Fahrradfahrer

Auf der Dahlem-Route den Berliner Südwesten entdecken

Am Sonnabend wird die Dahlem-Route freigegeben, die auf 18 Kilometern Attraktionen im Bezirk verbindet.

Auf der Domäne Dahlem: Staatssekretär Henner Bunde, Domäne-Direktorin Marit Schützendübel und Bürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski

Auf der Domäne Dahlem: Staatssekretär Henner Bunde, Domäne-Direktorin Marit Schützendübel und Bürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski

Foto: Katrin Lange / BM

Berlin. Noch einen letzten großen Schluck Wasser und dann hieß es, Fahrrad schnappen und einreihen hinter den Polizeiautos und Polizeimotorrädern. Los ging es für mehr als 50 Radfahrer unter praller Sonne von der Domäne Dahlem über das Alliierten-Museum bis zur Ladenstraße am U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte. Am liebsten hätten die ersten gleich richtig in die Pedale getreten, aber sie wurden ausgebremst. Die Premierenfahrt sollte gefeiert werden – es war die Eröffnungstour der neuen Dahlem-Route, die Museen, Galerien, Parks, Biergärten und Seen im Bezirk verbindet. An der Ladenstraße angekommen, hatte Christian Tänzler von Visit Berlin nur einen Wunsch: „Eigentlich würde ich jetzt gern zum Schlachtensee weiterfahren und ins Wasser springen.“ Genau das ist in der Route auch vorgesehen. Am heutigen Sonnabend ist sie für alle freigegeben.

Die neue, 18 Kilometer lange Dahlem-Route ist die erste bezirkliche Radroute in Berlin überhaupt. Sie ist nicht nur ein Novum, sondern auch einer der ersten Beiträge zum dezentralen Tourismuskonzept des Senats. Geplant ist, die Touristen auch für die Außenbezirke zu begeistern, um Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg zu entlasten. „Ich bin mir sicher, dass die Dahlem-Route ein wichtiger Baustein für die touristische Weiterentwicklung des Bezirks sein wird und ein sehr gutes Beispiel dafür ist, wie wir Touristen nicht nur in die Innenstadt, sondern auch in die Außenbezirke wie Steglitz-Zehlendorf ziehen können“, sagt Henner Bunde, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft. 55.000 Euro hat der Senat aus dem Fonds für die Verbesserung der regionalen Wirtschaft (GRW) für die Route zur Verfügung gestellt.

Das Besondere ist, dass sie alle Attraktionen im Bezirk bündelt. Es ist eine Rundstrecke, die in beiden Richtungen ausgeschildert ist. Der Ein- und Ausstieg ist an Stationen der S1 und an der U3 möglich. So kann sie auch jederzeit abgekürzt werden. Auf den 18 Kilometern liegen namhafte Museen wie das Kunsthaus Dahlem, das Brücke-Museum, das Alliierten-Museum und das Museum Europäischer Kulturen. Architekturinteressierte können sich den Henry-Ford-Bau oder die Bruno-Taut-Siedlung ansehen. Und wer sich ausruhen will, kann das im Fischtalpark, am Schlachtensee oder an der Krummen Lanke tun. Zehn Kultur- und vier Freizeiteinrichtungen lägen auf der Strecke, sagt Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU). Doch es würden nicht nur Kultur und Freizeit im Bezirk gefördert, sondern auch die lokale Wirtschaft. Denn an der Route sind auch Cafés, Restaurants, Biergärten und Geschäfte.

Visit-Berlin-Sprecher Christian Tänzler hält die Strecke schon jetzt für einen „Hit“ und ein „Premiumprodukt“. „Steglitz-Zehlendorf hat so viele Perlen, die man einzeln kennt“, sagt Tänzler. Aber als Kette werden sie über den Bezirk hinaus an Bedeutung gewinnen. Die Verbindung sei perfekt gelungen, und er werde dafür sorgen, „dass sie in die Welt hinausgeht“.

Bei der Eröffnungsfahrt, die über eine Teilstrecke von vier Kilometern führte und von der Polizei eskortiert wurde, radelten Vertreter aus dem Bezirksamt, von Kultur und Wirtschaft und dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub mit. „Die Dahlem-Route ist ein erster Schritt“, sagt Jürgen Müller, ADFC-Stadtteilsprecher für Steglitz-Zehlendorf. Man wünsche sich aber natürlich noch viel mehr Verkehrsverbindungen für Radfahrer im Bezirk.

ADFC bemängelt schlechten Zustand mancher Radwege

Zudem müssten viele Radwege saniert oder ausgebaut werden, wie zum Beispiel am Hindenburgdamm in Lichterfelde und an der Kaiser-Wilhelm-Straße in Lankwitz. Generell freue man sich aber, dass der Radverkehr mit der Route im Bezirk aufgewertet werde.

Aber auch Vertreter der Kultureinrichtungen an der Strecke waren beim Start dabei. Gerade neu eröffnet und jetzt auch Teil der Radroute ist zum Beispiel das Martin-Niemöller-Haus an der Pacelliallee, das eine Ausstellung zur Geschichte der Bekennenden Kirche in Dahlem präsentiert. Die Vorsitzende der Gemeindekirchenrates, Katja von Damaros, hofft wie Marit Schützendübel, Direktorin der Domäne Dahlem, dass die touristische Radroute einen „Mehrwert für alle bringt“. Auch der Leiter des Alliierten-Museums, Jürgen Lillteicher, rechnet damit, dass die kulturellen Schätze im Bezirk jetzt noch einfacher erschlossen werden können.

Die Dahlem-Route ist Teil eines Tourismuskonzepts, das die Wirtschaftsförderung des Bezirks mit der EBC Hochschule entwickelt hat. Eine weitere Route ist schon in Planung, sie wird am Wannsee entlangführen.

Steglitz-Zehlendorf hat Aufholbedarf: Bei der Zahl der Übernachtungen liegt der Bezirk auf dem vorletzten Platz in Berlin, schlechter schneidet nur noch Marzahn-Hellersdorf ab.

Am heutigen Sonnabend wird die Eröffnung der Fahrradroute ab 12 Uhr mit einem Sommerfest in der Ladenstraße Onkel-Toms-Hütte gefeiert. Dort können sich Besucher künftig auch die Räder für die Tour ausleihen. Einmalig am Eröffnungstag ist die Ausleihe kostenlos.

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