Das Bauschild auf dem Grundstück an der Crellestraße 22a in Berlin-Schöneberg steht. Der Eigentümer des Areals unweit der Langenscheidtbrücke will dort ein Wohn- und Geschäftshaus errichten. 2006 hatte die Vivico die einstige Bahnbrache verkauft.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz kritisiert die Planungen als „kalte Investorenarchitektur, die Kiez- und Stadtnatur zerstört“. In rekordverdächtiger Eile habe der Bezirk Tempelhof-Schöneberg Grün- und Bahnflächen in Bauland umgewandelt und ohne Beteiligung der Bürger die Genehmigung für ein siebenstöckiges Gebäude erteilt.
Anwohner, die sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben, sind in Aufregung. Sie protestieren mit einer Kunstaktion. Wie in einem Spinnennetz haben sie die drei von Fällung bedrohten alten Linden mit Fäden verwoben. Mit Installationen und von Kindern gemalten Bildern wächst das Werk jeden Tag. Sogar Nachtwachen hielten Anwohner, um die Bäume zu schützen. Jetzt hat der Investor die Fällung zurückgestellt, bis ein weiteres Gutachten vorliegt.
Rechtsanspruch auf Erteilung einer Baugenehmigung
In der jüngsten Bezirksverordneten-Versammlung von Tempelhof-Schöneberg musste Stadtentwicklungsstadträtin Sibyll Klotz (Grüne) Rede und Antwort stehen. Den Vorbescheid zum Bauvorhaben habe ihr Vorgänger Bernd Krömer (CDU) erteilt, sagte Klotz. Aus ihrer Sicht hätte die Entscheidung auch anders getroffen werden können. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist sie jedoch nicht mehr zu korrigieren“, sagte sie weiter. Die Baugenehmigung sei rechtskräftig erteilt. Das beantragte und genehmigte Wohn- und Geschäftshaus erfülle die gesetzlichen Vorschriften.
Klotz machte auch klar, dass der Eigentümer einen Rechtsanspruch auf Erteilung einer Baugenehmigung habe. Er wolle 50 Prozent der Wohnungen zur Miete vergeben, die anderen 50 Prozent als Eigentum. Eine Beeinträchtigung des Ortsbildes, wie von Naturschützern und Anwohnern ins Feld geführt, liegt nach ihrer Ansicht nicht vor. Das geplante Gebäude nehme die ortsüblichen Höhen auf. In der Diskussion mit den Bezirksverordneten der Grünen, der CDU und auch der SPD stellte sich allerdings heraus, dass das Amt im Gegensatz zum Bauvorbescheid etwa 30 Prozent mehr Baumasse genehmigte.
CDU-Fraktionschef Ralf Olschewski sagte, dass dies vermutlich der Grund sei, warum drei Bäume gefällt werden müssten. Bezirksverordneter Ralf Kühne (Grüne) forderte, dass geprüft wird, ob die Fällgenehmigung nicht zu rasch erteilt wurde. Ein Gutachter soll bis Ende Juni entscheiden, ob trotz Baugenehmigung die Straßenbäume erhalten werden können.
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