Frank Zander weiß, wie man Fans begeistert und Berührungsängste mit einträglichen Geschäftsideen hat er als freiberuflicher Kreativer noch nie gehabt. Der Berliner Sänger hat nicht nur die Hertha-Hymne geschaffen, als gelernter Grafiker malt er auch Fische und verkauft seinen Fischkalender, eine Zeit lang hat er personalisierte Geburtstags-CDs aufgenommen.
Seine Mutter hatte einen kleinen Milchladen am Richardplatz. Von Neuköllner Hinterhof hat es der gebürtige Berliner mit der rauchigen Stimme ganz nach vorn in die Hitparaden geschafft, seit mehr als einem halben Jahrhundert wohnt er in Charlottenburg. Und trotzdem ist Zander immer einer geblieben, der lieber die bauchige 0,33l-Biergranate in der Hand hält als die Schampusflöte.
Genau wie Montag am Imbiss „Zum Würfel I“, wo er den Finger in die Flasche steckt und mit einem lauten „Plopp“ vergnügt wieder rauszieht. Vor dem Imbiss am Nordgraben stand lange auch ein fast lebensgroßer Aufsteller des Sängers. Denn mit dem Reinickendorfer Gastronom Olaf Schenk hat Zander auch schon Currywurstsoße für dessen Würfel-Imbisse entwickelt, nun folgt Zanders Backfisch. Und natürlich steckt nicht der übliche Seelachs im Bierteig, sondern echter Zander. Nachname verpflichtet.
„Der Zander ist ja ein Raubfisch, also ein ganze böses Tier. Aber er schmeckt sehr gut. Ich mag Fische, aber es war mir sehr wichtig, dass es Zander ist“, sagt der Sänger grinsend. Am Montag hat er die ersten Portionen selbst verteilt im Imbiss am Nordgraben. Fans, einige in Hertha-Montur, griffen zu, ließen sich von Zander auch Autogramme geben. Später ist er noch weiter zur Würfel-Filiale am ehemaligen Allierten-Kino L‘Aiglon gefahren.
Frank Zander: Berliner Kultsänger mag keinen nackten Zander
Den Sänger und den Gastronom verbindet eine lange Geschäftsfreundschaft. Zander gehört zu den Dauergästen von Schenks Reinickendorfer SchlagerOlymp, wo die beiden sich auch kennengelernt haben. Anfang August 2023 kündigte Zander das Ende seiner Gesangskarriere an und trat dann auch beim SchlagerOlymp im August zum letzten Mal als Sänger auf.
Nun konzentriert er sich auf andere Geschäftsfelder. „Vor einem Jahr hatten wir die Idee mit dem Fisch, dann haben wir angefangen mit den Gewürzen herumzuprobieren“, verrät Olaf Schenk. „Es war viel Arbeit, Frank hat da eine ganz klare Vorstellung vom Geschmack gehabt.“ Allerdings steckt in den Brötchen kein heimischer Havelzander. „So viel Zander wie wir brauchen, gibt es hier gar nicht“, sagt Schenk. Der Fisch wird in Polen gefangen und in Mecklenburg-Vorpommern verarbeitet, bevor er in Berlin serviert wird.
Am Stand gibt es den Zander zwar mit Pommes (7,90 Euro) oder Kartoffelsalat (8,30 Euro) auf dem Teller oder im Brötchen. Zander selbst zieht die Burger-Variante vor. „Ein nackter Zander auf dem Teller – kann man das genießen? Ich habe mich immer gesträubt“, sagt er und es ist nicht klar, wie zweideutig er das meint. Auch das Brötchen sei angenehm zu beißen, nicht zu hart, nicht zu weich. Das sei ihm wichtig gewesen. „In meinem Alter muss man ja beim Beißen ein bisschen aufpassen mit den Zähnen“, sagt er und lacht.
Zur Einführung kostet der Fisch-Burger 3,99 Euro. Aber auch mit dem späteren Preis 5,90 Euro bleibt er unter dem heute üblichen Berliner Dönerpreis. „Frank hat ja mit seinem Weihnachtsessen für Obdachlose und seiner Stiftung auch ein Herz bewiesen für die, die nicht so viel Geld haben“, sagt Schenk. Den Fisch sollen sich möglichst viele leisten können. Fürs Geld arbeitet Zander schon lange nicht mehr. Zumindest nicht fürs eigene. Eher für die Stiftung. „Klar, während meiner Karriere habe ich auch eine Menge Geld verdient und auch ausgegeben, aber nie habe ich vergessen, dass ich Glück im Leben gehabt habe. Ich habe eine tolle Familie, die an meiner Seite steht, und da ist es selbstverständlich, dass man auch was abgeben muss.“ Als Mensch, der in der Öffentlichkeit steht, spüre er eine Verantwortung. „Und so ein bisschen Robin Hood spielen macht mir auch Spaß.“
„Zwei Schlaganfälle reichen“: Olaf Schenk spricht über Rückzug vom Schlager- und Neunzigerolymp
Doch nicht nur der Sänger hat sich aus dem Geschäft ein bisschen zurückgezogen, auch sein Geschäftsfreund, der Gastronom Olaf Schenk tritt ein paar Schritte kürzer. Einen seiner vier Reinickendorfer Würfel-Imbisse, den schräg gegenüber von der JVA Tegel, hat er im vergangenen Jahr schon verkauft, weil er kein zuverlässiges Personal gefunden hat.
Mehr Nachrichten aus Reinickendorf lesen Sie hier.
Das Strandbad Lübars betreibt er nun auch nicht mehr, ein Mitarbeiter hat übernommen. „Es war zu viel, zwei Schlaganfälle reichen, den dritten braucht niemand“, sagt er dieser Redaktion. Und auch bei seinen beiden Festivals Schlager- und Neunzigerolymp ist er nicht mehr Veranstalter, sondern eine Agentur aus Leipzig hat die Namensrechte gekauft, veranstaltet sie auch in diesem Jahr wieder. „Aber ich bleibe lebenslang Berater, ganz loslassen konnte ich das nicht, das ist ja mein Baby“, so Schenk.
Beide Festivals finden dieses Mal Ende am 30. und 31. Mai statt. Und wieder auf dem Zentralen Festplatz und nicht mehr im Strandbad Lübars. „Das hat damit zu tun, dass es da wegen der strengen Umweltschutzauflagen schlicht unmöglich ist. Da fliegt eine Fledermaus und Du darfst nichts mehr veranstalten. Auch wenn es zuvor über Jahrzehnte möglich war“, verrät Schenk.



