Ist der Wilde Westen in den Berliner Westen eingekehrt? Aus zwei Autos, die auf der Fahrbahn standen, sollen Personen in Spandau aufeinander geschossen haben. Das sollen Zeugen in der Nacht zu Donnerstag beobachtet haben, wie ein Polizeisprecher am Donnerstagmorgen mitgeteilt hat.
Zu dem mutmaßlichen Schusswechsel kam es nach ersten Erkenntnissen gegen 2 Uhr in Haselhorst in der Gartenfelder Straße zwischen Haselhorster Damm und Riensbergstraße, auf Höhe eines großen Supermarkts. Im Anschluss sei zunächst eines der beteiligten Autos, einem BMW in Richtung Paulsternstraße davongefahren, gefolgt von einem Mercedes.
Schüsse in Haselhorst: Einschusslöcher in Geschäften und bei einem Auto
Einsatzkräfte stellten im Anschluss an und in umliegenden Geschäften sowie bei einem geparkten Auto mehrere Einschusslöcher fest, wie die Polizei weiter mitteilte. Sie hätten zudem Patronenhülsen gefunden.
Derzeit gehen die Ermittler davon aus, dass also scharfe Waffen verwendet wurden. Verletzte seien zunächst nicht gemeldet worden. Nach Angaben der Polizei waren die Kriminaltechniker bis in die frühen Morgenstunden damit beschäftigt, Spuren am Tatort zu sichern. Aus diesem Grund war auch die Gartenfelder Straße bis etwa 4.30 Uhr gesperrt. Davon betroffen war auch der Busverkehr der BVG. Der Nachtbus der Linie N33 musste umgeleitet werden.
Haselhorst: Anwohner wegen Schusswechsel entsetzt
Auch die Scheiben eines Restaurants wurden bei dem Schusswechsel in Mitleidenschaft gezogen. Handwerker ersetzten die Fenster am Donnerstagvormittag mit Holzplatten. Glasscheiben in dieser Größe und Stärke seien so schnell nicht zu bekommen, sagt der Mitarbeiter des Restaurants. Man müsse ja gegen Mittag das Restaurant wieder öffnen. Er selber wurde von einem Bekannten in der Nacht angerufen. „Ich bin sofort zum Geschäft gefahren, wusste aber zu diesem Zeitpunkt nicht, was los ist“, sagt er. „Das Restaurant war gegen 22 Uhr schon geschlossen. Erst von der Polizei habe ich von der Schießerei erfahren.“ Nach Angaben eines Polizeisprechers sicherten die Experten der Polizei auch in dem Restaurant Spuren. „Die Kriminaltechniker haben Projektile in den Möbeln des Restaurants gefunden“, sagte der Sprecher. Weitere Kugeln wurden in einem Türrahmen eines Ladengeschäfts gesichert. „Auch in einem geparkten Auto einer Anwohnerin steckte eine Kugel. Die Einsatzkräfte haben die Besitzerin informiert und dann das Auto sichergestellt.“

Anwohner sagten der Berliner Morgenpost am Donnerstag, dass sich die Sicherheitslage in Haselhorst immer mehr verschlechtere. Yulia Kolb, die seit 13 Jahren mit ihrem Mann einen Zeitungsladen an der Gartenfelder Straße betreibt, meint, dass es immer mehr Einbrüche gebe. Die junge Frau erinnert an eine Messerstecherei vor einigen Monaten vor einem Späti an der Gartenfelder Straße.
Immer mehr Einbrüche in Haselhorst
Auch Uta Reich ist über den nächtlichen Schusswechsel entsetzt. Sie besuche das betroffene Restaurant regelmäßig. „Ich wohne gleich um die Ecke. Die Gegend hier wird immer schlimmer. Und jetzt auch noch eine Schießerei auf der Straße. Was hätte alles geschehen können, wenn das tagsüber passiert wäre? Kaum vorstellbar.“ Alleine im Caritashaus, wo sie wohne, sei schon in acht Wohnungen und in die Keller eingebrochen worden.

Yusuf, Mitarbeiter des benachbarten Dönerladens, fragt sich, warum so etwas in einer so ruhigen Gegend passiert. Er selber hatte Frühdienst bis 16 Uhr. Das Restaurant hatte ab Mitternacht geschlossen. Die Ermittlungen zur nächtlichen Tat, den Hintergründen und den möglichen Beteiligten hat die Kriminalpolizei der Direktion 2 (West) übernommen. Nach Angaben der Polizei werde in alle Richtungen ermittelt. Teil der Untersuchungen sei auch die Suche nach Überwachungskameras, um möglicherweise Bilder von den geflüchteten Tätern zu erhalten. Ermittelt wird derzeit wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstößen gegen das Waffengesetz.
mit dpa



