Die Eröffnung war schon geplant. Zwei Tage lang sollte im Botanischen Garten in Dahlem das komplett sanierte Victoriahaus gefeiert werden – mittendrin die prächtige Riesenseerose in ihrem Wasserbecken. Optimistisch gab sich Betriebsleiter Karsten Schomaker im Juli, als er den 20. September 2015 als Datum für die Übergabe des Gewächshauses nannte.
Bereits zu diesem Zeitpunkt waren die Arbeiten in Verzug, weil es Probleme mit der Abdichtung der Pflanzenbecken gegeben hatte. Jetzt wurde auch der September-Termin abgesagt – „aus technischen Gründen“, wie es hieß. Ein neues Datum will der Betriebsleiter nicht nennen. Aber da jetzt der Winter kommt, „wird die Riesenseerose wahrscheinlich erst im Mai präsentabel sein“, sagt Schomaker.
Suche nach der Ursache für den Wasserverlust
Wieder ist es die Abdichtung. Bei einem neuerlichen Versuch, die frisch gefliesten Becken zu füllen, mussten die Mitarbeiter feststellen, dass der Wasserstand am nächsten Morgen um einige Zentimeter gesunken war. Musste man im Sommer noch davon ausgehen, dass die Hitze das Material beeinträchtigte und so zu undichten Stellen führte, war das im September keine Option mehr. Also wurden alle Abläufe zusätzlich abgeklebt, um zu sehen, ob das Wasser am Flansch vorbeiläuft.
Tatsächlich führte das Abkleben dazu, dass der Wasserstand stabil blieb. Für den Betriebsleiter ein Grund zur Erleichterung. Er hatte befürchtet, dass alle Fließen in dem 75.000 Liter fassenden Becken wieder abgeschlagen werden müssen. „Die Baufirma muss nun die Abläufe freischneiden, um sie erneut abzudichten“, sagt Karsten Schomaker. Abgenommen wird die Baustelle erst, wenn alles dicht ist.
Ist der Schaden behoben, wird das Victoriahaus, das direkt mit dem Großen Tropenhaus verbunden ist, neu bepflanzt. „Das können wir nicht mit Hochdruck machen, weil es im Winter schwierig ist“, so Schomaker. Den Sommer hatte die Riesenseerose im Freien in einem Teich vor dem Großen Tropenhaus verbracht. Sie wird nun in ein Anzuchthaus gebracht, bis sie wieder an ihren angestammten Platz ins Gewächshaus zurückkehren kann.
Victoriahaus seit 2006 geschlossen
Das Victoriahaus ist mehr als 100 Jahre alt und eines der bedeutendsten Schaugewächshäuser im Botanischen Garten. 2006 musste es geschlossen werden: Die Wände waren durchfeuchtet, die technischen Anlagen veraltet, in der Glashülle fehlten viele Scheiben. Dazu war das Gebäude eines der größten Energieverschwender im Garten. Seine denkmalgerechte und energetische Sanierung startete im Sommer 2013. Zehn Millionen Euro kostete sie, finanziert durch das Land Berlin, Eigenmittel der Freien Universität, zu der die Anlage gehört, und Mittel aus EU-Programmen.
Die Namensgeberin des Gewächshauses ist die tropische Riesenseerose Victoria. Sie gehört mit ihren bis zu 30 Zentimeter großen Blüten und bis zu zwei Meter großen Schwimmblättern zu den Attraktionen des Botanischen Gartens. Im Zuge der aktuellen Baumaßnahmen wird auch der zentrale Eingangsbereich zu den 14 Schaugewächshäusern neu und barrierefrei gestaltet. Dazu gehören ein Café für die Besucher und eine moderne sanitäre Anlage.




