Berlin-Zehlendorf

Wo ein neuer Zugang zum S-Bahnhof entstehen könnte

Der Fußgängertunnel am S-Bahnhof Zehlendorf ist zu eng. Jetzt geht es um einen zweiten Weg, der endlich Entlastung bringen soll. Nur wie, ist noch die Frage. Dazu gibt es viele Meinungen.

Am Fuß der Bahnsteigtreppe steht man bereits mit einem Bein im Obststand. Erdbeeren sind heute im Sonderangebot. Ein paar Meter weiter ist der Tunnel auf beiden Seiten mit Fahrrädern zugeparkt. Einige Passanten legen auf dem Weg zur Bushaltestelle noch einen Sprint ein – wer nicht angerempelt werden will, muss wendiger sein als Neymar. Hier ist es voll. Und eng.

Der S-Bahnhof Zehlendorf benötigt einen zweiten Zugang. „Das ist unstrittig“, sagt Daniela Augenstein, Sprecherin der Verkehrsverwaltung des Senats. Weil andere Projekte aus finanziellen Gründen vorgezogen wurden, gab es bisher keine konkreten Planungen.

Aber klar ist schon länger: Der zweite Zugang soll im Rahmen des Baus der neuen S-Bahnbrücken über den Teltower Damm entstehen, der Termin ist für 2015 angekündigt. Seither beschäftigt Politik und Bürger die Frage, wo dieser überhaupt gebaut werden soll. Jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen, und in Zehlendorf werten sie die Entwicklungen als kleinen Sieg.

Eine gefährliche Variante

Gegenüber vom Bahnhofszugang steht Bernd Steinhoff auf dem Teltower Damm. Er hält einen Zollstock in der Hand. „Ausgerechnet hier wollte der Senat ursprünglich den zweiten Zugang bauen“, sagt der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion in Steglitz-Zehlendorf und zeigt auf die Mauer, die die Brücke trägt. Das Problem: An der schmalsten Stelle misst der Bürgersteig zwei, an der breitesten gerade mal drei Meter. Fußgänger und Fahrradfahrer teilen sich den knappen Platz. Die Straße ist abschüssig, manche Radler haben ziemlich Tempo drauf. Bei noch mehr Betrieb wären Zusammenstöße zwischen Fußgängern, Radfahrern und Fahrgästen wohl die Folge.

Doch ein Zugang an dieser Stelle, so argumentierte die Senatsverwaltung vor einem Jahr, biete „zeitliche und finanzielle Vorteile“. Mit rund zwei Millionen Euro wäre er nur halb so teuer wie andere Varianten. Dass die Idee aber gefährlich ist, weiß der Senat, und so sehen es auch alle Parteien im Bezirk. „Ein Zugang am Teltower-Damm-Tunnel ist nicht fürchterlich sinnvoll“, sagt Bezirksstadtrat Norbert Schmidt (CDU). Und der SPD-Fraktionsvorsitzende Norbert Buchta fügt hinzu: „Den, der sich das mit dem Zugang am Teltower Damm ausgedacht hat, sollte man nachträglich entlassen.“

So weit muss es aber nicht kommen. Am Mittwoch trafen sich die Grünen mit Vertretern der Deutschen Bahn und des Senats. Dem Vernehmen nach ist die ungeliebte Variante am Teltower Damm vom Tisch. Stattdessen, sagt Steinhoff, werde nun auch jene Alternative geprüft, die sie sich in Zehlendorf am meisten wünschen: einen Tunnel weiter westlich, der direkt mit dem Bahnsteig verbunden ist. Er würde zwischen der Machnower Straße und dem sogenannten „Postplatz“ verlaufen. Er wäre vor allem: weit weg vom Teltower Damm.

Bessere Situation für die Fahrradfahrer

„Durch diese Option würde die Ballung der Verkehrsteilnehmer deutlich entschärft“, sagt Steinhoff. Die Schüler der angrenzenden Schulen hätten kürzere Wege, auch eine neue Bushaltestelle könnte eingerichtet werden. Und natürlich Fahrradständer. „Mehr Abstellmöglichkeiten bedeuten vielleicht auch, dass mehr Leute mit dem Fahrrad zum Bahnhof fahren“, sagt Steinhoff. Platz wäre auf der westlichen Seite genug, um den Bahnhof herum ist viel Brachland. Was man vom aktuellen Zugang nicht sagen kann, dort stapeln sich die Fahrräder.

Für die Grünen ist der Tunnel mehr als eine Lösung der Verkehrsfrage. Sie sehen in ihm auch eine Fußgängerunterführung, die die Wohngebiete auf beiden Seiten miteinander verbindet. Von mehr Passanten würde der Einzelhandel in Schwung kommen, glaubt Steinhoff. „Auf dem ‚Postplatz‘ befindet er sich noch im Dornröschenschlaf.“

Auch die Händler beim anderen Eingang würden profitieren. Bislang sei es dort so überfüllt, dass viele Spontankäufe nicht zustande kämen. Bei einer Unterschriftenaktion der Grünen gegen die Teltower-Damm-Alternative sammelten viele Ladenbesitzer kräftig mit. Mehr als 2000 kamen zusammen.

Die Hoffnung ist groß in Zehlendorf, aber in Sachen Kosten wäre der Tunnel am „Postplatz“ die teuerste Option. Die Senatsverwaltung teilt offiziell mit, dass die Bahn mit der Prüfung von insgesamt vier Varianten beauftragt wurde. Der Teltower Damm ist dabei nicht vom Tisch, es gibt offenbar zwei Alternativen, wie dort trotzdem ein Zugang entstehen könnte. Eine sieht eine sogenannte Aufweitung des Eisenbahntunnels vor, was zu einer Verbreiterung des Bürgersteigs führen würde.

Die SPD würde auch einer Holzkonstruktion zustimmen

Für Steinhoff ist das keine Option. „Dann wäre nur unter dem Tunnel mehr Platz, der restliche Bürgersteig aber immer noch sehr beengt“. Eine andere Alternative wäre der Bau eines Fußgängerdurchgangs, parallel zum Bürgersteig mit Zugang zum Bahnsteig. Doch dies würde eine erhebliche Aushöhlung der Brückenmauer bedeuten. „Und die ist eigentlich denkmalgeschützt“, sagt Steinhoff.

Die SPD wiederum würde, sollte der gewünschte Tunnel aus Kostengründen platzen, an selbiger Stelle auch den Bau eines einfachen Brückenübergangs aus Holz akzeptieren. Hauptsache nicht Teltower Damm, so wie es mal geplant war. Schon 2010 kündigten die Sozialdemokraten an, dass sie dann lieber ganz auf einen zweiten Zugang verzichten würden.