Während der Verkehr auf der Straße Unter den Eichen das übliche Dauerrauschen der B1 verursacht, liegt der Tietzenweg in absoluter Stille. Das Abbiegen von der B1 in die kleine Anwohnerstraße in Lichterfelde West ist derzeit nicht möglich, die Straße ist komplett gesperrt. Eine Anwohnerin steht vor den rot-weißen Baken und fragt, was da gebaut wird. „Eine Fahrradstraße, was ist das?“ wundert sie sich über die Auskunft. Tatsächlich geht der Bau des lang geplanten Projekts jetzt weiter.

Arbeiten könnten bis Jahresende abgeschlossen sein

Wie Infravelo mitteilt, wird das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf ab Anfang November zunächst die Fahrbahn des Tietzenwegs zwischen Gardeschützenweg und Unter den Eichen sanieren. Nach Abschluss der Arbeiten muss die neue Fahrradstraße noch markiert und beschildert werden. „Die Arbeiten können bei geeigneter Witterung bis Ende des Jahres abgeschlossen werden“, heißt es bei Infravelo. Die GB Infravelo GmbH ist eine Tochtergesellschaft der landeseigenen Grün Berlin GmbH und unterstützt das Land dabei, neue Wege für den Radverkehr zu schaffen.

Tietzenweg in Lichterfelde wird Fahrradstraße
Nur noch Anlieger dürfen künftig mit dem Auto von der B1 (Unter den Eichen) in den Tietzenweg einbiegen.© Katrin Lange | Katrin Lange

In Steglitz-Zehlendorf sind derzeit drei Projekte, die den Radverkehr erleichtern und sicherer machen, in der Umsetzung. Die Einrichtung einer Fahrradstraße im Tietzenweg, der gern als Durchfahrtsstraße und Abkürzung genutzt wurde, ist ein Bauvorhaben davon. In Fahrradstraßen hat der Radverkehr Vorrang, nur Anlieger sind mit ihren Fahrzeugen zugelassen. Für alle gilt eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf maximal Tempo 30. Müllfahrzeuge, Rettungswagen und die Feuerwehr dürfen die Fahrradstraße zu jeder Zeit befahren.

Insgesamt 1,6 Kilometer neue Fahrradstraßen in Steglitz-Zehlendorf

Mehr als 1,6 Kilometer neue Fahrradstraßen entstehen in Steglitz-Zehlendorf – rund 1,3 Kilometer auf dem Königsweg in den Ortsteilen Nikolassee und Zehlendorf sowie 350 Meter auf dem nördlichen Tietzenweg in Lichterfelde. Der Königsweg verbindet den Potsdamer Stadtteil Babelsberg mit Zehlendorf und verläuft größtenteils durch Waldgebiete und auf Nebenstraßen.

Im Jahr 2024 wurde der Abschnitt zwischen Hohentwielsteig und Anhaltinerstraße zur Fahrradstraße umgebaut und das Kopfsteinpflaster durch Asphalt ersetzt. Jetzt werden die Bereiche zwischen den Wendehämmern am Katteweg und der Straße Am Waldhaus (Königsweg Südwest) sowie zwischen Clauertstraße und Idsteiner Straße (Königsweg Ost) zu Fahrradstraßen. Sie bieten damit auch eine alternative Verbindung zur Potsdamer Chaussee.

Sowohl der Tietzenweg als auch der Königsweg werden an Kreuzungen und Einmündungen rot gekennzeichnet, um die Sicherheit der Fahrradfahrenden zu erhöhen. Die neuen Fahrradstraßen verbessern auch die bezirklichen Fahrradrouten, da sie auf der „Nikolassee-Route“ (Königsweg) und auf der „Steglitz-Route“ (Tietzenweg) liegen. Auch ein Teil des Mauerwegs wird mit dem Abschnitt Königsweg Südwest für Radfahrende sicherer.

In der Thielallee in Dahlem laufen ebenfalls Bauarbeiten, dort entsteht ein neuer Radweg. Die Arbeiten erfolgen in zwei Phasen. In der ersten Bauphase Richtung Norden wird die Fahrbahn saniert, Lade- und Lieferzonen werden eingerichtet, anschließend folgen die Markierungsarbeiten für den neuen Radweg sowie in den Kreuzungsbereichen. Voraussichtlich im November startet die zweite Bauphase auf der Straßenseite in Fahrtrichtung Süden. Die Asphaltarbeiten sollen bis zum Jahresende abgeschlossen sein, verspricht Infravelo.