Berliner Trinkwasser kommt aus dem Boden. Es wird als Grundwasser aus Brunnen gefördert, aufbereitet und in die Leitungen gepumpt. Normalerweise füllt der Regen diesen Vorrat immer wieder auf.
Das Wasserwerk Spandau allerdings liegt mitten im Spandauer Forst. Weit weg von Flüssen und Seen, deren Wasser anderswo durch den Boden ins Grundwasser nachsickert. Zusätzlich regnet es in Berlin seit Jahren zu wenig. Damit trotzdem genug Wasser da ist, nutzt das Wasserwerk ein bestimmtes Verfahren, um sein Grundwasser aufzufüllen: die sogenannte Grundwasseranreicherung. Und gewinnt damit etwa die Hälfte seines Trinkwassers. Ein außergewöhnlich hoher Wert.
„Wir ahmen nur nach, was die Natur macht“, sagte Christian Thyroke vom Wasserwerk Spandau bei einem Rundgang am Donnerstag, den die Berliner Wasserbetriebe (BWB) „Resilienzspaziergang“ nannten.
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Wasserwerk Spandau: „Wir ahmen nur nach, was die Natur macht“
Bei der Grundwasseranreicherung pumpt das Werk Wasser aus der Havel, das sonst ungenutzt abfließen würde, zunächst in eine Reinigungsanlage. Von dort läuft es in große Becken und in das Grabensystem der Kuhlake – eines Wasserlaufs im Forst – und versickert langsam im Boden. Auf dem Weg nach unten reinigt es sich wie bei natürlichem Regen ein zweites Mal, bevor es den Grundwasservorrat auffüllt.

Die Anreicherung gleiche damit durch den Klimawandel verursachte, längere Hitze- und Trockenphasen aus, erklärte während des Rundgangs Elke Wittstock, die neue Leiterin der Wasserversorgung bei den BWB. Denn in diesen Phasen wird weniger Grundwasser neu gebildet, während der Wasserverbrauch zugleich höher ist. Mit dem Verfahren lasse sich der Vorrat im feuchten Winter auffüllen und im trockenen Sommer nutzen, so Wittstock. Weil Berlin auf fast vier Millionen Einwohner zusteuere, sollen zudem bis voraussichtlich 2029 weitere Standorte in der Jungfernheide und in Johannisthal erschlossen werden.
„Das Wasser, das Sie aus der Leitung entnehmen, ist das bestkontrollierte Lebensmittel“
Für den einzelnen Verbraucher bringt die Spandauer Anlage nach Angaben der Wasserbetriebe kaum spürbare Vorteile. Das in Spandau gewonnene Wasser fließt ohnehin ins gesamte Berliner Netz, nicht nur an die Haushalte im Bezirk, und den Menschen schließlich aus dem Hahn.

„Das Wasser, das Sie aus der Leitung entnehmen, ist das bestkontrollierte Lebensmittel“, sagte Wittstock. Man könne es bedenkenlos trinken, gerade an heißen Tagen. Und ganz ohne Flaschen zu schleppen.
Vorsorge für den Stromausfall
Zur Resilienz gehört auch die Vorsorge wie bei etwaigen Stromausfällen. In bester Erinnerung ist der tagelange Stromausfall Anfang Januar im Berliner Südwesten. Nach einem Brand an einer Kabelbrücke bei Lichterfelde waren davon 45.000 Haushalte in Steglitz-Zehlendorf betroffen. Das Wasserwerk Beelitzhof am Wannsee, das täglich bis zu 160.000 Kubikmeter in die umliegenden Viertel pumpt, lief damals auf Notstrom und rund um die Uhr weiter.
„Wir haben in allen Wasserwerken Notstromaggregate, die wir wöchentlich testen und die auch bei Stromausfall für mindestens 36 Stunden die Versorgung sichern“, sagt Pressesprecherin Astrid Hackenesch-Rump. Aus dem Hahn floss das Wasser damals fast überall weiter. Nur in höheren Stockwerken gab es damals teils Probleme, weil der Druck der Werke lediglich bis rund 22 Meter Höhe reicht und darüber hauseigene Pumpen nötig sind, die ohne Strom ausfallen können.



