Wohnungsbau

In Lichterfelde entsteht Berlins größtes Wohnungsbauprojekt

Auf dem ehemaligen US-Truppenübungsplatz „Parks Range“ entsteht das größte Wohnungsbauprojekt Berlins zwischen Hochhäusern und Naturschutzgebiet. In zwei Jahren soll Baustart sein.

Foto: CASANOVA + HERNANDEZ ARCHITECTS

Der Kontrast könnte deutlicher kaum sein: Auf der einen Seite stehen 60 Hochhäuser, acht bis 21 Etagen hoch. Auf der anderen Seite weiden Pferde auf der Koppel, dort hat sich die Natur mit Feuerfalter, Moorfrosch und Zauneidechse ihr Revier zurückerobert.

Dazwischen entsteht das derzeit größte Wohnungsbauprojekt Berlins: Auf dem ehemaligen US-Truppenübungsplatz „Parks Range“ in Lichterfelde-Süd wird ein neues Stadtviertel mit 2500 Wohnungen gebaut. Etwa 800 Millionen Euro investiert die Groth-Gruppe in das Bauprojekt, für das 2016 der erste Spatenstich erfolgen soll. Geschäftsführer Klaus Groth rechnet mit einer Bauzeit von fünf bis sieben Jahren.

Sechs Quartiere als selbstständige Einheit

Der Anfang ist gemacht: In einem städtebaulichen Workshop für den Masterplan hat das Architekturbüro Casanova + Hernandez aus Rotterdam mit seinem Entwurf gesiegt. Am Dienstag wurde das Konzept vorgestellt – es wird die Grundlage für die Entwicklung eines Bebauungsplans sein.

Auf dem fast 100 Hektar großen Areal südlich der Osdorfer Straße werden 39 Hektar bebaut. Die übrige Fläche soll den Status eines Landschaftsschutzgebiets erhalten, aber frei zugänglich werden. Das neue Stadtviertel wird aus sechs einzelnen Quartieren bestehen, die jeweils eine selbstständige Einheit bilden.

Jeder Kleinkiez ist ein Ensemble aus verschiedenen Haustypen, die sich um einen kleinen Stadtplatz gruppieren. Damit solle eine Identifikation mit dem jeweiligen Quartier und der Nachbarschaft erreicht werden, sagt Architektin Helena Casanova.

Miet- und Eigentumswohnungen

Insgesamt sind 600 zweigeschossige Reihen- und Doppelhäuser geplant, die weiteren 1900 Etagenwohnungen verteilen sich in vier-, sechs- und zehngeschossigen Gebäuden. In jedem der sechs Quartiere soll ein Hochhaus mit zehn Etagen stehen und es wie ein Nagel markieren.

Die 2500 Wohneinheiten sind zur Hälfte Miet- und Eigentumswohnungen. Mehr als 500 Wohnungen sollen von kommunalen Wohnungsbaugesellschaften errichtet und für etwa 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden. Das Mietniveau der anderen Apartments werde zwischen 8,50 und 10,50 Euro liegen, sagte Klaus Groth. Der Preis für die Eigentumswohnungen betrage 3000 bis 3500 Euro pro Quadratmeter.

Die größte Herausforderung für das niederländische Architekturbüro war es, eine Verbindung zwischen den Hochhäusern der Thermometersiedlung, dem neuen Stadtviertel und dem Naturgebiet zu schaffen. Dafür habe sie sieben sogenannte grüne Finger vorgesehen – Wege, die die Straßenfluchten in der Hochhaussiedlung aufnehmen und die sich durch das neue Quartier bis in die „grüne Mitte“ ziehen, sagt die Architektin. Die Wege führen vorbei an Grünflächen und Spielplätzen, die alle nutzen können.

Sportanlage, Stadtplatz, Geschäfte

In der Nähe des S-Bahnhofs Lichterfelde-Süd soll eine Schule mit Sportanlagen entstehen. Auf ihrem Weg von der S-Bahn in ihre Häuser kreuzen die künftigen Bewohner auch einen offenen großen Stadtplatz, mit Geschäften, kulturellen und sozialen Einrichtungen.

Dieser Platz soll das alte und das neue Wohnquartier zusammenführen. Ein ganz entscheidendes Element der Entwürfe ist eine „Pufferzone“ – eine Grünfläche, die zwischen 15 und 35 Meter breit ist und die Häuser von dem sensiblen Naturschutzbereich abgrenzt.

Engelbert Lütke Daldrup, Staatssekretär für Bauen und Wohnen, lobte die Entwürfe für „ein gemischtes Stadtquartier, das mit der Nachbarschaft vernetzt und für verschiedene Einkommensschichten ist“. Genau diese Vielfältigkeit sei im Wohnungsbau angestrebt. Jedes Jahr, so betonte er, müssten 10.000 neue Wohnungen in der Stadt entstehen.

Ungelöste Verkehrsprobleme

Kritik an den Plänen kommt vom Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde-Süd. Ursprünglich sei von 1500 Wohnungen die Rede gewesen, sagt Sprecher Gerhard Niebergall. Es gebe ungelöste Verkehrsprobleme, ein zweiter S-Bahn-Ausgang sei überhaupt nicht berücksichtigt worden und die 25 Sechsgeschosser an der Osdorfer Straße würden das Viertel wie ein Burgwall abschotten.

Baustadtrat Norbert Schmidt (CDU) versicherte daraufhin, dass man sich mit dem Masterplan ganz am Anfang des Projekts befände und noch viele Etappen folgten, in denen die Pläne noch konkretisiert und überarbeitet werden.