Das Stadtbad Steglitz an der Bergstraße könnte heute als Multifunktionsbau bezeichnet werden – so vielfältig wurde es schon genutzt. Vor 100 Jahren gingen die Steglitzer dorthin, um sich in „Preußens modernster und größter Heil-und Bäderabteilung“ – so die Werbung zur Eröffnung 1908 – zu reinigen oder um in der russisch-römischen Sauna zu schwitzen.

Generationen von Kindern lernten schließlich Schwimmen in dem Jugendstilbau, der an eine Basilika erinnert und etwas unscheinbar im Hof hinter einer Häuserzeile liegt. Nach der Schließung 2002 wurde das Bad als Eventlocation, Flohmarkt, Café und Theater genutzt. Nichts konnte die Kosten decken oder gar die dringend notwendige Sanierung finanzieren. Jetzt sollen Studenten der Beuth-Hochschule für Technik die Lösung finden: In dem Seminar „Bauen im Bestand“ beschäftigen sich die angehenden Architekten im Bachelorstudiengang mit dem alten Stadtbad. Sie sollen Konzepte zur Revitalisierung und Umnutzung erstellen.

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Einst das "modernste Bad Berlins", heute eine Ruine

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    Die Berliner Bäder-Betriebe hatten die Schwimmhalle vor 15 Jahren geschlossen, weil sie marode und unrentabel war. Neuer Eigentümer wurde der landeseigene Liegenschaftsfonds, der das Bad 2004 an eine private Betreiberin für einen symbolischen Euro verkaufte. Daran war die Auflage gekoppelt, die Halle zu sanieren und für den Badebetrieb zu öffnen. Doch zehn Jahre und viele Zwischennutzungen später war immer noch kein Wasser im Schwimmbecken. Silvester 2014 fiel der letzte Vorhang vom Clubtheater Berlin. Das Theaterensemble hatte die Halle, Umkleiden und Sauna als Spielstätte genutzt. Der Kaufvertrag wurde wieder rückgängig gemacht, Eigentümer ist heute die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), in der der Liegenschaftsfonds aufgegangen ist.

    Im Januar kommen die Nutzungsvorschläge

    Mara Pinardi, Professorin für Denkmalpflege und Bauen im Bestand an der Beuth-Hochschule, hatte von der Rückabwicklung gehört und dass das Stadtbad wieder dem Land Berlin gehört. Sie ist immer auf der Suche nach ungenutzten Gebäuden, die wieder aktiviert werden sollen und an denen sich ihre Studenten ganz praktisch ausprobieren können. Sie kontaktierte die BIM, die gern auf die Kooperation einging.

    34 Bachelorstudenten im fünften Semester werden jetzt ein halbes Jahr lang unter der Leitung von Mara Pinardi die Situation rund um das Stadtbad analysieren. Dazu gehören die Baugeschichte, die Konstruktion, Statik, denkmalpflegerische Aspekte, aber auch die Betrachtung des Umfeldes in Steglitz, wie eine Bedarfsprüfung und die Betrachtung der Wirtschaftlichkeit.

    Da immer zwei Studenten gemeinsam ein Konzept entwickeln, werden am Ende des Semesters im Januar 2018 insgesamt 17 verschiedene Ideen für eine Nutzung des alten Stadtbades präsentiert. Als ein „interessantes Gebäude“ bezeichnet die Professorin das Stadtbad. Es habe zwar nicht die Schwimmbadmaße, die heute erwartet werden. Aber es biete viele Möglichkeiten. Was alles machbar sei, müssten die Studenten jetzt herausfinden.

    Stadtbad Oderbergerstraße mit Hotel und Sprachschule

    Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf wünscht sich wieder einen Schwimmbadbetrieb, gern gekoppelt mit anderen Funktionen. „Das könnten Fitness- und Sporträume sein oder auch ein Café oder ein Restaurant“, sagt Mara Pinardi. Auch andere Mischnutzungen seien vorstellbar, wie Co-Working oder Wohnungen. Allerdings sei es nicht möglich, am Bad anzubauen oder neu zu bauen. Dazu gebe es keinen Platz. „Die Studenten müssen mit ihren Ideen im Bestand arbeiten“, sagt die Professorin. Für die Studenten sei es vor allem eine realistische Übung, wie man als Architekt mit alten Gebäuden umgehen muss. Was ist erhaltenswert? Was steht unter Denkmalschutz? Und welche kreativen Veränderungen könnten vorgenommen werden? Diese Fragestellungen gilt es in dem Seminar zu diskutieren. Dass es keine leichte Übung wird, zeigen die Beispiele anderer Stadtbäder, die unter Denkmalschutz stehen. Auch das Hubertusbad in Lichtenberg ist seit 1991 geschlossen. Danach wurde es sporadisch für Modenschauen, Filmaufnahmen oder Ausstellungen genutzt, aber nie wieder zum Schwimmen. Jetzt soll für dieses Bad eine Machbarkeitsstudie erstellt werden, um Nutzungen auszuloten. Auf 30 Millionen Euro werden die Kosten für eine Sanierung geschätzt. Im Februar 2018 feiert das Bad sein 90-jähriges Bestehen.

    Lange Zeit lag auch das Stadtbad an der Oderberger Straße auf dem Trocknen. 1996 wurde es aus Sicherheitsgründen geschlossen und bis 2010 vor allem als Veranstaltungsort genutzt. Wie im Fall des Stadtbades Steglitz scheiterten mehrere Versuche, das Schwimmbad zu sanieren und wieder in Betrieb zu nehmen. Seit 2016 ist wieder Wasser im Becken. Es gehört heute zu einem Ensemble mit Hotel und Sprachschule. Neben dem Badebetrieb werden auch Events in der Halle veranstaltet.

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