Noch ist das hohe Tor verschlossen. Nur für Handwerker und angemeldete Besucher öffnet es sich. Ein langer Pflasterweg führt nach hinten aufs Grundstück mitten im Grunewald – direkt zu Kaffee, Kuchen und dem phänomenalen Blick über den Wannsee, den schon Generationen von Berlinern im alten Ausflugslokal so schätzten. 14 Jahre nach einem verheerenden Brand sind die Wannsee-Terrassen wieder aufgebaut. Neu, modern und ganz anders als früher. Am Freitag ab 12 Uhr können sich die Berliner dort am Wannseebadweg im Bezirk Steglitz-Zehlendorf ihr Terrain zurückerobern und die legendären Sonnenuntergänge genießen.

Seit die Telefonnummer seit wenigen Tagen im Internet steht, klingelt es im Haus ununterbrochen. Viele Gäste erkundigen sich bereits, welche Kuchensorten es geben wird. „Jede Menge und alle hausgemacht“, sagt Küchenchef Andelko Krmpotic lachend. Sei es Erdbeer- oder Streuselkuchen, Himbeer-Tartes oder andere kleine Fruchttörtchen bis hin zur Sacher-Torte. Er hat viel zu tun so kurz vor der Eröffnung. In seiner großen Edelstahlküche laufen gerade die letzten Probedurchläufe mit dem Team. Zur Eröffnung soll alles perfekt sein und wie am Schnürchen laufen.

Der Neubau, den Eigentümer Harald Huth dort gleich neben dem Strandbad Wannsee für fast zehn Millionen Euro errichten lassen hat, wirkt wie eine großzügige Villa im Landhausstil. Hellgraue Schiefersteine passen sich in die Natur ein. Das Grundstück liegt auf einem Hang oberhalb des Wassers. Der vordere Eingang des Hauses führt zur Bar, zum Restaurant und zum Café. Ein fünf Meter hoher Kronleuchter mit großen mundgeblasenen farbigen Kugeln aus dem Erzgebirge schmückt eindrucksvoll das Entree. Drei Sättel – für Polo-, Spring- und Westernreitern – gehören zur Dekoration. Landhaus-Stil eben.

Bodentiefe Fenster

Ein Jahr lang haben die Betreiber das Ausflugslokal im Innern ausgebaut. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Und Geschäftsführerin Stefanie Rosin freut sich selbstbewusst: „Die Berliner müssen nicht mehr stundenlang rausfahren, sie haben ihr Ausflugslokal jetzt wieder in der Stadt.“ Überhaupt sei die Inneneinrichtung für das Lokal nicht einfach nur irgendwo gekauft, sondern individuell angefertigt worden. Polstereien und Tischlereien aus der Umgebung haben das Mobiliar gefertigt. Im Restaurant erinnern die mit rubinrotem Stoff bezogenen, langen durchgehenden Polsterbänke vor den weiß eingedeckten Tischen an die Atmosphäre französischer Brasserien. Keine Angst. Es gibt auch Einzeltische für all die, die lieber separat sitzen.

Bodentiefe Fenster ermöglichen im ganzen Haus den Blick nach draußen. Mit Akribie sorgt der Fensterputzer kurz vor der Eröffnung dafür, dass alles blitzt. Blitzbank ist auch die Bar im New-York-Style. In der Mitte vor dem Antik-Spiegel stehen übersichtlich Whiskys, Gins, Martini, Wodkas, Grappas und andere Alkoholika aufgereiht. Die Gäste können dem Barkeeper beim Mixen der Cocktails zuschauen.

Design-Kicker aus Italien

Wer sich ein wenig bewegen möchte, kann am Kicker spielen. Ein italienisches Design-Stück aus Glas und Holz. Den Kork-Ball gibt es beim Barkeeper. Die Geschichte der Wannsee-Terrassen geht zurück bis ins Jahr 1937, als das Ausflugslokal nördlich des Strandbad Wannsees eröffnet wurde. Bereits zehn Jahre später ging das Lokal mit dem typischen Reetdach das erste Mal in Flammen auf. Nach drei Jahren war es wieder aufgebaut und gehörte bis zum Mauerfall zu den beliebtesten Ausflugsgaststätten in West-Berlin. Gerade in der Sommersaison war kein Platz mehr auf der Terrasse zu finden. Aber auch für Hochzeiten und Geburtstage wurde der Gastraum gern gemietet.

Das ist auch bei den neuen Betreibern des Hauses wieder möglich. In der oberen Etage gibt es zwei große Räume für Familienfeiern, Hochzeiten oder andere Feierlichkeiten. Das Holz für das obere Kaminzimmer liegt schon ordentlich gestapelt vor dem Eingang, im Weinzimmer sind die Gläser poliert. Weihnachten 2001 kam es durch eine defekte Dunstabzugshaube zu einem zweiten Brand, bei dem das Lokal bis auf die Grundmauern zerstört wurde.Begünstigt durch das Reetdach brannte das Gebäude komplett aus. Das Areal ging an den Liegenschaftsfonds des Landes Berlin, von dem Eigentümer Harald Huth es 2006 erwarb. Fünf Jahre dauerte es bis zur Baugenehmigung. Mit dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf hatte es Auseinandersetzungen über die Größe des Neubaus und die Anzahl der Parkplätze gegeben. Das Lokal befindet sich im Wasserschutzgebiet. Der Investor wollte mehr Gastronomieplätze einrichten.

Terrasse und Spielplatz

Jetzt gibt es 850, von denen sich 500 unter freiem Himmel befinden. Dort gibt es nicht nur Terrassenplätze, sondern auch welche im Biergarten gleich neben dem mit einem kleinen Holzzaun gut gesicherten Kinderspielplatz. Der eilige Gast bekommt hier Hähnchen, Würstchen oder Flammkuchen. Für Besucher mit mehr Zeit stehen Gerichte wie Bouillabaisse von Brandenburger Fischen, Filet vom Loup de Mer oder ein Bluecheese Burger vom Black Angus Rind auf der Karte, die bereits im Internet steht. Ohne Preisangaben allerdings. Aber die Küche soll „für jeden erschwinglich sein“, sagt die Geschäftsführerin.

Wannsee-Terrassen, Wannseebadweg 35, Eröffnung: Freitag 12 Uhr. Geöffnet tgl. ab 12 Uhr, open end. Anfahrt: bis S-Bhf Nikolassee mit der S7, 15 bis 20 Minuten Fußweg, mit dem Auto Parkmöglichkeiten am Strandbad Wannsee. Im Netz: www.wannseeterrassen.berlin