Die Hilfe und Unterstützung war groß, als die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine am Hauptbahnhof ankamen. Berlinerinnen und Berlin boten eine Unterkunft an und nahmen Familien, aber vor allem Frauen und Kinder, mit nach Hause. Sie kamen in Gästezimmern und Einliegerwohnungen unter.
Viele dachten, dass es nur für ein paar Wochen sei und zur Überbrückung, bis die Geflüchteten eine eigene Wohnung gefunden hätten. Doch mehr als ein Jahr später wohnen viele immer noch bei den Gastgebern. Die Suche nach einer eigenen Wohnung stellt sich erwartungsgemäß als große Herausforderung dar.
Mehr als die Hälfe der Gastgeber in Steglitz-Zehlendorf hofft dennoch, dass die Familien so schnell wie möglich eine eigene Unterkunft finden. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die das Willkommensbündnis für Geflüchtete in Steglitz-Zehlendorf zur Situation der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine im Bezirk durchgeführt hat.
Neue Wohnungen noch bis Jahresende finden
Insgesamt 57 Prozent der Befragten gaben an, dass es ihnen „sehr wichtig“ beziehungsweise „wichtig“ ist, dass die von ihnen beherbergten Personen zeitnah eine neue Wohnung finden. Konkret gaben die Gastgebenden an, das Wohn- und Mietverhältnis so bald wie möglich oder bis spätestens Ende dieses Jahres beenden zu wollen.
Das ehrenamtlich und bezirksweit tätige Willkommensbündnis, das erster Ansprechpartner für die freiwillige Flüchtlingsarbeit in Steglitz-Zehlendorf ist, schlussfolgert daraus: Die meiste Hilfe und Unterstützung wird im Bereich „Hilfe bei der Wohnungssuche“ benötigt. Das gaben 80 Prozent der Befragten an.
Insgesamt 64 Prozent brauchen Hilfe bei der Suche nach einem Ausbildungs- und Arbeitsplatz für die Geflüchteten. Auch gesundheitliche Probleme (52 Prozent) und das Gelingen einer sozialen Anbindung (36 Prozent) wurden als Faktoren genannt, bei denen Unterstützung wichtig erscheint.
Willkür der Behörden und Sprachbarrieren
Die Befragten schilderten auch ihre Erfahrungen, die sie im Rahmen der Unterbringung, Begleitung oder Unterstützung von zugezogenen Menschen aus der Ukraine gemacht haben. Sie beklagten vor allem eine gefühlte „Willkür der Behörden, Sprachbarrieren und komplizierte Antragswege“.
Die Studie hat nach Auskunft des Willkommensbündnisses nur einen Stichprobencharakter. Insgesamt wurden 35 Fragebögen von Privatpersonen, Kirchengemeinden und Hilfsorganisationen ausgewertet. Ziel der Untersuchung war es, zu erfahren, „was helfende und unterstützende Menschen aus der Zivilgesellschaft und zugezogenen Menschen im Bezirk für Bedarfe haben“, heißt es in der Studie. Aus den Ergebnissen solle ein klarer Appell an Politik und Verwaltung abgeleitet werden, die staatlichen Dienstleistungen niedrigschwellig, inklusiv und aktiv zu gestalten.



