Jogger, immer wieder Jogger. Vereinzelt ein paar Radfahrer, die vom Helm bis zu den Pedalen auf Geschwindigkeit eingestellt sind. Und ein paar müde Hundehalter mit ihren munter umherspringenden Tieren an der Leine – mehr ist nicht los an diesem Sonntagmorgen in Dahlem. Ein Studentin kommt mit ihrem kleinen Beagle vorbei. Der Hund ist neugierig, schnuppert. Sie wohnt in einer der ruhigen Straßen mit adretten Häusern, die seit zwei Jahren an der Dahlem-Route liegt. Ob sich das bemerkbar macht? „Mit der Tour de France kann man den Radverkehr hier noch nicht vergleichen“, sagt die junge Frau und lacht. Aber sicher kämen Gruppen von Radfahrern vorbei. Mal mehr und mal weniger, das hänge von der Zeit ab.

Im Sommer 2018 wurde die Dahlem-Route eröffnet. Es war die erste bezirkliche Radroute überhaupt in Berlin. Die Wirtschaftsförderung von Steglitz-Zehlendorf hatte die knapp 20 Kilometer lange Strecke gemeinsam mit Tourismus-Experten ausgearbeitet. Sie galt als einer der ersten Beiträge zum dezentralen Tourismuskonzept des Senats. Das hat zum Ziel, Berlin-Besucher noch mehr für die Außenbezirke zu begeistern, um Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg zu entlasten. Zugegeben: An diesem Sonntag sind keine größeren Gruppen von Bayern oder Schwaben in Dahlem anzutreffen. Aber es ist auch ein trüber, windiger Tag. Und noch bestimmt Corona die Ferienplanung.

Diese Radtour hält alles bereit – und das macht sie so attraktiv für Familien mit Kindern, aber auch für Paare jeden Alters. Die Tour wurde so zusammengestellt, dass viele interessante Punkte an der Strecke liegen. Sie ist aber auch sehr leicht zu fahren, denn sie führt immer über Radwege, die zwar nicht immer im besten Zustand, aber dennoch sicher sind. Sie führt aber auch über Parkwege und kleine Anwohnerstraßen. Vor allem aber ist sie gut ausgeschildert, wobei man aufpassen muss. Denn die Schilder, die den Weg der Dahlem-Route anzeigen, sind klein und unterhalb der Straßenschilder angebracht. Da kann es schnell passieren, dass ein Wegweiser bei zügiger Fahrt übersehen wird.

Aber so schnell wird die Fahrt auch gar nicht. Immer wieder gibt es Gründe für einen Stopp. Museen, Kirchen, Villen, Biergärten, Bauhaus-Siedlungen, Parks, Mohnfelder, Badestrände und sogar einen ganz neuer Ortsteil liegen an der Strecke. Wer sie abfährt, kann sich ein Bild von der Vielfalt in Dahlem machen, aber auch viel Natur erleben.

Die Route führt auch am Haus am Waldsee an der Argentinischen Allee 30 vorbei.
Die Route führt auch am Haus am Waldsee an der Argentinischen Allee 30 vorbei. © Katrin Lange

Als Ausgangspunkt der Tour eignet sich am besten der U-Bahnhof Dahlem Dorf. Das mehr als hundert Jahre alte Empfangsgebäude im Fachwerkstil steht unter Denkmalschutz. Rechts vom Bahnhof geht es los, Richtung Freie Universität, vorbei an der schönen weißen Villa des Ostasiatischen Seminars und der Koreastudien. Rost- und Silberlaube liegen auf dem Weg und die neue Philologische Bibliothek. Neben der Kuppel des Reichstagsgebäudes ist die Bibliothek das zweite Bauprojekt, das Norman Foster in Berlin realisiert hat. Über die Thiel­allee geht es zur Jesus-Christus-Kirche an der Hittorfstraße. Während die Glocken schlagen, eilen kurz vor zehn Uhr die letzten Gottesdienstbesucher mit Mundschutz in die Kirche. Es ist ein ganz besonderes Bauwerk: Die Kirche wurde 1930/31 im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet und ist bekannt für ihre besondere Raumakustik. Seit den 1950er-Jahren wird sie für Tonaufnahmen genutzt. Heute hat das Deutschlandradio ein festes Studio in der Kirche.

Die nächste sehenswerte Station ist der Henry-Ford-Bau der Freien Universität, der ebenfalls im Stil der Neuen Sachlichkeit vor knapp 70 Jahren entstanden ist. Eine erste kleine Pause lohnt sich im Dreipfuhlpark. Obwohl es noch kühl ist, haben bereits einige Familien ihre Decken auf der Wiese am Teich ausgebreitet. Mütter gehen mit ihren kleinen Kindern ans Ufer zu den Enten, die auch sofort angeschwommen kommen. Ein Farbtupfer im üppigen Grün ist das Rot eines riesigen Mohnfeldes, an dem der Radweg direkt vorbeiführt. Nur wenige Minuten später ist schon der Fischtalpark erreicht, in dem es zuerst bergab, dann aber auch gleich wieder bergauf geht. Bekannt ist der Park auch für seine schöne Rodelbahn, auf der im Winter immer Betrieb ist.

Etwas städtischer wird es am U-Bahnhof Krumme Lanke. Der Alfred-Grenander-Platz vor dem Bahnhof wurde gerade erst neu gestaltet. In der Mitte steht ein alter Baum mit einer ausladenden Krone und einer Bank rundherum, die auch an diesem Vormittag gut genutzt wird. Die einen treffen sich hier, andere haben sich ein Buch zum Lesen mitgebracht. An der Argentinischen Allee liegt das Haus am Waldsee an der Strecke. „Wir haben gerade in den wärmeren Monaten regelmäßig Besucher, die mit dem Fahrrad anreisen“, sagt Sprecher Erik Günther. Wie viele davon tatsächlich auf der Dahlem-Route unterwegs sind, könne er erst nach einer Besucherbefragung sagen, die ab September durchgeführt wird. Zwei Frauen, die mit der U-Bahn gekommen sind, nutzen an diesem Mittag den letzten Ausstellungstag von „Image Ballett“ von Bernhard Martin. Bis zum 17. Juli wird die neue Ausstellung mit Barkow Leibinger aufgebaut. In dieser Zeit ist das Ausstellungshaus, das einen neuen Seitenflügel mit Café bekommen hat, geschlossen.

Echtes Landleben auf den Feldern der Domäne Dahlem: Zwei junge Frauen führen ein Pferd auf die Koppel.
Echtes Landleben auf den Feldern der Domäne Dahlem: Zwei junge Frauen führen ein Pferd auf die Koppel.© Jörg Krauthöfer

Am Bahnhof Mexikoplatz ist das Café Krone bis auf den letzten Platz gefüllt – soweit es die Corona-Regeln zulassen. In der Vitrine warten Schokoladen- und Erdbeertorten auf den Verzehr, die meisten Gäste sind jedoch zum Frühstücken in die Konditorei gekommen. Sie sitzen zwar an der verkehrsreichen Argentinischen Allee, blicken aber auf den wunderschönen Platz mit Springbrunnen und Bahnhofsgebäude.

Von dort geht es in einen ganz neuen Ortsteil. Schlachtensee wurde vor einigen Wochen zum 97. Ortsteil von Berlin ernannt. Eine Bürgerinitiative hatte jahrelang darum gekämpft. Jetzt liegt die Johanneskirche der Kirchengemeinde Schlachtensee nicht mehr in Zehlendorf sondern im gleichnamigen Ortsteil Schlachtensee. Über die Breisgauer Straße ist schließlich der gemütliche Teil der Tour erreicht: An den Stränden und Badebuchten des Schlachtensees oder der Krummen Lanke ist Erholung und Abkühlung möglich. Wer noch eine sportliche Herausforderung braucht, kann sich an der Fischerhütte im Stand-Up-Paddeln ausprobieren.

Von den Seen geht es über den Quermatensteig zurück, zunächst am Wasser und Wald entlang und dann weiter über die Onkel-Tom-Straße, in der gelbe, hellblaue und gelbe Häuschen der Bauhaussiedlung leuchten. In der Clayallee liegt noch das Alliierten-Museum an der Strecke, bevor der Ausgangspunkt erreicht ist. Auf der Domäne Dahlem ist noch einmal alles zu finden: Kulturgeschichte, Gastronomie, Tiere und Ruhe.

Wem die Tour zu kurz ist, der kann sie bis auf 60 Kilometer erweitern. Denn nach der Dahlem-Route hat der Bezirk noch zwei weitere touristische Radrouten zusammengestellt: die Wannsee-Babelsberg-Route und die Nikolassee-Route. Alle drei Routen sind jeweils etwa 20 Kilometer lang und lassen sich auch miteinander kombinieren. Und die vierte und letzte Tour ist bereits in Planung: Es wird die Steglitz-Radroute sein.

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Dahlem-Radroute: Anfahrt, Sehenswürdigkeiten, Gastronomie, Unterhaltung

Anfahrt

Mit der U-Bahn: Der Einstieg in die Tour ist an verschiedenen Stationen der U3 möglich, so zum Beispiel an den Stationen Podbielskiallee, Dahlem-Dorf, Oskar-Helene-Heim, Onkel-Toms-Hütte und Krumme Lanke. Eine Anfahrt mit der S1 bis Schlachtensee ist auch möglich. Dann startet die Tour am Wasser. Die Route ist in beiden Richtungen ausgeschildert und kann auch verkürzt und unterbrochen werden. Empfohlen wird ein Start in Dahlem-Dorf, so ist auch der Verlauf der beschriebenen Route.

Mit dem Fahrrad: Wer mit dem Fahrrad kommt, kann natürlich an jedem Punkt der Strecke einsteigen und den Hinweisschildern folgen. Das Logo der Route wurde an den Straßenschildern angebracht.

Sehenswürdigkeiten

Bei allen Sehenswürdigkeiten müssen die Besonderheiten in Corona-Zeiten beachtet werden. Oft sind Zeitfenster vorgegeben und Tickets online vorab zu buchen.

Botanischer Garten, Königin-Luise-Straße 6-8, täglich geöffnet, 9 bis 20 Uhr, Eintritt 6 Euro, erm. 3 Euro. Das 43 Hektar große Gelände eignet sich bestens zum Beine vertreten. Dabei sind bis zu 20.000 Pflanzenarten zu sehen. Der Botanische Garten gehört zu den artenreichsten der Welt.

Museum Europäischer Kulturen, Arnimallee 25, geöffnet am Wochenende, 11 bis 18 Uhr, Eintritt 8 Euro, erm. 4 Euro, Kinder frei. Drei Ausstellungen sind derzeit zu sehen, darunter die Dauerausstellung, „comiXconnection“ und „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode“. Geöffnet sind auch der Museumsgarten und das Café.

Domäne Dahlem, Königin-Luise-Straße 49, Freigelände täglich geöffnet von 7 bis 22 Uhr, kein Eintritt, das Museum im Herrenhaus öffnet am Wochenende von 10 bis 17 Uhr, Eintritt 5 Euro, erm. 3. Zu sehen ist die Ausstellung „Urwald, Acker, Schrebergarten. Erfundene Paradiese.“ Die Domäne Dahlem ist ein ehemaliges Rittergut und heute Freilandmuseum für Agrar- und Ernährungskultur. Auf der Weide stehen Pferde, Kühe und Schafe.

Gastronomie

An der Strecke liegen zahlreiche Restaurants, Kioske und Imbissstände. Eine Auswahl von Restaurants mit Biergarten:

Luise, Königin-Luise-Straße 40-42, Tel: 841 888-0, Mo-Do, 11 bis 23 Uhr, Fr, 11-0 Uhr, Sbd, 10 bis 0 Uhr, So 10 bis 23 Uhr.

Fischerhütte, Fischerhüttenstraße 136, Tel: 80 49 83 10, Restaurant tgl. ab 12 Uhr, Biergarten tgl. ab 9 Uhr.

Alter Krug, Königin-Luise-Straße 52, Tel: 832 7000, Mo-Sa 11 bis 23 Uhr, So 10 bis 23 Uhr.

Badestellen

Schlachtensee: Direkt vor dem S-Bahnhof Schlachtensee befindet sich eine Liegewiese mit Bademöglichkeiten. Rechts am Seeufer entlang geht es zur Badestelle gegenüber der Alten Fischerhütte. Dort ist auch ein Verleih für Stand-Up-Paddeling eine Stunde kostet 15 Euro.

Krumme Lanke: Vom Quermatensteig aus führen kleine Waldwege zu Badebuchten an der Krummen Lanke

Informationen

Es gibt drei Radrouten in Steglitz-Zehlendorf, die sich sehr gut kombinieren lassen. Jede ist etwa 20 Kilometer lang. Flyer mit den Routenplänen liegen in den Bürgerämtern Zehlendorf und Steglitz, sind aber schnell vergriffen. Auf Anfrage unter wirtschaftsfoerderung@steglitz-zehlendorf.de per E-Mail oder per Post an Wirtschaftsförderung, Kirchstraße 1-3, 14163 Berlin werden die Faltpläne auch zugeschickt.

Weitere Hinweise im Internet: