Tegel war Berlins Tor zur Welt. Flugzeuge hoben vom Flughafen „Otto Lilienthal“ ab, Reisende wohnten in den Hotels im Norden, strömten durch den Kiez, fuhren mit den Schiffen der Stern- und Kreisschifffahrt über den Tegeler See. Die Gorkistraße summte vor Leben. Dann schloss der Flughafen TXL am 8. November 2020. Mit ihm verschwand ein Stück Tegel. Und seitdem wird Tegel immer weiter seiner Verbindungen beraubt.

Ab 2018 baute die HGHI Holding über ihre Projektgesellschaft Tegel Quartier GmbH die Gorkistraße um – bis 2022, für 250 Meter Fußgängerzone. Fertig sah sie aus wie eine Betonwüste. Trotzdem kommen die Anwohner zum Bummeln und Einkaufen. Aus anderen Stadtteilen kommen deutlich weniger. Auch am Ufer des Tegeler Sees, wenige Gehminuten entfernt, ist es leerer. Denn kaum war die Gorkistraße eröffnet, hielt die U-Bahn nicht mehr in Alt-Tegel: Die Strecke ab dem Kurt-Schumacher-Damm musste saniert werden.

Bauverzögerung sorgt für Frust bei Anwohnern und Umsatzeinbußen

Erst sollten die Arbeiten im Frühjahr 2025 enden. Dann wurde daraus 2026. Jetzt heißt es August 2027. Das sind knapp fünf Jahre – fast doppelt so lang wie versprochen. Der Neubau des Abschnitts dauerte einst nur zwei Jahre: von Frühjahr 1956 bis Mai 1958.

Die Anwohner reagieren resigniert, die Händler genervt. Jede neue Hiobsbotschaft trifft sie wie ein Griff in die Kasse. Die Laufkundschaft bleibt weg. Wer erst in den Ersatzbus steigen muss, kommt seltener – oder nie wieder. Die Umsätze sinken still und leise. Die Stammkunden werden weniger. Obwohl der Bus sogar zuverlässig fährt.

Mancher Inhaber hofft nicht mehr auf Gewinn, sondern nur noch darauf, den nächsten Monat zu überstehen. Die Tegeler Händler bezahlen den Preis für das Planungsversagen der BVG.