Kaufhauskönige wie Berthold Israel und Rudolph Karstadt residierten auf Schwanenwerder, auch die Filmstars Gustav Fröhlich und Lída Baarová. Der spätere US-Präsident Dwight D. Eisenhower und der Vater der Luftbrücke, Lucius D. Clay, nahmen ihr Domizil auf der exklusiven Havelinsel. In den 1960er-Jahren ließ Zeitungsverleger Axel Springer eine große Villa auf Schwanenwerder bauen.
Seit mehr als einem Jahrhundert gehört die geheimnisumwitterte Insel, auf der es nur selten Namensschilder gibt, zu den glamourösesten Adressen Berlins. Die Villen wurden im Laufe der Jahre verkauft, vererbt, enteignet. Jüdische Eigentümer mussten ihre Häuser verlassen, NS-Größen, wie Joseph Goebbels und Albert Speer zogen ein. Nach dem Krieg kamen die US-Besatzungstruppen, später gingen einige verwaiste Grundstücke in die öffentliche Hand über und wurden Freizeit- und Erholungsstätten für Berliner Kinder.
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Wer gab sich auf Schwanenwerder die Klinke in die Hand? Dieser Frage geht Autor Frank Schüttig in seinem Buch „Schwanenwerder. Trauminsel am Wannsee“ nach, das jetzt im BeBra Verlag (160 Seiten, 20 Euro) erschienen ist. Schüttig, Jahrgang 1954, war nach dem Studium an der Freien Universität viele Jahre Hörfunkautor. Heute lebt er als Reisejournalist und Herausgeber des Onlinemagazins „Business & Diplomacy“ im Südwesten Berlins.
Der Autor war bei einer Einladung auf die Insel neugierig geworden
Schwanenwerder habe er bei einem Sommerfest in der Würth-Repräsentanz auf der Insel entdeckt, erzählt er. „Was ich dort gesehen habe, hat mich neugierig gemacht“, so der Autor. Er wollte mehr über die Insel und ihre früheren und heutigen Bewohner wissen und hat Schwanenwerder auf langen Spaziergängen erkundet. Bei einer Bootstour sah er sich einige Anwesen vom Wasser aus an und dachte sich: „Daraus ließe sich ein Buch machen.“
Etwa eineinhalb Jahre lang hat er recherchiert und viele Gespräche mit Inselbewohnern geführt. Dazu gehörte auch die Lektüre mehrerer Bücher, darunter „Berliner Reigen“ von Arthur R. G. Solmssen und die Lebenserinnerungen der Filmstars Lída Baarová und Gustav Fröhlich. „Sehr hilfreich war auch das Unternehmensarchiv von Axel Springer“, so Schüttig.

Aber die beste Quelle für die Insel-Geschichte ist immer noch Georg Schertz, der von 1987 bis 1992 Polizeipräsident in Berlin war. Er ist auf jeden Fall der Bewohner, der die Insel am längsten kennt. In seinem Geburtsjahr 1935 hat sein Vater den Kaufvertrag für ein kleines Grundstück am Inseleingang abgeschlossen. Anfangs sollte es nur ein Sommerhaus werden. Doch Georg Schertz wohnt heute noch in dem Haus, seine beiden Söhne sind dort aufgewachsen.

Im Gespräch mit dem Buchautor erzählt der „Insel-Älteste“ Geschichten, die nur er als Zeitzeuge kennt. So funktionierte nach dem Krieg die Straßenbeleuchtung nicht mehr, weil die Gasversorgung zusammengebrochen war. Deshalb wurde der Dachstuhl der unbeschädigt gebliebenen Goebbels-Villa aufgerissen und die Laternenpfähle aus den Dachsparren gefertigt. Diese habe man rund um die Insel aufgestellt und daran elektrische Lampen befestigt, die mit einem Generator betrieben wurden, erinnert sich Schertz.
Georg Schertz ging auch an freien Tagen in die Schule
Aber der Leser erfährt ebenfalls, warum er als Schulkind auch an unterrichtsfreien Tagen in die Schule fuhr. Das war nicht seinem besonderen Eifer zu verdanken, sondern einer Orange, die in den Nachkriegsjahren zu einem kostbaren Gut gehörte, das nur die Amerikaner verteilen konnten.
„Herrn Schertz und seiner Frau Christine verdanke ich sehr viel“, sagt Buchautor Schüttig. Sie hätten zusammen einen langen Nachmittag in seinem schönen Garten mit Blick auf die Klare Lanke verbracht. Der Ex-Polizeipräsident habe viel über die früheren Bewohner erzählt und Fotos gezeigt. Es blieb nicht bei dem einen Kontakt. Es folgten noch einige Telefonate und E‑Mails. Sein phänomenales Gedächtnis, obwohl er schon 91 Jahre alt ist, habe ihn besonders beeindruckt, so Schüttig.

Auf die Frage, ob er bei der Recherche neue Erkenntnisse über Schwanenwerder gewonnen hat, sagt der Autor: „Mich hat überrascht zu erfahren, dass es offenbar keine Nutzungspläne für einige brachliegende und verwilderte Grundstücke gibt, die der Stadt Berlin gehören.“ Und dass derzeit mehrere Anwesen auf der Insel zum Verkauf stehen würden.
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Tatsächlich sind einige Grundstücke, die dem Land gehören, verwildert und abgesperrt. Sie sollten vor Jahren verkauft werden, doch dagegen protestierten einige Inselbewohner. Statt daraus einen öffentlichen Landschaftspark mit Zugang zum Wasser zu machen, wachsen die Grundstücke immer weiter zu. Wie es dort weitergeht, könnte in einem nächsten Schwanenwerder-Buch stehen.




