Bäderkunden in Berlin müssen sich 2015 möglicherweise auf Einschränkungen bei Wassersport und Planschvergnügen einstellen. So jedenfalls die Prophezeiung der Berliner Bäderbetriebe (BBB) angesichts des Personalmangels. Nach der Schwimmhalle Finckensteinallee und dem Kombibad Gropiusstadt, die beide im August 2014 nach mehrjähriger Sanierungspause wieder eröffneten, startet am 5. Januar auch das gerade sanierte und im Bezirk dringend gebrauchte Kombibad Spandau-Süd den Betrieb. Vier Jahre lang war dort kein Wasser in den Becken. Freie Mitarbeiter, um den Badebetrieb zu betreuen, gebe es im Personaltableau allerdings nicht, hatte Bäderchef Ole Bested Hensing bereits Monate vorher angekündigt.
Wenn der Präsident der Wasserfreunde Spandau 04, Hagen Stamm, einen Moment nicht aufpasst, dann klingt auch bei ihm Verdruss durch. Nein, wiegelt er ab, verärgert sei er nicht. „Aber es ist leider viel Wasser die Havel heruntergelaufen. Wir haben uns viel Mühe gemacht – für nichts.“ Sechs Monate lang hatte sich der Schwimmverein als Betreiber des Kombibades Spandau-Süd angedient. Ein Konzept wurde gefertigt, im Herbst waren sich Landesunternehmen und Verein einig. Seither liegt das Vorhaben zur Prüfung bei der Senatsverwaltung für Inneres und Sport – auf Eis, wie es scheint.
1400 Badegäste weniger
„Die rechtliche Bewertung findet derzeit statt. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung wird das endgültige Ergebnis voraussichtlich im Januar mitgeteilt werden können“, heißt es dort einigermaßen schmallippig auf Nachfrage der Morgenpost. Klar ist somit, dass die BBB selbst ab kommender Woche Schwimmmeister und Kassenpersonal in Spandau-Süd stellen müssen. Für die Bäderkunden dürfte das nicht nur Vorteile bringen. Das Personal für das Spandauer Bad müsse an anderer Stelle abgezogen werden, Neu-Einstellungen gebe es nicht, erklärte Bested Hensing.
741 Mitarbeiter haben die BBB derzeit, 590 volle Stellen entfallen auf den Dienst in den Bädern. 15 bis 18 Angestellte würden an der Gatower Straße gebraucht, sagt BBB-Sprecher Matthias Oloew. Kommen sollen sie aus dem Stadtbad Spandau-Nord, aus Charlottenburg-Wilmersdorf und aus anderen Bezirken. „Ersatz gibt es dort nicht“, so Oloew. In den Herbstferien 2014 hatten die Bäderkunden schon mal einen Vorgeschmack auf künftige Engpässe bekommen. Drei öffentliche Bäder – die Kleine Schwimmhalle Wuhlheide, die Schwimmhalle Hüttenweg sowie das alte Stadtbad Charlottenburg – mussten aufgrund von Personalmangel ihre Öffnungszeiten reduzieren. 1400 Badegäste seien dadurch am Schwimmbadbesuch gehindert worden, so eine BBB-Schätzung, das entspräche einem Einnahmeverlust in Höhe von 5000 Euro. Im neuen Stadtbad Charlottenburg war das Bad am 17. Dezember kurzfristig ganz geschlossen. Der Grund: ebenfalls Personalmangel. „Ich will nicht sagen, daran ist Spandau Süd schuld. Aber das ist natürlich Teil der Misere“, so Oloew. Die Inbetriebnahme des Bades habe eines sechswöchigen Vorlaufs bedurft. Leiharbeitspersonal zum Ausgleich sei nicht immer zu finden.
Vereins-Modell nicht neu
Die Senatsverwaltung rät den BBB zu „verbesserter Personalplanung“ und verweist auf das Bäderkonzept 2025 inklusive Personalentwicklungsplan, das bis Ende Februar dem Abgeordnetenhaus vorliegen soll. Dabei ist das von den BBB favorisierte Vereins-Modell nicht neu. Die Wasserfreunde kümmerten sich in der Vergangenheit bereits um den Betrieb von zwei öffentlichen Schwimmbädern in Spandau, des Sommerbades in Weststaaken und des Stadtbades Spandau-Nord an der Radelandstraße. Der Senat stehe hinter den Plänen, hatte Andreas Statzkowski, Staatssekretär im Hause von Sportsenator Frank Henkel (CDU), noch im Oktober erklärt. Sowohl die Bäderbetriebe als auch der Verein könnten daraus Vorteile ziehen. Die BBB verweisen auf einen Koalitionsbeschluss ebenso wie auf das Bäderanstaltsgesetz: „In beiden wird gewünscht, dass Vereine einzelne Bäder betreiben“, sagt BBB-Sprecher Oloew.
Bezirk begrüßt aktuelle Lösung
Was genau eine wochenlange Prüfung des Vereins-Modells für Spandau-Süd durch die Landesverwaltung nötig macht, will man dort nicht sagen. In der SPD allerdings ist man äußerst wach, wenn es um Übertragung öffentlicher Einrichtungen geht – vor allem, wenn Personalfragen tangiert sind. Das erste Konzept von Bäderchef Bested Hensing, der Privatisierungen keineswegs verteufelt und einzelne Hallenbäder ganz Vereinen und Schulen überlassen wollte, hatte die Sorgen noch befeuert.
In der Spandauer Bezirksverordnetenversammlung, in der eine Zählgemeinschaft unter SPD-Führung die Mehrheit hat, wurden die Pläne der BBB und der Wasserfreunde gegen die CDU-Stimmen offiziell abgelehnt. Spandaus SPD-Abgeordnete Burgunde Grosse forderte, das Bad solle von den Bäderbetrieben mit nach Tarif bezahlten Mitarbeitern geführt werden. „Ich freue mich sehr, dass die BBB von ihren Plänen, das mit Steuergeldern sanierte Bad zu privatisieren, Abstand genommen haben und wieder eigenes Personal einsetzen“, sagte Grosse jetzt.




