Seit mehr als 15 Jahren ist die Umbenennung des U-Bahnhofs Thielplatz im Ortsteil Dahlem in „Freie Universität Berlin“ in der Debatte. 1999 gab es auf Initiative der CDU-Bezirksverordneten in Steglitz-Zehlendorf eine erste Anfrage, doch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und der Senat lehnten den Wunsch auf Namensänderung ab. Ein zweiter Vorstoß kam 2008 von den Bezirksverordneten aller Fraktionen. Doch auch dieser Versuch scheiterte.
Jetzt sollen die Anwohner mitreden: Am Dienstag, 10. März, veranstalten die Freie Universität und der Bezirk im Henry-Ford-Bau an der Garystraße 35 ein Bürgergespräch, das erneut mit der Frage überschrieben ist: Soll die Station Thielplatz auf der Linie U3 in „Freie Universität Berlin“ umbenannt werden? Auf dem Podium sitzen neben dem Präsidenten der FU, Peter-André Alt, Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) und Christfried Tschepe vom Berliner Fahrgastverband Igeb.
Sowohl der Bezirk als auch die Freie Universität sind große Befürworter der Umbenennung. Deshalb haben beide Seiten das Thema auch nach der letzten Absage 2008 nie ruhen lassen. Insbesondere der FU-Präsident hat immer wieder das Gespräch mit den zuständigen Behörden gesucht, zuletzt vor allem mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die hat jetzt auf das Begehren reagiert und das Bürgergespräch angeregt. „Der Bezirk und die FU sollen ein Partizipationsverfahren durchführen, um den Willen der Bürger zu ermitteln“, sagt Sprecher Martin Pallgen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung würde sich diesem Anliegen nicht verschließen, wenn sich eine deutliche Mehrheit der Anwohner für die Umbenennung ausspricht. Sie sollte aber nicht über die Köpfe der Betroffenen vor Ort hinweg erfolgen. Martin Pallgen stellt aber klar: „Die Kosten für die Umbenennung müssten der Bezirk oder die FU tragen.“
BVG sieht die Umbenennung eher skeptisch
Die BVG steht der Umbenennung nach wie vor skeptisch gegenüber. „Wir sehen das Vorhaben kritisch, weil Bahnhofsnamen Orientierungshilfen sind“, sagt BVG-Sprecher Markus Falkner. Die Freie Universität habe aber keinen zentralen Campus, und viele Institute würden sich in der Nähe der U-Bahn-Station Dahlem Dorf befinden. Deshalb warne er vor einer Irreführung, so Falkner. Gerade ausländische Besucher oder Studenten könnten dadurch an der falschen Stelle landen. Außerdem sei man vorsichtig bei Umbenennungen, weil die angestammten Namen im Bewusstsein seien.
Ausnahmen mache man nur, wenn sich herausragende Gebäude oder Einrichtungen in der Nähe befänden, wie zum Beispiel beim Naturkunde-Museum. Dort sei die U-Bahn-Station sogar zum Themenbahnhof umgestaltet worden. „Sollte es aber der politische Wille von Senat und Bezirk sein, setzen wir die Umbenennung um“, sagt Falkner. Es sei aber nicht geplant, dass sich die BVG an den Kosten beteiligt. Die schätze er auf mehrere 100.000 Euro für neue Schilder und die Änderung sämtlicher Netzpläne und Medien.
„Es gibt überhaupt keinen Thielplatz“
Seit Beginn der Debatte wehrt die BVG die Umbenennung mit dem Argument des fehlenden Ortsbezugs ab. Stationsnamen und Örtlichkeit müssten eine klare Zuordnung haben, heißt es immer wieder. Das findet Bezirksbürgermeister Kopp absurd. „Es gibt überhaupt keinen Thielplatz, also auch keinen Ortsbezug“, sagt der CDU-Politiker. Auch für ihn ist der U-Bahn-Name wichtig für die Orientierung. Besucher müssten schon im Verkehrsnetz sehen, dass sich die FU im Südwesten befinde, sagt er. Von dem Bürgergespräch erwarte er jetzt ein entscheidendes Stimmungsbild.
Ähnlich argumentiert der FU-Präsident. „Der U-Bahnhof bildet eine zentrale Zulaufstation für die Freie Universität Berlin, über die auch der Gründungscampus der Universität mit dem zentralen Hörsaalgebäude, dem Henry-Ford-Bau und auch die Universitätsbibliothek und viele weitere Institute der Universität erschlossen werden“, sagt Peter-André Alt.
Bessere Orientierung für Gäste
Geografisch befinde sich die Station ziemlich genau zwischen dem historischen Campus und dem Campusbereich nordöstlich der Habelschwerdter Allee. Eine Umbenennung solle die herausragende Bedeutung der FU großräumig, in Berlin, aber auch im Bereich des Stadtteils hervorheben.
Durch eine Veränderung der jetzt irreführenden Bezeichnung Thielplatz solle aber auch die Orientierungshilfe in Dahlem verbessert werden, sowohl für die Gäste aus dem In- und Ausland als auch für Studierende, Wissenschaftler und Mitarbeiter der Universität. „Wir freuen uns, am Dienstag im Rahmen des Informationsgesprächs mit Anwohnern und interessierten Bürgern über das Thema Umbenennung des U-Bahnhofs Thielplatz zu diskutieren“, sagt Peter-André Alt. Er erwarte ein großes Interesse an dem vom Bezirksbürgermeister und der Freien Universität Berlin initiierten Bürgergespräch.
Unter den Bezirksverordneten in Steglitz-Zehlendorf wird das Thema mittlerweile kontrovers diskutiert. 2008 hatten noch alle fraktionsübergreifend für die Umbenennung gestimmt, auch die SPD-Fraktion. Doch heute ist Fraktionschef Norbert Buchta „kein Freund der Umbenennung“. Wenn ein Name nicht anrüchig sei, gebe es keinen Grund, ihn zu wechseln, sagt Buchta. Er fände es schade, dass der Stationsname eliminiert werden solle, den es schließlich schon seit dem Jahr 1913 gebe. Er hoffe, dass im Falle einer Umbenennung der Hinweis „Thielplatz“ noch klein und in Klammer unter dem neuen Stationsnamen „Freie Universität Berlin“ stehen werde.





