Projekt Vielfalt

Vorwurf Pädophilie: Protest vor Kitas in Schöneberg

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Die Schwulenberatung Berlin baut am Südkreuz einen Wohnkomplex für LSBTI-Menschen. Im Zuge dessen sollen bis 2023 auch zwei „schwul-lesbische“ Kindertagesstätten für 93 Kinder entstehen.

Die Schwulenberatung Berlin baut am Südkreuz einen Wohnkomplex für LSBTI-Menschen. Im Zuge dessen sollen bis 2023 auch zwei „schwul-lesbische“ Kindertagesstätten für 93 Kinder entstehen.

Foto: Julia Lehmann / Berliner Morgenpost

Schwulenberatung will am Südkreuz die ersten „schwul-lesbischen“ Kitas eröffnen. Dagegen wird in rechten Foren mobilisiert.

Berlin.  Sie bezeichnen sich selbst als ein Bündnis „für den Schutz von Kindern vor aggressiven Minderheiten“. Für kommenden Sonnabend (29. Oktober) hat eine Initiative – „Eltern, Kinderschützer, Aktivisten, Studenten und alle, die Propaganda für Kindesmissbrauch für inakzeptabel halten“ – um 13 Uhr zu einer Kundgebung an der Ecke Ella-Barowsky-Straße und Gotenstraße in Schöneberg aufgerufen. Ihr Ziel: Die von ihnen so genannten „Pädo-Kitas“ noch zu verhindern.

Seit einigen Wochen sorgen die ersten „schwul-lesbischen“ Kitas der Welt in Berlin für einigen Wirbel. In rechten Foren und Chats wird bereits eifrig gegen sie Stimmung gemacht, auch im Blog des ehemaligen "Bild"-Chefredakteurs Julian Reichelt waren sie schon Thema. Die Kindertagesstätten für insgesamt 93 Kinder entstehen derzeit innerhalb des Wohnprojekts „Lebensort Vielfalt“ an der Schöneberger Linse und sollen im Januar 2023 eröffnet werden. Die Schwulenberatung Berlin baut unter diesem Label 69 Wohnungen am Südkreuz, in denen vor allem homosexuelle Menschen und Mitglieder der LSBTI*-Community ein sicheres Zuhause finden sollen.

Ehemaliger Vorstand der Schwulenberatung Berlin gilt als Pädophilen-Versteher

Auf der Seite der Schwulenberatung heißt es zum Kita-Konzept: „Wir möchten, dass die Kinder andere Lebensweisen und -welten kennenlernen. Erzieherinnen und Erzieher, die selbst LSBTI* sind, werden hier als selbstverständlicher Teil der Kitas und somit der Gesellschaft wahrgenommen. So hoffen wir, Vorurteile abbauen zu können und auch den einzelnen Kindern, die sich später eventuell als LSBTI* outen, den Weg in die Selbstverständlichkeit ihres Andersseins zu erleichtern“.

Doch hat das Projekt zuletzt vor allem negative Schlagzeilen produziert, seit die „Bild“-Zeitung Anfang des Monats aufgedeckt hatte, dass der Jurist und Soziologe Rüdiger Lautmann im Vorstand der Schwulenberatung saß. Lautmann, ein wissenschaftlicher Pionier in der Untersuchung der Diskriminierung Homosexueller, wird schon seit Jahren eine Förderung der Pädophilie vorgeworfen. Mittlerweile ist der Wissenschaftler als Vorstand zurückgetreten, „um weiteren Schaden von der Schwulenberatung Berlin und der geplanten Kita abzuwenden“, wie die Organisation in einer Pressemitteilung verkündete.

Schwulenberatung Berlin: Eröffnung der „schwul-lesbischen Kitas“ nicht in Gefahr

Lautmann war von 1971 bis zu seiner Pensionierung 2010 Professor für Allgemeine Soziologie und Rechtssoziologie an der Universität Bremen. Kritiker warfen ihm stets eine Verharmlosung der Pädophilie vor. Oft wurde er auch als Befürworter einer Legalisierung sexueller Handlungen mit Kindern bezeichnet. In Lautmanns wissenschaftlichen Arbeiten wurde Pädophilie dabei stets als eigenständige Sexualform beschrieben, die von Missbrauch und sexueller Gewalt zu unterscheiden sei. 1994 veröffentlichte er „Die Lust am Kind. Portrait des Pädophilen“, das laut Kritikern sexuelle Gewalt an Kindern klein rede. Die „taz“ berichtete 2013 zudem, dass Lautmann Mitglied der pädophilen Lobbygruppe „Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität“ gewesen sei.

Lautmann bestreitet diese Anschuldigungen bis heute vehement. „Sexuelle Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen werden nicht und wurden nie von mir bejaht“, sagte er in einem „rbb“-Interview. Außerdem habe er sich auch niemals für eine Straffreiheit bei sexuellen Handlungen mit Kindern ausgesprochen. Allerdings hat sich Lautmann bereits vor Jahren wegen der teils unkritischen Sprache von „Die Lust am Kind. Portrait des Pädophilen“ distanziert und erklärt, er habe bewusst auf eine Neuauflage verzichtet.

Die Schwulenberatung betont laut einem Bericht des „Tagesspiegel“ nun, dass Lautmann als Mitglied des Gesellschaftervereins – nicht der Schwulenberatung selbst – keinerlei Einfluss auf die inhaltliche Arbeit der Kitas gehabt habe. Die Eröffnung der Kindertagesstätten sieht die Organisation deswegen auch nicht in Gefahr. „Die Betreiber haben sich nicht von ihm oder seiner offenen Sympathie für Pädophilie distanziert – sondern ihn noch öffentlich gelobt“, schreibt dagegen die Protest-Initiative auf ihrer Seite und hält daher an ihrer Kundgebung am Sonnabend fest.

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