Marina Gaas ist eine der ersten Personen, die ukrainische Kriegsflüchtlinge im Ankunftszentrum am ehemaligen Flughafen treffen. Die Sprachmittlerin steht am Informationscenter und gibt Auskunft zu den vielen Fragen, die die Flüchtlinge nach der Ankunft haben. Hier werden auch die Betten für diejenigen verteilt, die nicht gleich weiterfahren oder in einer regulären Unterkunft unterkommen. Der Check-in für die Flüchtlinge befindet sich am ehemaligen Lufthansa-Terminal des Flughafens. Die Betten, bis zu 2500 stehen zur Verfügung, befinden sich abgetrennt in den ehemaligen Wartebereichen für den Einstieg in die Flugzeuge.
Für Marina Gaas ist die Arbeit im Ankunftszentrum allerdings mehr, als nur Auskünfte zu erteilen. „Wir lassen die Flüchtlinge erst einmal ankommen und versuchen ein Atmosphäre zu schaffen, in der sie sich wohl fühlen“, erklärt sie CDU-Landes- und Fraktionschef Kai Wegner, der sich an diesem Tag einen Überblick über die Situation in Tegel verschaffen will.
- Newsblog Berlin: Aktuelle Nachrichten über die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf Berlin
- Liveticker: Alle überregionalen Nachrichten zum Ukraine-Krieg im Newsblog
- Übersicht: Spenden, Unterkünfte, Ehrenamt - So können Berliner helfen
- Treffen: Wo es Begegnungscafés in Berlin gibt
- Hinweise für Geflüchtete: Erste Schritte in Berlin auf Ukrainisch, Russisch, Englisch und Deutsch
Czaja: „Wir haben früh darauf gedrängt, von Anfang an groß zu denken“
Das Ankunftszentrum wird vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) betreut, in Zusammenarbeit mit allen Hilfsorganisationen der Stadt. „Wir haben früh darauf gedrängt, von Anfang an groß zu denken“, sagt Berlins DRK-Chef Mario Czaja. Das sei eine Lehre, die aus den Erfahrungen der Flüchtlingskrise 2015/2016 gezogen worden sei. Czaja weiß wovon er spricht, damals war er als Sozialsenator für die Aufnahme der syrischen Flüchtlinge verantwortlich. Mittlerweile ist er Generalsekretär der CDU, bleibt dem DRK aber erhalten.
Aus seiner früheren Tätigkeit kannte Czaja auch den erfahrenen Katastrophenhelfer Detlef Cwojdzinski. Er war schon für den Aufbau der Impfzentren zuständig und ist jetzt Projektleiter in Tegel. Der pensionierte Katastrophenmanager würde viel lieber mit seiner Ehefrau durch die Welt reisen, aber als Czaja anrief, konnte er nicht ablehnen und stellte sich in den Dienst der Sache.
„Von Anfang an war ich von der Hilfsbereitschaft der Berliner begeistert“, sagt Wegner. Ich bin stolz auf meine Stadt.“ Innerhalb einer Woche wurde das Ankunftszentrum am Flughafen aus dem Boden gestampft. Es kann bis zu 10.000 Flüchtlinge am Tag durchschleusen. Derzeit variiert die Zahl stark. Viele, die am Hauptbahnhof ankommen, reisen weiter oder kommen privat unter. Derzeit kommen 1000 bis 2000 Flüchtlinge pro Tag an. 30 bis 40 Prozent davon sind Kinder, berichtet Cwojdzinski und führt die Gäste durch das Zentrum.
Im Terminal A befindet sich der Gesundheitscheck
In einem ersten Schritt werden die Flüchtlinge durch einen Warteraum geschleust und registriert. Dabei wird darüber entschieden, ob sie in Berlin bleiben oder auf andere Bundesländer verteilt werden. Das geschieht in zwei Zelten, die auf dem ehemaligen Rollfeld stehen.
Danach kommen sie in das ehemalige Terminal A. Dort befindet sich der Gesundheitscheck, weiter hinten die Kinderbetreuung und das Tierheim, das Räume für die Versorgung der zahlreichen Tiere hat, die die Flüchtlinge mitbringen. Vor allem Hunde und Katzen werden hier versorgt, aber es war auch schon eine Schlange dabei. Vor dem Terminal stehen zwei mobile Arztpraxen. Die häufigsten Diagnosen betreffen Erbrechen, Durchfallerkrankungen und Medikamentenunterversorgung. Kriegsverletzungen mussten bislang nicht versorgt werden.
Wohin die Flüchtlinge dann weiterverteilt werden, ist noch nicht eindeutig geklärt. Eigentlich sollen sie nach dem Königsteiner Schlüssel auf die Bundesländer verteilt werden, das funktioniert aber nicht. Je nachdem, welche Kommune Busse schickt, werden sie mit Bussen dorthin gebracht. „Das ist Sache des Bundes“, sagt Cwojdzinski.


