Rund 50 Anwohner stehen am Dienstagabend mit ihren Hunden auf der Badewiese unweit des S-Bahnhofs Schlachtensee, um sich Luft zu machen. Ihre Tiere haben sie nicht nur dabei, weil die noch eine Runde Gassi gehen müssen. Die Hunde sind vielmehr der Grund, warum die Gruppe sich getroffen hat. Der gemeinsame Abendspaziergang, den die Anwohner rund um den Schlachtensee machen, ist eine Demonstration. Die Hundebesitzer sind nicht einverstanden damit, dass ihre Vierbeiner seit Mitte Mai auf den Uferwegen des Schlachtensees und der Krummen Lanke nicht mehr erlaubt sind.
Die zuständige Stadträtin von Steglitz-Zehlendorf, Christa Markl-Vieto (Grüne), hat das generelle Verbot ausgesprochen, um Badegästen, die sich von frei laufenden Hunden gestört fühlen, entgegenzukommen. Seitdem müssen Hundehalter den größten Teil des Uferwegs meiden, an Teilstücken dürfen die Tiere an der Leine mitgeführt werden. Eineinhalb Jahre lang will Markl-Vieto das Verbot testen. Einen Kompromiss zwischen den Konfliktparteien wird es erst einmal nicht geben.
„Nur noch Ärger seit dem Verbot“
„Die Willkür der Politik schließt uns aus und versucht gar nicht erst, eine Lösung zu finden“, sagt eine Hundehalterin, die ihren schwarzen Mischling an der Leine hält. Sie verhalte sich immer vernünftig, führe ihren Hund an der Leine und sammle den Kot ein. Trotzdem hätte sie seit Einführung des Verbots Ärger. „Selbst an Uferteilen, an denen eine Hundeampel kennzeichnet, dass der Hund an der Leine mitgeführt werden darf, werde ich neuerdings angesprochen, ich solle verschwinden“, sagt sie. Eine verärgerte Frau hätte ihren Mann beim Gassigehen mit dem Hund sogar schon einmal mit einem Walking-Stock geschlagen.
Die Stimmung am Schlachtensee ist aufgeheizt. Immer wieder kommt es zu Übergriffen, ein Hundehalter soll sogar schon ins Wasser geschubst worden sein, erzählen sich die Spaziergänger auf ihrer Runde um den See. Damit an diesem Abend nichts passiert, begleiten fünf Polizisten die kleine Demonstration. Sie soll eine Auftaktveranstaltung für wöchentliche Spaziergänge in der Sperrzone werden.
„Es gilt das Faustrecht“
Angemeldet hat die Veranstaltung der Jurist Lothar Neuhoff. „Wir wollen zeigen, dass das generelle Hundeverbot rechtswidrig ist“, sagt er. „Es sind unhaltbare Zustände, es gibt keine Kontrollen, stattdessen gilt das Faustrecht.“ Die Hundefreunde wollten nicht provozieren, im Gegenteil, sie seien mit einer Leinenpflicht am Ufer einverstanden. Auch Kotbeutel mitzuführen und Badestellen zu meiden, sei für die meisten selbstverständlich, nur den Uferweg ganz meiden zu müssen, das wollen sie nicht.
Der Streit wird auch in nächster Zeit nicht enden. Die Initiative „Hunde am Schlachtensee“ hat bereits eine Klage gegen das Verbot eingereicht, die Initiative „Berliner Schnauzen“ ein Bürgerbegehren vorbereitet, das die Aufhebung des Verbots fordert. Es wird derzeit vom Bezirk geprüft. Auch das Verwaltungsgericht befasst sich mit einem Eilantrag gegen das Verbot. Beim Bezirk sind in den vergangenen Monaten knapp 200 Briefe eingegangen. Zwei Drittel der Absender befürworte das Verbot, ein Drittel sei dagegen, teilte der Senat mit.




