Die Heimatkundliche Vereinigung Spandau (HKV) wehrt sich dagegen, dass die Kulturprojekte Berlin GmbH künftig die Führungen auf der Zitadelle organisieren soll. „Wir haben dagegen Widerspruch eingelegt“, sagte der HKV-Vorsitzende Karl-Heinz Bannasch. Weitere rechtliche Schritte würden geprüft.
Wie berichtet, fühlt sich die HKV durch das Ende ihrer Verträge mit dem Bezirk in ihrer Existenz bedroht. Die Vereinigung hatte bisher die Führungen durch die Renaissancefestung durchgeführt und dort auch ihren Vereinssitz. Nach einem Interessenbekundungsverfahren hat das Bezirksamt die Aufgabe aber an die landeseigene Kulturprojekte Berlin übertragen. Auch der Mietvertrag der HVS für Räume auf der Zitadelle soll nicht verlängert werden. Dort wird der Museumspädagogische Dienst der Kulturprojekte Berlin einziehen.
Bezirksamt Spandau gewährt zwei Monate Aufschub
Den Widerspruch der Vereinigung hält Spandaus Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU) für nicht zulässig. Ein Interessenbekundungsverfahren sei ein Instrument der Markterkundung, der Bezirk stelle damit lediglich fest, welche Anbieter vorhanden seien. „Damit müssen sich jetzt aber die Juristen auseinandersetzen“, sagte Hanke der Berliner Morgenpost. Zwischenzeitlich hat das Bezirksamt der HKV aber einen Aufschub gewährt. Die Frist, zu der die Heimatkundler die Räume auf dem Festungsgelände verlassen müssen, wurde um zwei Monate verlängert. Statt zunächst Ende August endet der Mietvertrag nun Ende Oktober. Führungen durch die Zitadelle darf der Verein im September noch anbieten. „Die Heimatkundliche Vereinigung hatte ja bereits Buchungen für September entgegengenommen“, sagte der Kulturstadtrat. „Selbstverständlich dürfen sie die noch durchführen.“
Derzeit würden Erklärer geschult, die danach im Auftrag der Kulturprojekte GmbH die Führungen über das Festungsgelände anbieten würden, sagte Hanke. Auch freie Stadterklärer könnten künftig auf der Zitadelle arbeiten. „Das wird die Zahl der Besucher steigern. Denn sie bringen ja dann ihre eigenen Gruppen mit“, prognostizierte Hanke. HKV-Vorsitzender Bannasch hat dafür kein Verständnis. Die Heimatkundliche Vereinigung habe zehn Prozent der Einnahmen aus den Führungen an den Bezirk abgeführt und darüber hinaus alle Überschüsse in Ausstellungen und die Anschaffung von Kulturgütern für Spandau investiert. „Daher schlage ich vor, zukünftig aus ihren Führungseinnahmen auf der Zitadelle Spandau eine Art Kulturabgabe für Spandau für geschichtsgebundene Projekte zu leisten“, schrieb Bannasch in einem offenen Brief an das Bündnis Berliner Stadtführer, das das Ende der „Vormachtstellung“ der Heimatkundlichen Vereinigung auf der Zitadelle ausdrücklich begrüßt hatte.
"Das wäre unser endgültiger Ruin"
Ungeklärt ist bisher die Frage von Ersatzräumen für den Spandauer Traditionsverein in der Altstadt. Die Hausmeisterwohnung in den früheren Räumen der Volkshochschule an der Kirchgasse 3 hält Bannasch für ungeeignet. Sie seien in einem „erbärmlichen Zustand“ und stünden auch nur für etwa neun Monate zur Verfügung, sagte Bannasch. „Wegen der Bauarbeiten auf der Zitadelle mussten wir schon dreimal innerhalb von drei Jahren umziehen“, erklärte Bannasch. Einen nochmaligen Umzug in ein Übergangsquartier könne sich der Verein nicht leisten. „Das wäre unser endgültiger Ruin“, sagte er.
Stadtrat Hanke räumte ein, dass das denkmalgeschützte Gebäude an der Kirchgasse für ein Atelierprojekt des Senats im Gespräch sei. Dies schließe jedoch einen Verbleib der Heimatkundlichen Vereinigung dort nicht aus. „Unten wären dann eben die Heimatkundler, oben die Künstlerateliers.“ Hanke betrachtet seine Suche nach einem Ersatzquartier für die Vereinigung als beendet. „Sie haben die Kirchgasse abgelehnt. Meines Wissen wollen sie sich selbst nach geeigneten Räumen umsehen“, sagte der Stadtrat.
Nicht auf sich beruhen lassen will die Spandauer SPD das Thema. „Wir sind entsetzt, wie man hier mit einem bewährten Träger umgeht“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV), Christian Haß. Die SPD erwarte im Kulturausschuss Aufklärung über die Vorgänge. Dort war das Thema am 12. September verschoben worden, nachdem die Heimatkundliche Vereinigung nicht erschienen war. Er habe die Einladung erst wenige Stunde vor dem Termin erhalten, sagte Bannasch. Am 10. Oktober steht das Thema nun wieder auf der Tagesordnung des Kulturausschusses.


