Die Berliner Polizei fahndet derzeit nach einer Frau, die eine 87-Jährige in deren Wohnung in Schöneberg brutal überfallen, beraubt und schwer verletzt hatte.

Nach ersten Erkenntnissen klingelte die Unbekannte am Freitagabend um kurz nach 18 Uhr an der Wohnungstür der Seniorin an der Kolonnenstraße. Als die 87-Jährige öffnete, wurde sie sofort von der Täterin in die Wohnung gedrängt und mit einem Messer bedroht.

Nachdem die Unbekannte der Seniorin mehrfach ins Gesicht geschlagen hatte, fesselte sie sie an Händen und Füßen und sperrte das völlig hilflose und durch die Schläge und einen Sturz schwer verletzte Opfer im Badezimmer ein. Anschließend konnte die Frau die Wohnung in aller Ruhe nach Geld und Wertsachen durchsuchen, um anschließend mit ihrer Beute zu verschwinden.

Ein Nachbar alarmierte die Polizei

Was die skrupellose Täterin erbeutete, ist derzeit noch unklar. Wie ein Polizeisprecher am Sonnabend mitteilte, hörte ein Nachbar zunächst laute Geräusche aus der Wohnung und dann schließlich die verzweifelten Hilfeschreie des wehrlosen Opfers. Daraufhin alarmierte er umgehend die Polizei.

Obwohl mehrere Funkstreifenbesatzungen angesichts der dramatischen Schilderungen des Anrufers schnell am Tatort eintrafen, war die Täterin bereits verschwunden.

Mithilfe der Feuerwehr konnte die Wohnung geöffnet und das Opfer befreit werden. Nach einer Erstbehandlung durch Rettungskräfte vor Ort wurde die 87-Jährige zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.

Zu der Täterin konnte die Polizei zunächst nichts sagen. Die mit dem Fall betrauten Ermittler schließen allerdings nicht aus, dass die 87-Jährige von Mitgliedern einer Bande gezielt als Opfer ausgewählt wurde.

„Es gibt auch Einzeltäter, die so brutal vorgehen, aber Frauen sind ausgesprochen selten darunter“, sagte ein szenekundiger Beamter am Sonnabend. Viele organisierte Banden begehen ihre Taten auf diese Weise, potenzielle Opfer werden dabei ausgespäht und beobachtet.

Bevorzugt schlagen die Täter bei Senioren zu, ebenso werden mit großer Kaltblütigkeit Gehbehinderte und sonstige Personen ausgesucht, bei denen naturgemäß der geringste Widerstand zu erwarten ist. „Die Hemmschwelle, die ein Täter überwinden muss, um solche Taten zu begehen, ist mittlerweile nicht nur gering, sondern kaum noch vorhanden“, heißt es in einer Stellungnahme der Opferorganisation „Weißer Ring“ zum Thema Raubüberfälle auf Senioren.

Zweiter Fall in Berlin-Schöneberg

Ein weiterer Überfall auf eine betagte Seniorin wurde in Schöneberg am Sonnabendvormittag verübt. Die beiden Täter hatten sich dabei mit einem simplen Trick den Zutritt in die Wohnung einer 91-Jährigen an der Luitpoldstraße verschafft.

Sie gaben sich gegen 9 Uhr fälschlicherweise als Polizisten aus, die angeblich ihre Wohnung durchsuchen müssten. Die Täter drängten die Seniorin und einen 73 Jahre alten Besucher zur Seite, durchwühlten Schränke in Wohn- und Schlafzimmer und entdeckten mehrere Schmuckschachteln.

Mit den darin aufbewahrten Ringen, Ketten und Armreifen entkamen die Täter unerkannt. Zuvor hatten die Räuber die 91-Jährige ins Bett geschubst, als diese sich in den Weg stellte. Ihr Besucher wurde in der Küche zur Seite gedrängt, beide Senioren wurden laut Polizei leicht verletzt.

Nach Erkenntnissen der Polizei werden solche Überfalle zum Teil mit großem zeitlichen Aufwand vorbereitet, bevor die Täter zuschlagen. Die beteiligten Bandenmitglieder sind dabei nie lange an einem Ort aktiv, sondern werden häufig im gesamten Bundesgebiet eingesetzt. Das erschwert mitunter die Suche der Polizei nach den Tätern.

Erst im Frühjahr 2013 wurden in Neukölln zwei Seniorinnen in einer Wohnung ähnlich brutal überfallen. Für eines der Opfer war die Aufregung zu viel, sie erlag kurz nach der Tat einem Herzleiden. Der oder die Täter konnten noch nicht gefasst werden.