Jedes Jahr werden sie mehr und warten bereits darauf: Die „Aktion warmes Essen“ ist in dieser Woche in der Ev. Paulus-Kirchengemeinde in Zehlendorf in die Kältehilfesaison 2025/2026 gestartet. Bedürftige aus ganz Berlin nehmen den Weg in den Südwesten auf sich, um eine kostenlose Mittagsmahlzeit zu bekommen, aber auch um andere Betroffene zu treffen und sich auszutauschen. Mehr als 70 Hilfsbedürftige nutzen zu jedem Termin die Möglichkeit, sich satt zu essen.

Im Rahmen der Kältehilfe werden montags, mittwochs und freitags von 12 bis 13.30 Uhr im Saal der Paulus-Kirche Zehlendorf warme Mahlzeiten und Getränke ausgegeben. Das Angebot richtet sich an wohnungslose Menschen oder an Menschen mit geringem Einkommen. Der steigende Prozentsatz an Menschen, die unter Altersarmut leiden, wird auch bei der Essensausgabe in der Kirche immer sichtbarer.

Altersarmut, Inflation: Der Bedarf an Hilfsangeboten wächst jedes Jahr

„Wir verzeichnen seit einigen Jahren einen wachsenden Bedarf. Angesichts zunehmender Altersarmut, Inflation und Energiekrise rechnen wir mit weiter steigenden Besucherzahlen in diesem Winter“, so Projektleiterin Schwester Heike Erpel von der milaa gGmbH. Im Vergleich zum vergangenen Jahr habe es bereits dieses Jahr einen Anstieg der Besucherzahlen von etwa zehn Prozent gegeben.

Die milaa gGmbH ist eine Tochter des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf e.V., die das Kooperationsprojekt mit der Paulusgemeinde Zehlendorf bereits seit 2021 ganzjährig organisiert. Das Projekt ist aber schon seit mehr als 30 Jahren eine feste Größe, zuvor war die Essensausgabe aber nur im Winter und nicht auch im Sommer geöffnet.

Beim Essen können sich die Menschen über ihre Sorgen austauschen

Die „Aktion warmes Essen“ ist für die Menschen mehr als eine warme Mahlzeit und ein Getränk. Sie finden auch einen offenen Ort vor, der zugleich Treffpunkt und Anlaufstelle für den Austausch über Probleme, Sorgen und Nöte ist. So manchen Teilnehmenden hilft das Angebot auch, das Gefühl von Einsamkeit zu überwinden.

„Jeder noch so kleine Impuls hat das Potenzial, etwas in Bewegung zu setzen. Bei der Aktion warmes Essen erlebe ich, wie viel Kraft in kleinen Gesten liegt: ein liebes Wort, ein gefüllter Teller, ein offenes Gespräch“, erzählt Schwester Heike über ihre Arbeit. Dazu trägt auch das Angebot der Seelsorge durch Pfarrerin Donata Dörfel bei.

Schwester Heike versucht außerdem zusätzliche und besondere Angebote über das Jahr verteilt zu organisieren. Am 19. Oktober werden die Friseure vom Verein Barber Angels Brotherhood beispielsweise bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr für schicke Frisuren sorgen.

Die Aktion warmes Essen lebt sowohl vom ehrenamtlichen Engagement der Zehlendorfer Bürgerinnen und Bürger, die sich bei der Vorbereitung und der Ausgabe der Mahlzeiten einbringen, als auch zu einem großen Teil von Spenden.