Berlin-Zehlendorf

Kurs-Korrektur für Berlins irren Zickzack-Radweg

Verschwendetes Steuergeld: Der Zehlendorfer Zickzack-Radweg an der Leo-Baeck-Straße wird jetzt Gegenstand von Untersuchungen.

Das ist Berlins absurdester Radweg

Nein, dies ist kein analoges Tetris-Spiel von Schülern. Dies ist ein Fahrradweg auf der der Leo-Baeck-Straße in Steglitz-Zehlendorf.

Das ist Berlins absurdester Radweg

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Berlin.  Deutschlands berühmtester Zickzack-Radweg in der Zehlendorfer Leo-Baeck-Straße wird ein Nachspiel haben. „Ich rechne fest damit, dass es eine Untersuchung im Rahmen der Bezirksverordnetenversammlung geben wird“, sagt Torsten Hippe, Vorsitzender der CDU-Fraktion. Aufklärung fordert auch Stefan Förster (FDP), Mitglied im Abgeordnetenhaus. In einer Anfrage will er vom Parlament Einzelheiten über die Auftragsvergabe, Konsequenzen und die Kosten des Radweges erfahren.

Am Dienstag war die neue Radwegmarkierung auf dem Gehweg an der Leo-Baeck-Straße von einer Firma aufgebracht worden. Dabei wurden Baumscheiben und Rasenflächen so ausgespart, dass der Weg im Zickzack an dem Straßengrün vorbeiführt. Den Weg nutzen viele Schüler der Schweizerhof-Grundschule. Eltern hatten gefordert, eine alte, verblasste Markierung nachzumalen. Damit sollte der Schulweg für die Kinder, die noch auf dem Gehweg mit dem Rad fahren müssen, sicherer werden. Aus dem Tiefbauamt des Bezirks Steglitz-Zehlendorf heißt es, dass die Firma für den absurden Verlauf des Radweges verantwortlich sei.

Ärger über verschwendetes Steuergeld

Nach viel Spott und Hohn, aber auch Wut und Ärger über verschwendetes Steuergeld, will die zuständige Stadträtin Maren Schellenberg (Grüne) das Problem jetzt grundsätzlich angehen. „Wir werden in Ruhe mit der Firma untersuchen, was technisch möglich ist, ob die Linien entfernt oder gerade Linien gezogen werden“, sagte Schellenberg am Freitag. Wichtig sei, dass die Kinder einen sicheren Schulweg bekämen. Darüber sind sich alle einig. „Aber der Fußweg ist viel zu schmal für einen Radweg“, sagt CDU-Chef Torsten Hippe.

Das sieht auch Kay Erhardt, Vorsitzender der FDP-Fraktion, so. „Da hat das Amt bei der Auftragsvergabe wohl nicht die notwendige Sorgfalt walten lassen“, so Erhardt. Bernhard Steinhoff, Chef der Grünen, sieht das Pro­blem an anderer Stelle. „Der eigentliche Skandal ist doch der Schleichverkehr der Elterntaxis vor den Schulen“, so Steinhoff. Wenn es den nicht gäbe, wäre der Schulweg für die Kinder sicher.

Der Radweg hat in ganz Deutschland für Schlagzeilen gesorgt. Am Freitag berichtete Anwohner Dieter Otte, dass seine Tochter in Münster von dem Radweg aus ihrer Zeitung erfahren habe. Aufgegriffen wurde der Fall auch in vielen anderen Medien wie der „Süddeutschen Zeitung“, ein Team des ZDF war vor Ort. Sogar die Schweiz macht sich lustig. „Ein Berliner Radweg mit vielen Ecken sorgt für Gelächter und Spott“, heißt es in der „Neuen Zürcher Zeitung“.

Debatte über gefährliche Radwege angestoßen

Auch nach Tagen hat der Zickzack-Radweg nicht an Attraktivität eingebüßt. Am Freitagvormittag waren Anwohner in der Straße, um den Radweg zu fotografieren. Der Fall hat aber auch eine Debatte über andere riskante oder unnötige Radwege ausgelöst. So beschweren sich Steglitz-Zehlendorfer, dass der Radweg am Dahlemer Weg im Mai so umgebaut wurde, dass die Situation jetzt viel gefährlicher ist.

Der bestehende und funktionierende Radweg wurde entfernt und dafür ein Fahrrad-Schutzstreifen auf der Fahrbahn aufgemalt. Radfahrer müssten sich jetzt riskant durch die Auto-Spuren quälen. Ein ähnliches Beispiel gibt es in der Lindenthaler Allee, Ecke Potsdamer Chaussee. Dort ist trotz eines funktionierenden Radfahrstreifens auf dem Gehweg ein weiterer auf der Fahrbahn aufgemalt worden. An anderen Stellen, wie am Mexikoplatz, enden Radwege im Nichts.

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