Bahntrasse

Siemensbahn soll so schnell wie möglich wieder fahren

Der Konzernbevollmächtigte Alexander Kaczmarek will die Siemensbahn, die 1980 stillgelegt wurde, zum Vorzeigeprojekt machen.

Die Siemensbahn-Trasse wurde zwar stillgelegt, aber formal nicht für den Eisenbahnverkehr entwidmet.

Die Siemensbahn-Trasse wurde zwar stillgelegt, aber formal nicht für den Eisenbahnverkehr entwidmet.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Auf der Siemensbahn könnten deutlich früher wieder S-Bahnen fahren als bisher angenommen. Bislang ist die Rede davon, die 1980 stillgelegte Bahntrasse bis 2030 zu reaktiveren. „Das sollte uns deutlich schneller gelingen“, kündigte jetzt der Bahnbevollmächtigte für Berlin, Alexander Kaczmarek, jetzt an. Er werde das Vorhaben zu seinem „Referenzprojekt“ machen, sagte Kaczmarek beim Neujahrsempfang des Verkehrspolitischen Informationsvereins in Berlin.

Er wolle zeigen, dass der Bau neuer Schienenwege auch unter den heutigen Rahmenbedingungen nicht immer Jahrzehnte in Anspruch nehmen müsse. Ein Seitenhieb auf den gleichfalls in Berlin geplanten Wiederaufbau der Dresdner Bahn, bei dem zwischen der ersten Idee und dem in der nächsten Woche geplanten ersten Spatenstich 23 Jahre vergehen mussten.

Bei der Siemensbahn setzt Kaczmarek auf Kreativität und Tempo

Bereits Anfang Februar erwartet er von seinen Fachleuten konkrete Aussagen darüber, wie die Strecke wieder in Betrieb gehen kann und welche Kosten sowie juristischen Probleme damit verbunden sind. Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, wird der Senat über das Projekt abschließend entscheiden.

Auch bei Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz laufen die Vorbereitungen für das Projekt. „Das Verfahren hat bereits eine hohe Priorität, die sich schon dadurch zeigt, dass wir in diesem frühen Stadium der Planungen begonnen haben, uns strukturell und personell auf das Projekt einzustellen“, sagte Sprecher Jan Thomsen der Berliner Morgenpost.

Die Wiederbelebung der S-Bahnstrecke zwischen Jungfernheide und Gartenfeld war im Oktober des vergangenen Jahres auf die verkehrspolitische Agenda des Senats geraten. Damals hatte der Siemens-Konzern seine Entscheidung bekannt gegeben, den geplanten Innovationscampus nicht irgendwo in Asien, sondern im Spandauer Ortsteil Siemensstadt entwickeln zu wollen.

600 Millionen Euro will der Konzern investieren

600 Millionen Euro will der Technologiekonzern bis 2030 auf seinem Werksgelände in den Umbau alter Fabrikhallen, die Ansiedlung von Start-ups und Wissenschaftseinrichtungen sowie den Bau von neuen Wohnquartieren investieren. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte dem Vorhaben umfassende Unterstützung zu. Dazu gehörte auch die Zusage, eine Wiederinbetriebnahme der Siemensbahn ernsthaft zu prüfen.

Die Vorzeichen dafür stehen nicht so schlecht. Die gerade einmal 4,5 Kilometer lange Trasse ist zwar vor fast 40 Jahren stillgelegt, aber formal nicht für den Eisenbahnverkehr entwidmet worden. Damit fallen zahlreiche Genehmigungsschritte weg, die bei einem Neubau erforderlich sind. Allerdings: Der Zustand der bahntechnischen Anlagen ist, wie jüngst bei einem Vor-Ort-Termin zu sehen war, extrem schlecht: Die Schienen ließ die Bahn schon vor Jahren abbauen, die S-Bahnhöfe Wernerwerk, Siemensstadt und Gartenfeld befinden sich nach Jahren des Verfalls und zahlreichen Vandalismusattacken in einem beklagenswerten Zustand. Zudem steht ein Großteil der Strecke unter Denkmalschutz, was den Wiederaufbau zusätzlich behindern dürfte. „Die Herausforderung wird sein, die Anforderungen des Denkmalschutzes mit den heutigen Vorschriften für einen sicheren Eisenbahnbetrieb in Einklang zu bringen“, so Kaczmarek.

Neue Direktverbindung zum Berliner Hauptbahnhof

Eine weitere Herausforderung ist der Anschluss der Strecke an den nördlichen Berliner S-Bahnring. Die alte Einfädelung im Bereich des Bahnhofs Jungfernheide ist nicht mehr vorhanden. Die Bahn hat aber bereits Varianten untersucht, wie ein neuer Anschluss erfolgen könnte.

Der verkehrliche Nutzen der Siemensbahn steht für Kaczmarek außer Zweifel. Mit ihr könnten nicht nur der Siemens-Campus, sondern auch die Insel Gartenfeld sowie die geplanten Wohn- und Gewerbestandorte auf dem heutigen Flughafen Tegel einen Anschluss an das Schnellbahnnetz bekommen. Denkbar, so der Berliner Bahnchef, sei eine Direktlinie, die von Siemensstadt über den Ring und die City-S-Bahn (Projekt S21) zum Hauptbahnhof und später weiter bis zum Potsdamer Platz führt.

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