Auf landeseigenen Grundstücken sollten günstige Wohnungen in mehrgeschossigen Gebäuden entstehen – auch in Zehlendorf. Dieser Überzeugung ist Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD), weshalb er jetzt das Vorhaben gestoppt hat, an der Fischerhüttenstraße Stadtvillen in Form von Einfamilien-, Reihen- und Doppelhäusern zu bauen.

Der Liegenschaftsfonds des Landes darf den Verkauf der ehemaligen Bezirksgärtnerei an der Fischerhüttenstraße zwischen der denkmalgeschützten Zinnowwaldsiedlung und dem Friedhof Zehlendorf an einen privaten Investor aus München vorerst nicht vollziehen.

„Wir wollen, dass in Berlin zusätzlicher bezahlbarer Wohnraum entsteht“, sagte der Finanzsenator. „Angesichts der Wohnungsknappheit in Berlin habe ich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt gebeten zu prüfen, ob das Grundstück effizienter bebaut werden kann, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“ Die 125 bis 140 Wohnungen, die bisher für das fast vier Hektar große Areal ins Auge gefasst sind, reichen Nussbaum angesichts des Bedarfs in der Stadt nicht aus.

Der Finanzsenator Nußbaum macht ernst

Im Bezirk trifft dieser Vorstoß auf Unverständnis: „Damit dürfte Herr Nußbaum seine Kompetenz überschreiten“, sagte der Vorsitzende der CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung, Torsten Hippe. Für Bebauungspläne sei der Bezirk zuständig: „Der Senator soll sich um seinen Kram kümmern.“

Der Finanzsenator macht ernst mit der neuen Liegenschafts- und Wohnungsbaupolitik des Landes. Die große Koalition ist überein gekommen, Grundstücke nicht mehr meistbietend zu verkaufen, sondern andere Interessen der Stadt stärker zu berücksichtigen. Landeseigene Flächen sollten für Wohnungsbau Genossenschaften oder kommunalen Wohnungsbaugesellschaften kostenlos überlassen werden, damit diese dort für Normalverdiener erschwinglichen Wohnraum schaffen.

In der SPD geht man davon aus, dass dann ohne Grundstückskosten Mietpreise von 8,50 Euro zu realisieren seien. Im Falle des Zehlendorfer Grundstücks muss man je nach der erlaubten Bebauung davon ausgehen, dass die Fläche zwischen zehn und 20 Millionen Euro wert wäre.

„Die Struktur muss passen“

Potenzielle Bewohner des bisher geplanten Projektes am Fischerhüttenweg müssten mit Mietpreisen rechnen, die bei elf oder zwölf Euro pro Quadratmeter netto kalt beginnen und „nach oben offen sind“. Das sei mittleres Zehlendorfer Niveau. So formuliert es der Chef der SPD-Fraktion in der BVV, Norbert Buchta. „Die Planung hat uns allen gefallen im Stadtplanungsausschuss.“

Im Bezirk gab es lange Debatten darüber, wie dicht künftig Häuser auf dem ehemaligen Gärtnereigelände stehen sollen. Die CDU setzte sich für eine lockere Bebauung mit Ein- und Zweifamilienhäusern ein. „Es gibt einen Bebauungsplan, der uns nicht gefällt“, sagte Hippe. „Wir wollen hier keinen Geschosswohnungsbau.“

Die SPD, die im Bezirksparlament gegen eine Zählgemeinschaft von CDU und Grünen agiert, machte sich dafür stark, dass die Gärtnerei für junge Familien bezahlbar sein sollte. „Wir sind auch für Wohnungsbau, aber er muss in die Struktur der Umgebung passen“, sagte Buchta, der sich über das Vorgehen des Senators „erstaunt“ zeigte.

„Warum sollen Leute nicht für 8,50 Euro in Zehlendorf wohnen“

Auf der Westseite des Areals strecken sich zweistöckige Gebäuderiegel der in den 1930er-Jahren entstandenen Zinnowwaldsiedlung. Nach Süden schließen sich Villen an. Und im Osten breitet sich der Friedhof an der Onkel-Tom-Straße aus. Die Frage wird sein, ob Wohnhäuser mit vier oder fünf Stockwerken in diesem städtebaulichen Zusammenhang überhaupt genehmigungsfähig wären.

In der SPD auf Landesebene gibt es Stimmen, die den politisch formulierten Anspruch an einem konkreten Projekt demonstrieren wollen. „Warum sollen Leute nicht für 8,50 Euro in Zehlendorf wohnen“, fragt ein führender Sozialdemokrat. Von den Bezirken erwarten die Landespolitiker, dass sie die in der Koalition aus SPD und CDU beschlossenen politischen Linien umsetzen.

Steglitz-Zehlendorfs Baustadtrat Norbert Schmidt (CDU) reagiert konzilianter als sein Parteifreund Hippe. Die Planung dort sei nicht so gestaltet, um eine „bestimmte Klientel aus Zehlendorf herauszuhalten“, sagte der Stadtrat. Die Stadtentwicklungsverwaltung unter Senator Michael Müller (SPD) dürfe gerne die Planung noch einmal überprüfen, Auch er sei für Wohnungsbau. „Aber wir sollten in der Stadt nicht auf Krawall versuchen, die letzte Ecke mit hohen Gebäuden vollzuklatschen“.

Sollte das Areal enger bebaut werden, erwartet der Stadtrat Widerstand aus der Umgebung. Schon gegen die jetzigen Pläne hatte sich eine Bürgerinitiative gebildet.