Die Frau auf dem Balkon zuckt die Schultern: „Wir gehen hier alle davon aus, dass die Umleitung durch unsere Straße am Datum endet, das auf den Parkverbotsschildern steht“, sagt Margrete. Doch wie die 65-Jährige irren sich die Anwohner rund um die Finckensteinallee. Eine der nervigsten Baustellen in Steglitz-Zehlendorf wird über den im Viertel ausgeschilderten 30. Oktober hinweg fortgesetzt.

Finckensteinallee, Baustellelle, Lichterfelde, Radfahrer dürfen auf dem engen Gehweg fahren., Altdorfer Straße, Anwohner Andreas (65),
Sperrungen auf der Finckensteinallee. Das bisschen des verbliebenen Bürgersteigs teilen sich Fußgänger mit Radfahrern.© Patrick Goldstein | Patrick Goldstein

Seit dem 8. September vergangenen Jahres arbeiten die Berliner Wasserbetriebe nahe dem Schwimmbad auf der Finckensteinallee. Auf genau 640 Metern müssen Trinkwasserleitungen ausgetauscht werden. Die Planung geht auf das Jahr 2017 zurück. Bis dahin hatte es fünf Rohrbrüche gegeben. Ein sechster folgte nach 2017. Die Leitungen, erklärt Stephan Natz, Sprecher der Wasserbetriebe, sind 62 Jahre alt und wegen ihrer Beschaffenheit für Schäden anfälliger als spätere Modelle.

Baustelle macht Finckensteinallee zur Einbahnstraße

Für Autofahrer und Anwohner ist die Finckensteinallee im Baustellenbereich seit mehr als einem Jahr eine Herausforderung. Die Fahrbahn wurde zur Hälfte gesperrt. Als Einbahnstraße geht es nur noch in Richtung Drakestraße. Autoverkehr, der dagegen von dort kommt, wird durch Nebenstraßen parallel geführt. Auch der Bus X11 nimmt die Umleitung, und wer das Pech hat, dahinter zu fahren, braucht für eine kurze Strecke plötzlich viel Geduld.

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Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Rechtsanwältin Annemarie Neumann-Kuhn (48), die an der Finckensteinallee ihre Kanzlei betreibt, rät deshalb ihren Klienten vor Besuchen, besser mehr Anfahrtzeit einzuplanen. Diana (62) verbringt oft 15 Minuten mit der Parkplatzsuche. Denn die angrenzende Paulinenstraße sowie der Kadettenweg sind während der Bauzeit Sackgassen. Stellplätze dort sind nicht mehr erreichbar. „Und wenn man bei der Durchfahrt der Finckensteinallee einmal nichts gefunden hat“, sagt Diana, „muss man im großen Bogen zurückfahren, um es noch einmal zu versuchen.“

Baustelle sorgt für Umwege und Lärm in der Finckensteinallee

Während an diesem Morgen gegen zehn Uhr von der Baustelle her der Presslufthammer ertönt, sagt Diana, dieser Sommer sei für sie extrem laut gewesen. Anwohnerin Maru (51) ist in ihrer Seitenstraße davon weniger betroffen. Aber: Die Sperrungen hätten immer noch nicht alle Navi-Systeme erreicht. Folge: Lieferdienste und Handwerker-Fahrzeuge irrten durch die Nachbarschaft. Manchmal müssten sie rückwärts durch enge Straßen.

Ein weiteres Problem: Fahrradfahrer werden ab der Baustelle auf den nördlichen Bürgersteig geleitet. Der ist gerade mal anderthalb Schritte breit. Nicht jeder Radfahrer passt sein Tempo der gefährlichen Verkehrsführung an.

Die 85 Jahre alte Heide dagegen sieht es optimistisch. „Wir können uns doch freuen, dass mit den Bauarbeiten der nächste Rohrbruch verhindert wird.“ Anwohnerin Diane aber hat nach 13 Monaten genug. „Wann das endet, weiß hier niemand.“

Anwohner kritisieren Verkehrslage und Lärmbelastung durch Umleitung

Auch entlang der Umleitung zeigen sich Anwohner kritisch. Der 65-jährige Andreas ist wütend, dass in der Altdorfer Straße, derzeit eine Einbahnstraße, Radfahrer in beide Richtungen fahren dürfen. „Morgens um 7.30 Uhr geht vor dem Haus die Post ab. Dann sind Radfahrer auf dem Bürgersteig und auf der Fahrbahn in entgegengesetzter Richtung zu den Autos unterwegs. Das ist eine Gefährdung für alle.“

Finckensteinallee, Baustellelle, Lichterfelde, Radfahrer dürfen auf dem engen Gehweg fahren., Altdorfer Straße, Anwohner Andreas (65),
Gegen zehn Uhr geht der Presslufthammer in Betrieb.© Patrick Goldstein | Patrick Goldstein

Margrete indes ärgert sich, dass sie wegen des Autoverkehrs in diesem Sommer abends immer Fenster und Balkon geschlossen halten musste. „Und die vielen Autos, die jetzt hier entlangrasen: Die Eltern in der Nachbarschaft müssen seit einem Jahr um ihre Kinder fürchten, die allein zur Schule gehen und irgendwie über die Altdorfer Straße kommen müssen.“

Stromnetz Berlin plant Tiefbauarbeiten für krisensichere Versorgung

Laut der offiziellen Seite der Verkehrsinformationszentrale ist die Fahrtrichtungssperre bis 30. Oktober gültig. Doch tatsächlich wird die Baustelle dann noch nicht geschlossen. Vielmehr übernimmt Stromnetz Berlin. Dort sagt Pressesprecher Henrik Beuster, dass „ab Ende Oktober, Anfang November“ Tiefbauarbeiten starten. Wie lange, sei ungewiss, die Planung laufe.

Hintergrund sei die Umstrukturierung des Netzes in Steglitz-Zehlendorf. Nach dem Brandanschlag Anfang des Jahres solle es krisenfest gemacht werden. An anderer Stelle erklärt dies Stromnetz Berlin näher. Ziel sei es, eine räumlich getrennte Einspeisung zu schaffen. So bleibe die Stromversorgung auch bei Ausfall einzelner Kabel stabil. Sobald die Planung in der Finckensteinallee vollständig ist, versichert Sprecher Beuster, würden die Anwohner über alle Abläufe informiert.