Der Schock war groß beim letzten Hegefischen am Groß Glienicker See: Zwölf Angler verbrachten sechs Stunden am Wasser und fingen nur einen winzigen Fisch – eine Rotfeder mit gerade mal zehn Gramm Gewicht. „So wenig war es noch nie. Früher haben wir bis zu 30 Kilogramm gefangen“, berichtet Helene Abtahi vom Angelverein „Alte Fischwaidler“. Der dramatische Rückgang zeigt: Mit dem beliebten Badesee stimmt etwas ganz und gar nicht.

Der Spandauer Bundestagsabgeordnete Helmut Kleebank (SPD) setzt sich weiterhin engagiert für die Rettung des Groß Glienicker Sees ein.
Der ehemalige Spandauer Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) engagiert sich heute als Bundestagsabgeordneter für den Umweltschutz und die Rettung des Groß Glienicker Sees.© Mareile Schuster | Mareile Schuster

Tatsächlich kämpft der See ums Überleben. Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird er immer kleiner, weil der Wasserspiegel kontinuierlich sinkt. Was als schleichender Prozess begann, hat sich in den letzten Jahren dramatisch beschleunigt. Der See zwischen Berlin und Brandenburg hat keinerlei natürliche Zuflüsse und hängt vollständig vom Grundwasser ab – doch genau das wird immer knapper.

Warum der Groß Glienicker See immer kleiner wird

Das Problem liegt tief unter der Erde. Der Groß Glienicker See wird ausschließlich von Grundwasserleitern gespeist, die sich über die Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg erstrecken. Doch durch den Klimawandel bildet sich kaum noch neues Grundwasser: Es regnet weniger, dafür verdunstet mehr Wasser bei steigenden Temperaturen.

„Die Hauptverantwortung für den sinkenden Wasserstand liegt in den Klima-Einflüssen – also in der ausbleibenden Grundwasserneubildung“, erklärt ein Mitglied der örtlichen Bürgerinitiative. Gleichzeitig wird weiterhin Grundwasser für die Trinkwasserversorgung gefördert, obwohl kaum Nachschub kommt. Eine groß angelegte Forschungsinitiative namens CLIWAC hat drei Jahre lang mit über 50 Wissenschaftlern von TU Berlin, Humboldt-Universität und anderen Einrichtungen die Wassersituation in der Region untersucht. Das Ergebnis bestätigt die Befürchtungen: Ohne Gegenmaßnahmen wird der See weiter schrumpfen.

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Die Auswirkungen sind bereits verheerend. Der lebenswichtige Schilfgürtel am Ufer liegt größtenteils trocken, weil er mindestens 1,5 bis 2 Meter Wassertiefe braucht, um zu funktionieren. Ohne Schilf verlieren Fische ihre Brut- und Laichplätze, kleine Insekten finden keinen Lebensraum mehr, und die natürliche Wasserreinigung bricht zusammen. Viele Vogelarten wie Schilfrohrsänger und Haubentaucher sind bereits verschwunden, ebenso Amphibien wie Teich- und Laubfrösche. Zweimal musste der See in diesem Jahr wegen Blaualgenbefall gesperrt werden.

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Bewährte Technik: Wasser aus der Havel

Die Forscher haben jedoch eine konkrete Lösung entwickelt: Gereinigtes Havelwasser soll über eine Rohrleitung in den See geleitet werden. Die Idee ist nicht neu – in Berlin wird sie seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert. Die Grunewaldseen werden seit 1913 mit aufbereitetem Havelwasser versorgt und seit den 1980er Jahren durch eine moderne Reinigungsanlage vor Algenwachstum geschützt.

Das System könnte auch den Groß Glienicker See retten. Der Plan sieht vor, das Wasser am Wasserwerk Kladow zu entnehmen und zu reinigen. Besonders wichtig ist dabei die Entfernung von überschüssigem Phosphor, der Hauptursache für Algenwachstum. Anschließend würde das saubere Wasser über eine Leitung durch einen Grünstreifen am Golfplatz vorbei zum nördlichsten Bereich des Sees transportiert.

Dieser nördliche Punkt ist strategisch gewählt: Er liegt am höchsten und ermöglicht, dass das Wasser natürlich in den gesamten See und die angeschlossenen Grundwasserleiter fließt. Sogar der benachbarte Sacrower See, der etwa drei Meter tiefer liegt, würde über die gemeinsamen Grundwasserverbindungen profitieren.

Mit dieser Methode könnte der Wasserspiegel um mindestens einen Meter angehoben werden – genug, um das ökologische System zu stabilisieren und den Schilfgürtel wieder zum Leben zu erwecken.

Politik bremst trotz fertiger Lösung

Verschiedene Bürgerinitiativen aus Berlin und Brandenburg haben sich zu einer schlagkräftigen Allianz zusammengeschlossen, um die Umsetzung voranzutreiben. „Wir arbeiten super gut zusammen“, betont Birgit Malik, Ortsvorsteherin von Groß Glienicke. „Da kann sich die Politik ein Beispiel nehmen.“

Der See bedeutet den Menschen hier viel mehr als nur Erholung: Einst verlief die deutsch-deutsche Grenze mitten hindurch, heute ist es die Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg. „Jetzt wird er erstmals zum verbindenden Element im länderübergreifenden Kampf um seinen Erhalt“, so die Aktivisten.

Doch die Politik bremst: Brandenburg hat eine neue Machbarkeitsstudie bewilligt, die erst 2027 Ergebnisse liefern soll, obwohl die Lösung bereits vorliegt. „Es macht wissenschaftlich Sinn, ökologisch Sinn und sozial Sinn“, fasst Malik zusammen. „Jetzt muss nur noch gehandelt werden.“

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