Gigantisch, überdimensioniert, megalomanisch. Es gibt nicht viele Worte, die die Pläne der Nationalsozialisten adäquat beschreiben können, Berlin zur „Welthauptstadt Germania“ umzubauen. Pläne, deren Ausmaß sich gerade im so genannten „Auftrag Speer“ widerspiegeln. Unter diesem Begriff verbergen sich mehr als 1700 großformatige Glasnegative, die als Großbestellung des NS-Architekten Albert Speer (1905-1981) – seines Zeichens seit 1937 Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt – an die Staatliche Bildstelle Berlin entstanden. Sie dienten zur Dokumentation und Vorbereitung seiner Vorstellungen und der Ideen der von ihm verpflichteten Architekten und Planer.

Bisher befanden sich die Negative im Messbildarchiv des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und des Archäologischen Landesmuseums. Nun wurden sie in einer Veröffentlichung als „60. Arbeitsheft“ der Institution erstmals digitalisiert und der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Nachdem die Objekte des „Auftrags Speer“ jahrzehntelang sowohl in der NS-Diktatur als auch in der DDR für die Einsichtnahme gesperrt waren, sind die Aufnahmen damit zum ersten Mal überhaupt katalogisiert und im Einzelnen erforscht worden.

„Auftrag Speer“ dokumentiert Planungen zur „Welthauptstadt Germania“

Die knapp 400-seitige Publikation dokumentiert in 370 Abbildungen Gebäude, Modelle, zugehörige Pläne und Zeichnungen des Mega-Projekts in Berlin, aber auch weiterer im damaligen Deutschen Reich, etwa in Nürnberg oder im heute polnischen Marienburg. Die hochauflösenden Scans der Glasplatten zeigen unerwartete Details, verdeutlichen Kontinuitäten in der Bildsprache des NS-Architektur aus der Schinkel-Zeit bis hin zum autofreundlichen Umbau der Stadt in West-Berlin, aber auch Brüche, in denen einzelne Architekten innerhalb des „Staats-Neo-Klassizismus“ eigene Akzente zu setzen vermochten.

Besonders beeindruckend erscheinen dabei die ausführlichen Beschreibungen der Prunkbauten, die auf der so genannten Nord-Süd-Achse vom Nord- bis zum Südbahnhof im Zentrum Berlins entstehen sollten. Einzelne Essays beschäftigen sich zusätzlich mit technischen, architektonischen, historischen und anekdotischen Fragestellungen des Projekts – etwa, inwieweit Adolf Hitlers eigene Skizzen verwendet wurden – was die Publikation für ein breiteres Publikum interessant macht.

Am Dienstag, 11. Oktober, wird das Buch im Beisein der Herausgeber und Autoren um 15 Uhr im Gotischen Saal auf der Zitadelle Spandau vorgestellt. Im Anschluss folgt eine Diskussion und eine Führung durch die Dauerausstellung „Enthüllt – Berlin und seine Denkmäler“.

„Der ,Auftrag Speer’ der Staatlichen Bildstelle Berlin“, Arbeitshefte des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums, Lukas Verlag, 40 Euro