Die Tat schockierte: Am Mittwochmorgen soll eine Gruppe aus fünf Personen einen 38-jährigen Obdachlosen in Reinickendorf nahe der Residenzstraße totgeprügelt haben. Nun hat die Staatsanwaltschaft gegen zwei der festgenommenen Männer Haftbefehle beantragt. Sie gelten einem 24 und einem 50 Jahre alten Handwerker. Beide stehen unter dringendem Tatverdacht, den gewaltsamen Tod des 38-jährigen durch Schläge, Tritte und/oder „Werkzeuge“ herbeigeführt zu haben.

Drei weitere zuvor festgenommene Handwerker im Alter von 37, 39 und 57 Jahren wurden freigelassen, es bestehe gegen sie kein dringender Tatverdacht. „Es ist derzeit nicht klar, ob und in welcher Verbindung sie zu dem Vorfall stehen“, sagte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft dieser Redaktion. Die Befragung der mutmaßlichen Täter dauere an. Laut Medienberichten soll es sich allesamt um Dachdecker handeln.

Toter in Reinckendorf: Streit in Bäckerei soll der Auslöser gewesen sein

Auslöser des tödlichen Zwischenfalls soll ein Streit in einer Bäckerei gewesen sein. Angaben des Ladenbesitzers zufolge kam es in diesem Zusammenhang zu einer Prügelei zwischen dem Obdachlosen und drei seiner Kunden. Der Obdachlose habe einen der Handwerker zuvor beleidigt. Er sei des Ladens verwiesen worden. Im Anschluss sei der 38-Jährige, unterlegen in der Auseinandersetzung, getürmt – aber nur, um wenig später mit einer Stichwaffe zurückzukehren. Einige Zeugen sprachen von einer Machete. Mit dieser soll er einen der Handwerker vor dem Laden angegriffen haben.

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Diese erneute Attacke ging für den 38-Jährigen allerdings nicht gut aus. Laut anfänglichen Polizeiangaben sollen ihn nunmehr fünf Personen im Alter von 24, 37, 39, 50 und 57 Jahren verfolgt und an der Walliser Straße schließlich derart brutal auf ihn eingetreten und mit Baseballschlägern geprügelt haben, dass er trotz Reanimationsversuchen eines Notarztes noch vor Ort verstarb. Die „B.Z.“ berichtet, der Obdachlose sei Stammkunde in der Bäckerei an der Residenzstraße gewesen sei. Er soll alkohol- und drogenabhängig gewesen sein.

Widersprüchliche Aussagen zum Tatgeschehen

An dieser Sichtweise gibt es einen Tag später allerdings erhebliche Zweifel. Informationen dieser Redaktion zufolge weichen die Zeugenaussagen teils sehr stark voneinander ab. So gibt es sowohl Angaben, die behaupten, die Tatverdächtigen und das Opfer hätten sich vor dem Streit bereits gekannt, als auch solche, die vom Gegenteil überzeugt sind. Auch die verwendeten Waffen, etwa der oder die Baseballschläger, sind letztlich nicht bestätigt.

Noch gravierender: Es bestanden wohl auch an der Todesursache des Obdachlosen Zweifel. Aus Polizeikreisen heißt es, dass zunächst nicht sicher war, durch was genau er gestorben ist. Sprich: ob ihn wirklich Schläge und Tritte umbrachten oder doch seine allgemeine medizinische Kondition nach der mutmaßlichen Hetzjagd dafür verantwortlich war.

Das 38 Jahre alte Opfer wurde vermutlich aber erschlagen. Darauf würden Hinweise von Zeugen der Tat hindeuten, hieß es von Polizei und Staatsanwaltschaft. Die Leiche des obdachlosen Berliners wird jedoch noch weiter untersucht, um die genaue Todesursache festzustellen.

Der Tatort war am Mittwoch weiträumig abgesperrt worden. Eine Anwohnerin berichtete der Morgenpost, den Toten am Morgen auf dem Weg zur Arbeit am Boden liegend gesehen zu haben. Um ihn herum standen Personen, lachten und filmten mit ihren Handys. „Ich habe die Situation völlig falsch eingeschätzt, dachte er sei gefallen“, sagte sie. „Ansonsten hätte ich sofort den Krankenwagen gerufen.“