die Paten bis 15. Dezember im Büro der Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) im Rathaus abgegeben. Zwei Tage vor Weihnachten wird den Eltern das Paket überreicht. In kleinen Texten und Bildern haben die Kinder ihre Wünsche aufs Papier gebracht, teils mithilfe ihrer Kita-Erzieherinnen. „Ich bin ein Junge und sechs Jahre alt. Meine Familie und ich leben noch nicht lange in Deutschland, doch mir gefällt es hier so gut, dass ich in der Kita schon viele Freunde gefunden habe. Ganz sehr wünsche ich mit eine Winterjacke“, heißt es da zum Beispiel. Ein zweijähriges Mädchen wünscht sich „einen kuscheligen Bettbezug mit Tieren drauf“. Florian Stepszynski, 30, gehört mit zu den ersten, die sich einen Stern ausgesucht haben. Auf seinem Wunschzettel hofft ein fünf Jahre alter Junge auf einen Laster mit Feuerwehrmann. Das Geschenk wird fachkundig ausgesucht werden – Stepszynski ist Feuerwehrmann.
Kitas unterstützen Aktion
Die Wunschbaum-Initiative stammt von Fayez Gilke. Ein Freund aus Nordrhein-Westfalen hatte dem 26-Jährigen während einer Fortbildung von der Idee erzählt. Sie gefiel ihm so gut, dass er sie in die Tat umsetzte und die Bezirksbürgermeisterin um Unterstützung bat. „Ich möchte Kinder und Familien erreichen, die vielleicht noch nicht von anderen Einrichtungen unterstützt werden, beispielsweise Eltern, die mehr verdienen als den Hartz-IV-Satz, aber dennoch nicht genug haben, um ihren Kindern schöne Weihnachtsgeschenke kaufen zu können. Oder Dinge, die dringend benötigt werden wie Winterjacken oder auch Sportschuhe“, sagt Fayez Gilke. Auch Eltern mit mehreren Kindern, für die das Fest einfach oft nur teuer sei, möchte er helfen. „Wichtig ist mir, den Eltern die Möglichkeit zu geben, ihren Kindern die Geschenke selbst zu schenken, um ihnen das ,Schamgefühl‘ zu nehmen, sich als ,bedürftig‘ zu melden“, sagt Gilke.
55 bedürftige Kinder wurden ausgesucht, denen die Schöneberger jetzt einen kleinen Herzenswunsch erfüllen können. Kindertagesstätten waren Fayez Gilke behilflich. „Durch den Kontakt mit den Einrichtungen besteht schon ein Vertrauensverhältnis. So fällt es den Eltern vielleicht leichter, Unterstützung anzunehmen“, hatte sich Gilke überlegt.
Gilke ist selbst Schöneberger, weshalb er den Wunschbaum in „seinem Rathaus“ initiiert hat. Der studierte Sicherheitsmanager arbeitet als Niederlassungsleiter für eine private Sicherheitsfirma. Parallel absolviert er ein Fernstudium in Kriminologie und Polizeiwissenschaft. Seit Mai ist er verheiratet. Er und seine Frau Lea haben sich auch bereits ein Weihnachtsgeschenk ausgesucht. Fußballschuhe für einen Neunjährigen werden sie kaufen. Sollte der Premieren-Wunschbaum in Schöneberg ein Erfolg werden, werden nächstes Jahr wieder Wunschsterne aufgehängt.





