Tegel-Ausbrecher Hamed M. ist in Belgien gefasst worden. Der 24-jährige Libyer wurde bei einem Diebstahl erwischt und sitzt seit Ende Februar unter einem Alias-Namen im Gefängnis. Ein Datenabgleich ergab, dass es sich bei dem Festgenommenen um den Gesuchten Hamed M. handelt, wie der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, der Berliner Morgenpost bestätigte. Die Behörden haben nun die Auslieferung des verurteilten Straftäters beantragt.

Hamed M. muss in Berlin noch eine Haftstrafe bis 2022 verbüßen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll Hamed M. wieder in das Gefängnis Tegel eingeliefert werden. Dort soll er erneut in der Teilanstalt II, aus der er zuvor geflohen war, untergebracht werden. Allerdings komme M. dieses Mal in einen besonders gesicherten Haftbereich. In der Justizverwaltung zeigte man sich erleichtert, dass M. gefasst wurde.

Flucht von Hamed M. wurde durch Personalnot begünstigt

Die Flucht des Libyers hatte Anfang Februar für großes Aufsehen gesorgt. Justizbedienstete hatten am Morgen des 8. Februar gegen 6.05 Uhr beim Aufschließen der Zellen festgestellt, dass M. nicht in seinem Bett lag. Stattdessen hatte er dort eine aus Kleidungsstücken, Stoffresten und Toilettenpapier gebastelte menschliche Attrappe arrangiert. Die Bediensteten informierten die Alarmzentrale, die gegen 6.12 Uhr Anstaltsalarm auslöste. Zeitgleich wurde das Gelände der JVA abgesucht. „Es war von der Möglichkeit auszugehen, dass sich der Gefangene noch auf dem Anstaltsgelände aufhielt“, erklärte Staatssekretärin Margit Gottstein dazu. Doch M. war da längst geflohen.

Laut dem Bericht der Staatssekretärin fuhr am 7. Februar um 14 Uhr ein Lkw auf das Gelände der Haftanstalt. Zwischen 14.45 und 15 Uhr wurde M. noch gesehen. Zwischen 15.30 und 17.30 Uhr hatte er die Möglichkeit zum Freigang auf einem eingezäunten Hof. Diesen „Ordnungszaun“ hat er offensichtlich überwunden. Überwachungskameras haben gegen 17.15 Uhr eine dunkel gekleidete Person registriert, die sich von diesem Zaun weg in Richtung des geparkten Lkw bewegte. Aufgefallen ist dies aber offenbar niemandem. Auch dass M. beim Einschluss um 17.35 Uhr fehlte, fiel niemandem auf.

Hamed M.
Hamed M.© Polizei Berlin | Unbekannt

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Wie die Berliner Morgenpost aus Justizkreisen erfuhr, wurde die Flucht von M. auch durch Personalnot begünstigt. So war an dem Tag die Station der Teilanstalt II, in der M. einsaß, normal besetzt. Allerdings fehlte eine Station weiter krankheitsbedingt ein Mitarbeiter. Die Vollzugsbedienstete, die für die Kontrolle der Hafträume zuständig war, musste auf einmal doppelt so viele Hafträume kontrollieren. Normalerweise muss dabei eine Lebendkontrolle stattfinden. Das unterblieb an jenem Abend – offenbar aus Zeitgründen. So fiel die Attrappe auch nicht weiter auf.

Ein weiterer Fehler war bereits zuvor auf dem Hof passiert. Dass M. über einen Zaun sprang, hätte auffallen müssen. Allerdings hatte an diesem Tag ein Mitarbeiter Dienst, der sich noch in der Ausbildung befand. Er stand nicht an der Stelle, an der er hätte stehen müssen, um den Freistundenhof einsehen zu können.

Der dritte Fehler passierte nach Informationen der Berliner Morgenpost schließlich bei Ausfahrt des Lkw. Zwar saßen an Tor 2 die dafür vorgeschriebenen zwei Mitarbeiter und kontrollierten den Lkw wie vorgeschrieben. Allerdings war auch hier ein Angestellter mit wenig Erfahrung im Dienst. Mittlerweile konnte das Versteck unter dem Lkw, unter dem sich Hamed M. mutmaßlich versteckte, aber geschlossen werden. Die JVA Tegel hatte Kontakt zu dem Lieferanten aufgenommen, der auch andere Gefängnisse in Deutschland beliefert, damit die Sicherheitslücke geschlossen wird.

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Dutzende Stellen in Tegel sind nicht besetzt

Nach dem Ausbruch hatte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) ein Sofortprogramm für die Berliner Gefängnisse aufgelegt. Befristet sollen 50 neue Mitarbeiter eingestellt werden, um Personallücken zu schließen. Kurzfristig sollen für die Kontrollen Inspektionskameras angeschafft werden. Mittelfristig soll digitale Kontrolltechnik installiert werden. Zudem sollen Bedienstete „vertiefendes Praxistraining für besonders sicherheitsrelevante Aufgaben“ bekommen. Die Opposition kritisierte das Programm als Flickschusterei.

Unterdessen wird die Personalnot in Tegel immer akuter. Von insgesamt 760 Planstellen in Tegel  (Stand März 2018) sind derzeit allerdings nur 649 besetzt. Eine Differenz von 111 Stellen. Diese Personalknappheit hat zur Folge, dass es nach wie vor zu kritischen Dienstplan-Lücken kommt. Das ist immer dann der Fall, wenn ein Mitarbeiter – wie am Tag der Flucht von M. – plötzlich krank wird.

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