Es klingt trocken, hat für das „Dorf in der Großstadt“ Gatow aber weitreichende Folgen: Mit der Veröffentlichung der „Änderung des Beschlusses über die Aufstellung eines Bebauungsplans“ im aktuellen Amtsblatt ist das Projekt der sozialen Mitte Gatow einen gewaltigen Schritt vorwärts gekommen. Als nächstes soll nun spätestens im Januar ein Architektenwettbewerb stattfinden, um das Herzstück des Vorhabens zu gestalten: Das neue Stadtteilzentrum, das Platz für eine Kita, Seniorenwohnungen und ein verbindendes Begegnungscafé bieten soll.

Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das erstmals 2017 von Gemeindepfarrer Mathias Kaiser und der Vorsitzenden des Gemeindekirchenrats Heidi Wandrei formuliert wurde und seit dem beharrlich von den Beiden vorangetrieben wird - unterstützt von den Anwohnern, der Kirchengemeinde, der Bezirkspolitik und einem Förderverein mit über 100 Mitgliedern. „Wir haben die historische Chance, die unscheinbare Mitte Gatows für die Zukunft zu prägen“, sagt Kaiser, „es ist eine gewaltige Verantwortung, auch und gerade aufgrund des breiten Rückhalts des Dorfes für unsere Ideen.“

Neues Stadtteilzentrum könnte schon im Frühjahr 2023 fertig sein

Das alte Gemeindehaus in Gatow soll voraussichtlich im Herbst 2022 abgerissen werden.
Das alte Gemeindehaus in Gatow soll voraussichtlich im Herbst 2022 abgerissen werden. © BM | Dennis Meischen

Hierfür soll voraussichtlich im Herbst 2022 das 60 Jahre alte Gemeindehaus in der Plevierstraße abgerissen werden. „Ein echter Klimafresser“, wie es Wandrei nennt. Wenn alles gut ginge, könnte das neue Gebäude dann schon im Frühjahr 2023 auf dem Areal stehen. Ebenso für den Komplex genutzt werden soll auch das benachbarte Grundstück, das die Gemeinde 2018 mit Hilfe der Kredite dreier Gatower erwarb. Somit stehen für das neue Stadtteilzentrum, gegenüber der Dorfkirche aus dem 14. Jahrhundert und des Gemeindefriedhofs, knapp 2300 Quadratmeter zur Verfügung.

Da die kirchlich getragene Kita „Apfelbande“ an der Hauptstraße, die momentan nur über 15 Plätze verfügt, in den Neubau ziehen wird, kann anschließend auch dieses Gebäude für die soziale Mitte neuvermietet und in das Konzept mit einbezogen werden. „Für uns kommen hier nur soziale und karitative Bewerber in Frage, etwa im Bereich der Pflege“, sagt Kaiser.

Gatower Huth-Grundstück bietet Platz für Veranstaltungen mit Havelblick

Das alte Bauernhaus auf dem Huth-Grundstück wird gerade für die zukünftige Gemeindearbeit saniert.
Das alte Bauernhaus auf dem Huth-Grundstück wird gerade für die zukünftige Gemeindearbeit saniert. © BM | Dennis Meischen

Die Gemeindearbeit selbst soll voraussichtlich auf die gegenüber liegende Straßenseite in das so genannte Huth-Grundstück verlegt werden. Das Gelände samt altem Bauernhaus, Scheune, großzügigen Rasenflächen und Zugang zur Havel war der Gemeinde 2019 von einem Gemeindemitglied ohne direkte Angehörige vermacht worden. Stolz führen Kaiser und Wandrei über die Baustelle, das Bauernhaus wird zurzeit von Auszubildenden der Spandauer Knobelsdorff-Schule für Bautechnik saniert und instandgesetzt.

„Hier können sich bald unsere Gruppen treffen“, erklärt Wandrei , „das Gebäude könnte aber auch ganz offen von örtlichen Vereinen und Initiativen genutzt werden.“ Ebenso wie das weitere Areal des Grundstücks, das sich gut für dörfliche Veranstaltungen und Feste eigenen würde. Und eben die direkte Havel-Uferstelle - im am Wasser dicht bebauten Gatow ein echter Schatz. „Wir wollen den Gatowern hier einen unkomplizierten Zugang zum Wasser ermöglichen“, sagt Wandrei.

„Soziale Mitte“ Gatow wird finanziert aus Fördertöpfen, Spenden und Eigenmitteln

Und das hat es in sich: Immerhin bietet die Uferstelle einen Rundum-Blick auf den gegenüberliegenden Grunewald und den Grunewaldturm, die Villa Lemm und sogar bis hin zur Altstadt Spandau mit dem Rathaus und der Nikolaikirche.

Finanziert werden wird die neue soziale Mitte Gatows derweil aus verschiedenen Fördertöpfen, aber zu einem großen Teil auch aus Eigenmitteln, Krediten und Spenden. Die Seniorenwohnungen im entstehenden Gemeindezentrum sollen sich einmal selbst tragen. „Wir freuen uns, wenn es uns gelingt, Gatow durch unsere Anstrengung in den nächsten Jahren ein lebendiges Zentrum zu schaffen“, sagt Pfarrer Kaiser.

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