Ein lauter Knall und die Bewohner des Wohnhauses am Mariendorfer Damm in Tempelhof-Schöneberg waren am Sonntagmorgen kurz vor 7 Uhr mit einem Schlag wach. „Ich dachte meine Schrankwand ist umgefallen“, sagt Dirk Lehmann. Der 36 Jahre alte Fahrradmonteur hatte noch im Bett gelegen, direkt über den Räumen der Sparkasse. Als er nach dem ersten Schreck ans Fenster ging, habe er nur noch eine dunkle Rauchwolke gesehen.

Ein Schock. Schnell sei er mit Frau und der Katze aus dem Haus gerannt. „Ich wusste ja nicht, was geschehen war, doch als ich dann vor der Haustür stand, habe ich das Ausmaß der Katastrophe gesehen“, berichtet er weiter.

Ursache für den Rauch war ein spektakulärer Einbruch. Unbekannte Täter hatten am Sonntagmorgen die Filiale der Berliner Sparkasse am Mariendorfer Damm in Tempelhof ausgeraubt. Ziel des Einbruchs waren diesmal nicht die Geldautomaten, sondern die Schließfächer im Keller der Zweigstelle.

„Mehr als 100 Fächer sind gewaltsam geöffnet worden und stehen jetzt offen“, sagt Polizeisprecher Rene Rodemann. Wie hoch der Schaden für die Besitzer der Schließfächer ist und was dort entwendet wurde, war noch nicht bekannt. Denn die Besitzer der Fächer sind nicht verpflichtet über ihre Einlagen Angaben zu machen.

Die Sparkasse hat für Betroffene des Anschlags eine Telefon-Hotline eingerichtet. Das teilte sie am Montag mit. Unter der Nummer (030) 86986915 erhalten Kunden alle für sie wichtigen Informationen. Constanze Stempel, die Sprecherin der Berliner Sparkasse, sagte zudem, die betroffenen Schließfachinhaber seien ermittelt worden und die Bank habe bereits begonnen, Kontakt zu ihnen aufzunehmen, um alle notwendigen weiteren Schritte in die Wege leiten zu können.

Alarm um 6.50 Uhr

Um 6.50 Uhr ging der erste Alarmruf bei der Feuerwehr ein. Das in den Geschäftsräumen der Sparkasse entstandene Feuer konnten die Männer schnell löschen. So verhinderten sie ein Übergreifen auf die darüber liegenden Wohnungen. Verletzt wurde niemand. Jedoch wurde durch die Detonation Fensterscheiben der Filiale samt Rahmen aus der Verankerung gerissen und mehrere Meter weit auf den Bürgersteig geschleudert.

Glücklicherweise war zu diesem Zeitpunkt kein Passant vor der Sparkasse unterwegs. Die schweren, einbruchsicheren Scheiben hätten ihn erschlagen. Glassplitter flogen bis auf die andere Seite des Mariendorfer Damms. Das Haus wurde anschließend durch einen Bauexperten untersucht. Er konnte noch am Sonntagmorgen Entwarnung für die Mieter geben. Sie durften zurück in ihre Wohnungen, da offenbar am Gebäudekomplex keine gravierenden Schäden entstanden waren.

Zum Tathergang wollte sich die Polizei bislang offiziell nicht äußern. Es scheint jedoch, so ein Ermittler, dass die Täter mit der Sprengung Spuren ihrer Straftat verwischen wollten. Nach Angaben der Polizei hatten Zeugen kurz nach der Explosion einen dunklen Pkw wegfahren gesehen. „Die Einbrecher müssen über Insiderwissen verfügen“, sagt ein Ermittler. Denn neben der genauen Kenntnis über die Lage der entsprechenden Kellerräume waren die Einbrecher auch über die Sicherheitsvorkehrungen informiert. Zudem scheint es, dass der Einbruch von langer Hand vorbereitet wurde.

Per Tunnel in die Steglitzer Volksbank

Vor knapp zwei Jahren gab es einen spektakulären Raubüberfall auf eine Filiale der Berliner Volksbank in Steglitz. Im Januar 2013 hatten die Täter einen 45 Meter langen Tunnel von einem benachbarten Grundstück aus bis zum Bankgebäude gegraben. Über diesen Weg stiegen sie unbemerkt in den Tresorraum ein und brachen zahlreiche Schließfächer auf. Anschließend konnten sie unerkannt durch den Tunnel flüchten. Dieser war „fachmännisch“ angelegt. Komplett mit Holzbohlen verkleidet führte er etwa 1,5 Meter tief unter einem Parkplatz und einer Grünfläche zu dem Bankhaus. Die Polizei geht davon aus, dass der Bau des Tunnels mehrere Monate in Anspruch genommen haben muss. Die Täter hatten einen Spezialbohrer im Einsatz.

Dieser Fall fand wenige Monate später seine Nachahmer. In Gesundbrunnen hatten im August 2013 die Täter jedoch erfolglos mit einem ähnlichen Bohrer einen Bankeinbruch vorbereitet. Sie hatten Pech. Die ausgelöste Alarmanlage zwang sie zur Aufgabe und Flucht. Aufgeschreckt mussten sie ihren Bohrer zurück lassen. Bis heute sind die Täter nicht gefasst.