Berlin-Spandau

In Gatow soll eine neue soziale Mitte entstehen

Die Dorfkirchengemeinde hat große Pläne: Eine Kita, Seniorenwohnungen und ein Café sollen gebaut werden. Grundstücke gibt es bereits.

Heidi Wandrei, Vorsitzende des Gemeindekirchenrats Gatow, und Pfarrer Mathias Kaiser wollen in Gatow eine neue soziale Mitte schaffen.

Heidi Wandrei, Vorsitzende des Gemeindekirchenrats Gatow, und Pfarrer Mathias Kaiser wollen in Gatow eine neue soziale Mitte schaffen.

Foto: Jessica Hanack / BM

Berlin.  Wenn Heidi Wandrei und Mathias Kaiser über ihre Pläne für die neue soziale Mitte in Gatow sprechen, dann ist ihre Begeisterung deutlich zu spüren. Man merkt, wie viel Energie in das Projekt fließt und wie viel ihnen daran liegt, den Spandauer Ortsteil mitzugestalten. Die Ziele, die sie sich gesteckt haben, sind hoch: Auf Grundstücken der Kirche Gatow wollen sie eine Kita, Seniorenwohnungen und ein Begegnungscafé bauen. Eine Art Stadtteilzentrum soll geschaffen werden, so stellt sich Pfarrer Kaiser das Ganze vor. Denn das gebe es in Gatow bisher nicht.

Erstmals entstanden ist die Idee im Sommer 2017. „Unser Gemeindehaus ist ein Energiefresser“, erklärt Wandrei, Vorsitzende des Gemeindekirchenrats in Gatow. Damals habe man überlegt, wie teuer eine energetische Sanierung wäre – und festgestellt, dass viel Geld investiert werden müsste, das Gebäude aus den 70er Jahren aber dennoch nicht den heutigen Anforderungen entspräche. So war es zunächst der Plan, ein neues Gemeindehaus zu bauen.

Kita der Dorfkirchengemeinde ist zu klein

Doch dabei blieb es nicht lange. In Gesprächen mit Eltern wurde schnell klar, dass Kitaplätze fehlen. Die Kita der Kirche ist klein, hat nur 15 Plätze – und eine entsprechend lange Warteliste. Besonders auch für die Bewohner des nahen Asylbewerberheims sei es schwierig, Kitaplätze zu finden, berichtet Kaiser, Pfarrer in der Dorfgemeinde Gatow. Das sei eine weitere Motivation gewesen.

In Unterhaltungen mit älteren Gatowern zeichnete sich noch ein Mangel ab: „Es gibt hier keine Seniorenwohnungen“, erzählt Wandrei. Viele Ältere würden sich von ihrem Haus trennen, aber in Gatow bleiben wollen. Doch die Möglichkeiten dafür sind zurzeit begrenzt. Und so sei die Idee immer weiter gewachsen.

Mit der wachsenden Größe des Projekts war irgendwann auch klar, dass der Platz auf dem Grundstück, auf dem sich das derzeitige Gemeindehaus befindet, knapp wird. 55 Kitaplätze und acht barrierefreie Wohnungen – das war dort kaum unterzubringen. Doch die Kirche hatte das Glück auf ihrer Seite: Im Januar 2018, drei Tage, nachdem die erste Bausitzung stattfand, sei das angrenzende Grundstück zum Verkauf angeboten worden, erinnert sich Wandrei.

Zusätzliches Grundstück wird im August 2018 gekauft

Nach zahlreichen Gesprächen und Verhandlungen, um die Finanzierung sicherzustellen, schaffte sie es schließlich, dass die Gatower Kirchengemeinde das Grundstück kaufen konnte - auch, weil drei Gatower der Gemeinde Kredite gaben. „Im August 2018 haben wir den Kaufvertrag unterschrieben“, erzählt Wandrei. 2300 Quadratmeter standen nun für das Projekt zur Verfügung. Und damit war nicht Schluss.

Ende vergangenen Jahres verstarb ein Gemeindemitglied. Und weil dieser keine direkten Angehörigen hatte, überließ er sein Grundstück, das nur wenige Schritte vom Gemeindehaus entfernt liegt, der Kirchengemeinde. 1800 Quadratmeter ist es groß, mit direktem Zugang zur Havel. Wunsch des Verstorbenen sei es gewesen, dass es für die Gemeinschaft in Gatow verwendet wird.

Genaue Pläne gibt es noch nicht, das Haus auf dem Gelände steht unter Denkmalschutz und es müsste wohl eine hohe Summe investiert werden, um Sanierungsarbeiten daran durchzuführen. „Unser Ziel ist es aber, die Gemeindearbeit auf das Grundstück zu verlagern“, sagt Wandrei. Mit dem Sommerfest soll dieses Jahr ein erster Schritt gemacht werden.

Ideen kommen im Spandauer Ortsteil positiv an

Die anderen beiden Flächen stünden dann ausschließlich für Wohnungen, Kita und Begegnungscafé zur Verfügung. „Die Rahmenbedingungen für das Projekt sind super“, sagt Pfarrer Kaiser. Bezirk wie Kirche und auch das Dorf selbst würden das Projekt unterstützen. Ihm sei es wichtig, das gesellschaftliche Leben in Gatow mitzuprägen und die verschiedenen Generationen zusammenzubringen. Und dank des geerbten Grundstücks könnte man den Gatowern künftig auch einen unkomplizierten Wasserzugang ermöglichen.

Inzwischen hat die Kirchengemeinde auch einen Projektentwickler engagiert, der die Planungen mitbetreut. Auch einen Förderverein gibt es, der inzwischen deutlich mehr als 100 Mitglieder hat. Bei der Finanzierung wird zudem auf verschiedene Fördergelder gesetzt, etwa für die Kitaplätze, die entstehen.

In den nächsten Monaten soll es auch einen Ideenwettbewerb geben, um die Gestaltung der neuen Gebäude zu konkretisieren. Die Ergebnisse, so Wandreis Ziel, könnten nach den Sommerferien vorliegen und dann der beste Entwurf gewählt werden. Auf einen Start der Bauarbeiten - und Abriss des bisherigen Gemeindehauses - hofft sie im kommenden Jahr.

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