Die Berliner Polizei ermittelt wegen Missbrauchsverdachts an einer Kita im Bezirk Spandau. Wie eine Polizeisprecherin der Berliner Morgenpost auf Anfrage bestätigte, handelt es sich bei der betroffenen Einrichtung um den Fröbel-Kindergarten in der Daumstraße in Haselhorst. „Der Polizei Berlin liegen seit Ende Juli mehrere Strafanzeigen wegen des Verdachts des schweren Missbrauchs von Kindern vor, die vom zuständigen Fachkommissariat des Landeskriminalamtes bearbeitet werden“, so die Sprecherin.

Umfang, Dauer und Anzahl der Strafanzeigen sowie Informationen zum mutmaßlichen Täter seien allerdings Teil der laufenden Ermittlungen und könnten daher nicht veröffentlicht werden. Zuvor hatten bereits andere Medien über die Verdachtsfälle berichtet. Nach „Bild“-Informationen soll es sich bei dem Verdächtigen demnach um einen 29 Jahre alten Erzieher handeln, der seit Februar diesen Jahres an der Kita gearbeitet habe.

Einigen Eltern waren Berichten zufolge bereits im Februar Verletzungen und Rötungen sowie merkwürdiges Verhalten an ihren Kindern aufgefallen. Allerdings habe die Kita-Leitung ihre Befürchtungen nicht ernst genommen, abgeblockt und die Sache vertuschen wollen, berichteten Betroffene etwa gegenüber „RTL“ und „rbb“. Den Träger Fröbel hätte die Kita-Leitung wiederum erst im Juli über die Vorwürfe unterrichtet.

Fröbel-Kindergarten dementiert Vertuschungsvorwürfe

Der betroffene Fröbel-Kindergarten in Spandau dementiert das in einer auf seiner Internetseite veröffentlichten Stellungnahme. Seit den ersten Hinweisen aus der Elternschaft - die im Juli und nicht im Februar erfolgten - prüfe man, ob es tatsächlich zu einem schweren Fehlverhalten einer pädagogischen Fachkraft in der Einrichtung gekommen ist, heißt es dort: „Unverzüglich sind wir unserer Meldepflicht gegenüber der Kita-Aufsicht nachgekommen.“ Das bestätigt die Senatsbildungsverwaltung auf Anfrage.

Das Arbeitsverhältnis mit dem beschuldigten Erzieher sei inzwischen beendet worden, heißt es von der Kita weiter. Der betreffende Mitarbeiter sei noch in der Probezeit gewesen. „Zu den erhobenen Vorwürfen haben sich bislang keine konkreten Anhaltspunkte ergeben“, steht allerdings in der Stellungnahme. „Polizeiliche Ermittlungen wurden eingeleitet, die wir nach Kräften unterstützen.“ Es sei ein Krisenstab gebildet worden, der eng mit den zuständigen Aufsichts- und Ermittlungsbehörden sowie einer Beratungsstelle für Kinderschutzfälle zusammenarbeite.

Auch der Träger, das in Berlin ansässige Fröbel-Unternehmen, stellt sich hinter seine Spandauer Kolleginnen und Kollegen. „Hinweise zu sexuellem Fehlverhalten waren der Einrichtungsleitung und dem Träger bis zum 13. Juli zu keiner Zeit bekannt“, stellt Fröbel-Sprecher Michael Kuhl klar. „Eine anderslautende Berichterstattung ist falsch.“

Die genannten Vertuschungsvorwürfe weise man dezidiert zurück. „Richtig ist, dass sich zwischen Februar und Juni 2023 drei Eltern bei der Einrichtungsleitung über eine pädagogische Fachkraft beschwerten“, so Kuhl. Dabei sei es jedoch nicht um Hinweise zu sexuellem Fehlverhalten gegangen. Es hätten zu jedem der drei Elternbeschwerden Gespräche stattgefunden, die aus Sicht der betroffenen Eltern und der Einrichtungsleitung zufriedenstellend verliefen. „Unsere interne Dokumentation belegt dies lückenlos und liegt den Ermittlungsbehörden vor“, betont Kuhl.

Betroffener Mitarbeiter ist mittlerweile entlassen

Zudem seien sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe in Spandau arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet worden, dazu Elternarbeit, die Begleitung und Unterstützung der Beschäftigten sowie externe fachliche Begleitung. Vertuschungsvorwürfe gegenüber der Kita-Leitungen und Berichte, nach denen der Missbrauch in einem geschlossenen, so genannten „Raum zur Erkundung der intimen Bereiche“ geschehen sei, weise man entschieden zurück und prüfe rechtliche Schritte.

„Das Wohl der Kinder und die Aufarbeitung von Vorwürfen haben für Fröbel stets oberste Priorität“, heißt es von der Kindertagesstätte an der Daumstraße. Man verfüge für solche Fälle über ein spezielles Kinderschutzkonzept, das stets evaluiert und dem Personal in obligatorischen Seminaren beigebracht werde.

Fröbel ist Deutschlands größter überregionaler freigemeinnütziger Träger von Kindertageseinrichtungen. Der Träger betreibt aktuell über 210 Krippen, Kindergärten und Horte sowie weitere Einrichtungen in zwölf Bundesländern. Rund 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten gemeinsam in der Erziehung und Betreuung von über 20.000 Kindern.

Es ist derweil noch nicht lange her, als ein ähnlicher Fall in Spandau für Aufsehen sorgte. Im September 2021 war ein 32-Jähriger in der Awo-Kita „Feldhäuschen“ in Staaken beschuldigt worden, in seiner eineinhalbmonatigen Anstellung mindestens sechs Kinder sexuell missbraucht zu haben. Auch damals kritisierten betroffene Eltern, dass ihre Ängste, Sorgen und Verdachtsmomente von der Kita-Leitung nicht ernst genug genommen und sie zu spät über die Situation informiert worden wären.